Schwester Leticia und ihre Mission in El Paso

El Paso (KNA) – Den Hauptgrund für ihre Arbeit könne man schon aus dem Flugzeug sehen, hatte Schwester Leticia im Vorgespräch per Online-Call gesagt. Und richtig: als der Flieger aus Mexiko-Stadt nach gut drei Stunden zum Landeanflug in Ciudad Juarez ansetzt, zieht sich die gigantische Grenzbefestigung wie ein Lindwurm durch die Landschaft. Im Volksmund längst „Trump-Mauer“ genannt, trennt sie die mexikanische Stadt vom US-amerikanischen El Paso. 

 

Dort, auf der anderen Seite, parkt Leticia Gutierrez Valderrama wenig später ihren silbernen Kleinwagen vor dem katholischen Gemeindezentrum. Die 57-Jährige gehört dem Orden der Scalabrini-Schwestern an, die sich weltweit um Flüchtlinge und Migranten kümmern. Und das ist wohl kaum irgendwo auf der Welt eine schwierigere Aufgabe als hier an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. 

 

„Donald Trump hat aus dieser Grenze zwischen zwei Ländern eine Grenze zwischen zwei Welten gemacht“, sagt die resolute Schwester. Tausende Menschen fliehen jedes Jahr aus Kolumbien, Honduras, Guatemala und anderen Ländern Lateinamerikas. Fast alle nehmen die Route über Mexiko in Richtung USA. Viele stranden jetzt in Ciudad Juarez; die Grenze ist dicht. 

 

Aber die Trump-Regierung will nicht nur die Einwanderungszahlen massiv senken. Auch Migranten, die schon länger in den USA sind, bekommen plötzlich Stress. Willkürliche Verhaftungen durch die US-Migrationsbehörde ICE sind an der Tagesordnung, Abschiebungen bei Nacht und Nebel inklusive. Schwester Leticia will diesen Menschen helfen. 

Als noch mehr Einwanderer über die Grenze kamen, organisierte sie mit ihren Mitschwestern die Versorgung in einer alten Turnhalle. Unterkunft, Kleidung, eine warme Mahlzeit. Heute steht die Turnhalle leer; ein paar Kinderbilder hängen an der Wand, Wollmäuse segeln lautlos durch die Ecken. 

 

„Hausherr“ dieser alten Turnhalle ist Pater Rafael Garcia, Pfarrer der katholischen Gemeinde. Er organisiert seit Jahren gemeinsam mit Schwester Leticia die Versorgung der Migranten. Heute schämt er sich für die Haltung seiner Regierung. „Früher waren El Paso und Ciudad Juarez eine Stadt mit zwei Herzen“, sagt er; „wir sind einfach zum Einkaufen auf dem Markt über den Fluss gegangen.“ Auch jetzt steht auf der mexikanischen Seite der Brücke noch „Feliz Viaje“ („Glückliche Reise“). Aber ohne Visum, Pass und Grenzkontrollen kommt man nicht mehr hinüber. 

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 20/2026