
Kloster Banz (sl) – Mit Fingerspitzengefühl und millimetergenauer Präzision wird eine selten gespielte Orgel aus der Krypta in Banz an einen neuen Ort gebracht. Am Veitsberg bekommt das wertvolle Instrument nicht nur mehr Raum – sondern endlich auch die Aufmerksamkeit, die es verdient.
Ein Orgelumzug ist nichts Alltägliches. Doch wer schon einmal selbst umgezogen ist, ahnt, worauf es ankommt: Sorgfalt, Planung und ein gutes Auge fürs Detail. Genau das ist an diesem Montagvormittag, dem 27. April, in der Krypta der Stiftskirche Banz gefragt – nur dass es hier nicht um gewöhnliches Mobiliar geht, sondern um ein besonderes Stück: eine knapp zehn Jahre alte Orgel.
Das Instrument, gebaut von der Bamberger Orgelbauwerkstätte Eichfelder, fristete bislang ein eher stilles Dasein. In der Krypta kam es nur selten zum Einsatz. „Die Bedingungen sind hier unten auch nicht die besten, aufgrund der allgemein hohen Feuchtigkeit in der Krypta“, erklärt Mesnerin Anita Gottschlich. Die Idee, die Orgel an einen neuen Ort zu bringen, hatte schließlich Isabel Voll. Als Mitarbeiterin im Seelsorgebereich Gottesgarten und ehrenamtliche Organistin wusste sie um den Wert des Instruments – und um dessen ungenutztes Potenzial.
Gleichzeitig stand in der St.-Veit-Kapelle am Ansberg eine in die Jahre gekommene elektronische Orgel. Die Lösung lag nahe: Warum nicht das hochwertige Instrument aus Banz dorthin bringen? Gesagt, getan.
Am Morgen beginnt der aufwendige Abbau. Orgelbaumeister Thomas Eichfelder, seine Frau Monika und ein Mitarbeiter zerlegen das Instrument Stück für Stück. Zuerst werden Bank und Verkleidungen entfernt, dann folgt Pfeife für Pfeife. Sorgfältig sortiert und gepolstert landen die Metall- und Holzpfeifen in Kisten. Beschriftungen sind dabei kaum nötig. „Wir wissen, wo jede Pfeife hingehört – schließlich haben wir die Orgel selbst gebaut“, sagt Eichfelder mit einem Anflug von Stolz.
Zurück bleibt ein nahezu skelettartiges Grundgerüst aus Holz. Währenddessen nutzt Monika Eichfelder die Gelegenheit, das Innenleben gründlich zu reinigen. Mit einem speziellen Staubsauger entfernt sie Staub, der sich über die Jahre angesammelt hat – damit er gar nicht erst mit auf Reisen geht.
Noch am selben Vormittag tritt die Orgel ihre Fahrt zum Ansberg an. Dort wartet bereits die nächste Herausforderung. Zunächst muss die alte Elektroorgel samt Podest von der Empore entfernt werden. Mithilfe eines mobilen Krans, der auf Rollen in die Kapelle geschoben wird, gelingt dies spektakulär. Zentimeter für Zentimeter werden Podest, Bänke und schließlich die Orgel selbst nach unten manövriert.
Dann ist Platz für das neue Instrument – doch auch hier ist Präzision gefragt. Zwischen Emporenbrüstung und Decke bleibt nur wenig Spielraum. Die schwere Orgel muss exakt positioniert werden. Ruhig und routiniert arbeiten die Fachleute, bis schließlich alles an seinem Platz ist.
Doch damit ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. „Morgen kommen wir noch einmal, um die Orgel zu stimmen“, erklärt Monika Eichfelder. Der Temperaturunterschied zwischen der kühlen Krypta und der wärmeren Kapelle wirkt sich auf die Pfeifen aus. Erst wenn sich die Luft im Inneren angepasst hat, kann das Instrument perfekt eingestellt werden. Auch die veränderte Akustik – von der niedrigen Krypta hin zur offenen Empore – spielt dabei eine Rolle.
