Speyer (KNA) – Manuela Schurhammer ist 41 Jahre alt, als sie einen Knoten in der Brust ertastet. Was in der Mammografie zuerst aussieht wie Mikrokalk, stellt sich nach einer Biopsie als Krebs heraus. "Ein bösartiger Brustkrebs, schnell wachsend", erzählt Schurhammer. Sie habe damals entscheiden können, ob der Tumor zuerst herausoperiert werden soll und die Chemo folgt - oder umgekehrt. "Pest oder Cholera, es ist egal", habe ihr Mann gesagt.
Schurhammer entscheidet sich als Erstes für die OP. Dann folgen Chemotherapie, Bestrahlung, Antikörper- und jahrelange Antihormontherapie. "Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen", sagt sie rückblickend. Nicht nur, dass ihre Karriere jäh gestoppt wurde - manchmal sei sie kaum die Treppe hochgekommen.
Die Leute hätten gesagt: "Du siehst doch gut aus." Ja, mit Perücke und geschminkt, habe sie gedacht. Schurhammer hat einen Sohn; der war zu der Zeit 14 Jahre alt. "Der musste schnell selbstständig werden", sagt sie. Um den Rest ihres Lebens habe sich ihr Mann gekümmert.
Angebot für junge Krebspatientinnen
Das alles liegt 13 Jahre zurück. Heute arbeitet Manuela Schurhammer wieder, bei ihrem alten Arbeitgeber und ehrenamtlich. Seit 2014 leitet sie die Gruppe Speyer Abend-Aktiv der Frauenselbsthilfe Krebs (FSH). Die Gruppe wurde damals neu gegründet. Neben der schon seit Jahrzehnten bestehenden Ortsgruppe Speyer sollte es eine Anlaufstelle speziell für junge Frauen geben.
An jedem zweiten Dienstag im Monat treffen sich die Frauen, alle akut an einem gynäkologischen Tumor erkrankt, im Sankt-Georgenhaus bei der Dreifaltigkeitskirche. Zusätzlich gibt es ein "Feel Good Café" und einen Nordic-Walking-Treff.
Die Frauenselbsthilfe Krebs ist eine der größten und ältesten Krebs-Selbsthilfeorganisationen Deutschlands; Schwerpunkt sind Brustkrebs und gynäkologische Krebserkrankungen. Es gibt zehn Landesverbände und 250 regionale Gruppen. In diesem Jahr feiert der Verband sein 50-jähriges Bestehen.
Mannheimerin startete Frauenselbsthilfe
1976 erkrankte die Mannheimerin Ursula Schmidt an Brustkrebs und startete nach Amputation und Bestrahlung - damals üblich - einen Aufruf, dem 30 betroffene Frauen folgten. Gleich beim ersten Treffen wurde eine Interessengemeinschaft gegründet. Ziel sollte sein, die ungenügende Versorgung bei Brustkrebs zu verbessern und das Thema aus der Tabuzone zu holen. Schon bald übernahm die Deutsche Krebshilfe, die Mildred Scheel 1974 gegründet hatte, die Schirmherrschaft und damit auch die finanzielle Förderung.
Das Ziel gilt bis heute. "Die Frauen kommen zu uns, weil sie wissen: 'Hier sind Menschen, denen geht es genauso'", sagt Schurhammer. Perücken, Nebenwirkungen, Rehas, Angehörige, Ärzte, Ängste - im geschützten Raum der Selbsthilfe können diese und viele andere Fragen gestellt werden. Manchmal gibt es auch traurige Nachrichten, wenn eine Frau mit einem Rückfall konfrontiert wird oder wenn jemand stirbt.
Schurhammer hält das aus, wie sie sagt. Für sie persönlich steht der Krebs nicht mehr auf Platz eins ihrer Prioritätenliste. "Früher bin ich mit dem Gedanken an Krebs aufgewacht und mit ihm ins Bett gegangen, das ist heute nicht mehr so." Ganz verdrängen kann sie das Thema aber nicht, denn alle sechs Monate muss sie zur Kontrolle. Da werde sie nervös: "Aber erst, wenn ich im Wartezimmer sitze."
Unwirkliches Gefühl bei der Diagnose
Gisela Fischer hat mit ihrer Erkrankung abgeschlossen. Bei der heute 61-Jährigen wurde der Tumor vor acht Jahren während einer routinemäßigen Mammografie entdeckt. Die Brust musste abgenommen werden, und weil sie das Implantat nicht vertrug, wurde sie aus Eigengewebe rekonstruiert. Die Situation habe sie damals als unwirklich empfunden. 2010 waren ihre Mutter und Schwiegermutter an Krebs verstorben. "Ich wusste also, wie das ausgehen kann, trotzdem hatte ich lange das Gefühl: 'Das hat nichts mit mir zu tun.'"
Doch irgendwann sei sie in ein Loch gefallen. Ihr Mann, der zufällig Manuela Schurhammer kennt, habe gesagt: "Du musst unter Leute, probiere doch mal die Selbsthilfegruppe in Speyer aus." So geht sie hin - und gehört heute zum Leitungsteam. Selbst wenn die Erkrankung in ihrem eigenen Leben keine Rolle mehr spielt, will sie Frauen, die betroffen sind, weiter unterstützen. "Außerdem sind wir ein tolles Team und eine tolle Gruppe, das macht einfach Spaß."
Lebenslange Spätfolgen
Beide Frauen waren Anfang Mai bei einer Radtour gegen Krebs dabei. Neben der persönlichen Herausforderung und der Freude darüber, Frauen aus anderen Regionalgruppen kennenzulernen, geht es bei solchen Aktionen um die Erkrankung selbst. Auch wenn sich die gesellschaftliche Wahrnehmung geändert hat, heute offener über Krebs gesprochen wird, leiden Erkrankte oder Cancer-Survivor, die die Krankheit besiegt haben, nach wie vor unter Diskriminierung - und Spätfolgen.
Ein Punkt, der Manuela Schurhammer umtreibt, ist die Heilungsbewährung. Krebspatientinnen und -patienten können eine Schwerbehinderung feststellen lassen, was Vorteile wie besonderen Kündigungsschutz und zusätzliche Urlaubstage bedeutet, die oft für Untersuchungstermine gebraucht werden. Nach fünf Jahren entfällt dieser Vorteil jedoch - sollte der Krebs nicht zurückgekehrt sein. Dabei könnten Folgeschäden ein Leben lang bleiben, sagt Schurhammer. Sie selbst habe aufgrund der aggressiven Chemotherapie Nervenschäden an Fingern und Füßen.
Qualifikationen für das Ehrenamt
Gisela Fischer würde sich mehr Anerkennung für das Ehrenamt wünschen. "Natürlich machen wir das gerne, aber es kostet auch viel Zeit." Schurhammer besucht immer wieder Seminare, um sich für ihre Leitungsarbeit in der Gruppe zu qualifizieren. "Bildungsurlaub kann ich dafür leider nicht einreichen", bedauert sie. Gleichwohl leben die beiden Frauen nach dem Motto, das auf ihren T-Shirts steht, die sie fürs Fotoshooting im Garten angezogen haben: "mutig, bunt, aktiv".
