Ecône (KNA) – Die traditionalistischen Piusbrüder zeigen sich unbeeindruckt von der Exkommunikations-Androhung durch den Vatikan. Auf der Website der Priestergemeinschaft wiederholt ihr Dogmatik-Lehrer Jean-Michel Gleize aus Ecône in der Schweiz die Argumente der Piusbrüder und weist jene der römischen Glaubensbehörde zurück. Zudem stellt er die theologische Autorität der Päpste und des Vatikans in Zweifel.
Aktueller Streitpunkt sind die für 1. Juli angekündigten Bischofsweihen der Bruderschaft, für die der Papst nicht die erforderliche Erlaubnis erteilt. Unerlaubte Bischofsweihen sind nach dem Kirchenrecht mit der von selbst eintretenden Exkommunikation belegt, also dem Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft.
Gleize und die Piusbrüder berufen sich auf eine theologische Notlage in der katholischen Kirche. Die geplanten Weihen dienten dem Heil der Seelen; könnten also nicht als Schisma gelten und müssten nach dem Kirchenrecht straffrei bleiben. Diese Argumentation setzt voraus, dass die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) theologisch und seelsorglich nicht mehr intakt ist und damit die Piusbrüder berufen sind, die Tradition der Kirche aufrechtzuerhalten.
"Exkommuniziert? Aber von wem?"
Pikant ist der Abschluss der theologischen Erklärung. Gleize hinterfragt die Rechtmäßigkeit Roms, wenn er fragt: "Exkommuniziert? Aber von wem? Von denen, die den Segen einer schismatischen Frau empfangen, der Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally?" Ebenso wird die Rechtgläubigkeit der katholischen Kirchenleitung mit Verweis auf Segnungen von Homosexuellen angezweifelt.
Der Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Manuel Fernández, hatte vergangene Woche erklärt, die unerlaubten Bischofsweihen stellten einen schismatischen Akt dar. Eine förmliche Einwilligung in eine Kirchenspaltung sei eine schwere Beleidigung Gottes und ziehe die im Kirchenrecht festgelegte Exkommunikation nach sich. Den Betroffenen ist dann unter anderem verboten, Sakramente zu spenden oder kirchliche Ämter auszuüben. Diese Exkommunikation kann nur vom Papst aufgehoben werden.
Nein zu Reformen des Konzils
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab und beharren auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.
Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht.
