Nürnberg (KNA) – Die Politik kümmert sich nicht ausreichend um die Bildung junger Menschen: Davon ist der Autor und Benediktinermönch Anselm Grün (81) überzeugt. "Die Gesellschaft ist geprägt durch eine absolute Ökonomisierung. Alles wird nach Geldwert berechnet. Da besteht die Gefahr, dass Schulen von der Wirtschaft instrumentalisiert werden", sagte Grün im Interview der "Nürnberger Nachrichten".
Schulen müssten aber Freiräume sein, in denen junge Menschen heranwachsen können, so der Ordensmann. Es gehe nicht darum, sie zu belehren, sondern sie "mit ihrer Sehnsucht nach dem wirklichen Leben" in Berührung zu bringen. "Wir dürfen da nicht als Besserwisser auftreten, sondern sie sich formen lassen zu dem, was sie eigentlich sind."
Nicht nur an Leistung messen
Der Benediktiner äußerte sich zudem zum Thema Schulnoten. Er sei nicht dafür, diese komplett abzuschaffen, da eine besonders gute Leistung auch eine Herausforderung für den Menschen sein könne. "Aber wir dürfen ihn nicht nur an der Leistung messen und bewerten, sondern wir müssen den Menschen sehen - in seiner Würde."
Zur Debatte um Handy-Verbote an Schulen für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sagte Grün: "Viele Eltern kämpfen bei ihrer Erziehung wirklich mit dem Smartphone - oder eher gegen es." Deswegen brauche es gemeinsame Regelungen, um Konkurrenzkämpfe unter den Kindern zu verhindern. "Daher wäre eine gleiche Basis für alle Kinder wichtig, eventuell auch in Form eines Verbots."
Stille aushalten können
Gerade junge Menschen hätten oft keine innere Ruhe und müssten lernen, Stille auszuhalten, sagte Grün. Das gelte besonders in einer Welt, in der ständig neue Meldungen aufploppten. Es brauche eine innere Freiheit - "gegen den Informations-Terror, gegen die dauernden Vergleiche über die sozialen Medien".
