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Friedensstifter und zugleich Störenfried sein

Das Wort verkündigen: Burkhard Farrenkopf in der Oberkirche auf Burg Feuerstein. Vorne ein Leuchtbild mit der Aufschrift „Du bist geliebt, so wie du bist“, hinten die von Jugendlichen gestaltete Installation „Trotz allem“. Foto: Bernd Buchner
Das Wort verkündigen: Burkhard Farrenkopf in der Oberkirche auf Burg Feuerstein. Vorne ein Leuchtbild mit der Aufschrift „Du bist geliebt, so wie du bist“, hinten die von Jugendlichen gestaltete Installation „Trotz allem“. Foto: Bernd Buchner

Burg Feuerstein (buc) – Anfang dieses Jahres gab es eine bundesweite Jahrestagung der katholischen Diakone. Sie trug den Titel „Friedensstifter und Störenfriede“. Burkhard Farrenkopf, der für das Erzbistum als Diözesansprecher der Diakone bei dem Treffen dabei war, fand das Spannungsfeld des Berufsbilds gut benannt: „In der Liturgie wünschen wir den Frieden, auf der anderen Seite sind wir jene, die für eine beziehungsnahe Kirche stehen.“ Das heißt für den 59-Jährigen, dass man durchaus einmal im positiven Sinn stören, anstößig sein darf und soll.

 

Diakone waren in der frühen Kirche von Bedeutung, schon im Neuen Testament finden sich Hinweise auf ihre Tätigkeit. Dann ging der Stellenwert verloren, erst das Zweite Vatikanische Konzil führte den Diakonat als eigenen Berufsstand wieder ein. Es gibt Diakone im Haupt- und mit Zivilberuf, letztere üben ihren Dienst stundenweise neben ihrem Zivilberuf aus. Das können Facharbeiter und Angestellte, auch Ingenieure, Ärzte und Juristen sein. Diakone im Hauptberuf arbeiten meist im Seelsorgebereich oder der Schule. Wichtig für das Berufsprofil ist die Gemeinschaft, die beide Gruppen als Diakone in einem Berufsstand verbindet.

 

„Das Erzbistum steht dem Diakonat schon immer sehr aufgeschlossen gegenüber“, sagt Burkhard Farrenkopf. Eine pragmatisch orientierte Sicht von Seelsorge war auch einer der Gründe für den in der Nähe von Würzburg geborenen Theologen, nach dem Studium zur Ausbildung zum Pastoralreferenten nach Bamberg zu wechseln. Von den gegenwärtig knapp 60 Diakonen in der Erzdiözese halten sich Diakone im Haupt- und mit Zivilberuf ungefähr die Waage. Farrenkopf selbst ist im Hauptberuf tätig, als Seelsorger im Jugendbildungshaus Burg Feuerstein in Ebermannstadt.

 

Für den Zugang zum Diakonat gelten die Altersgrenzen 35 bis 55 Jahre. Farrenkopf hält das für sinnvoll: „Es sollen in Ehe und Beruf bewährte Männer sein, die einen positiven  Reifegrad haben.“ Und weiter: „Der sinnvolle Einsatz eines geweihten Diakons braucht eine gewisse Lebens- und Arbeitszeit.“ Sprich: Er soll zumindest noch einige Jahre gut in der Seelsorge tätig sein können. „Es gibt aber immer mal wieder kleinere Abweichungen nach oben und unten“, berichtet der Diakon. Farrenkopf selbst wurde bereits mit 33 geweiht, mit Zustimmung des damaligen Erzbischofs Karl Braun und der nötigen Sondererlaubnis aus Rom.

 

Er darf vieles, doch nicht alles

 

Was darf ein Diakon? Vieles, aber nicht alles. Bußsakrament, Krankensalbung und Eucharistie sind dem Priester vorbehalten. Diakone haben im Gegensatz zu nichtgeweihten Gläubigen die Möglichkeit, in der Eucharistiefeier das Evangelium vorzutragen und auch zu predigen, Tauffeiern und Trauungen vorzustehen. Probleme bei der Grenzziehung zwischen Priestern und Diakonen sieht Farrenkopf nicht: „Ich hatte sie eigentlich nie.“ Beide Berufsstände ergänzten sich, gottesdienstlich wie in der Seelsorge. Das ist eine Erfahrung, die er auch in der Zusammenarbeit mit Diözesanjugendpfarrer Gerd Richard Neumeier macht.

 

Burkhard Farrenkopf wuchs mit fünf jüngeren Geschwistern in einer auch „glaubenskritischen“ Familie auf, wie er sagt, war in der Jugendarbeit und als Ministrant tätig, entschied sich später gegen einen technischen Beruf und für das Theologiestudium. Den Weg, Priester zu werden, verließ er bald wieder. Nach dem Studium in Würzburg und Freiburg wechselte er nach Bamberg: „Das Erzbistum war für mich überzeugend und attraktiv.“ Er schätzte vor allem den praxisorientierten Zugang zur Pastoral.

 

Als Pastoralreferent war Farrenkopf zunächst in Höchstadt an der Aisch tätig, wechselte nach seiner Diakonenweihe nach Aschbach bei Schlüsselfeld, wo er als Ansprechpartner mit dem Pfarrer die Leitung einer Gemeinde übernahm, für mehrere Kindergärten zuständig war, während er weiter als Klinik- und Altenheimseelsorger in Höchstadt arbeitete. Hinzu kam das Amt des Dekanatsjugendseelsorgers. Die Diakonenweihe war 1999. Dieser Weg dorthin sei keiner gewesen, „den ich bewusst anvisiert hatte“, erzählt der Geistliche. Vielmehr hätten ihn immer wieder Menschen angesprochen, ihn zu diesem Schritt ermutigt.

 

2012 folgte der Ruf zur Burg Feuerstein, im Jahr darauf begann Farrenkopf seine Tätigkeit als Seelsorger in dem Jugendhaus. Der Jugendarbeit war er bereits seit längerem verbunden, etwa als Pfarreigeistlicher der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) als Dekanatsjugendseelsorger oder bei der Kolpingjugend in der Diözesanleitung. Seit längerem ist der Diakon auch Diözesanpräses des Kolpingverbands im Erzbistum, ist für die Mitglieder als Seelsorger tätig, veranstaltet Fahrten, etwa Ende Mai ins polnische Partnerbistum nach Nowogard bei Stettin.

 

Auf Burg Feuerstein leitet Farrenkopf in Absprache mit Domvikar Neumeier und dem Jugendhaus Gottesdienste. Er steht mit dem pädagogischen Team für Gespräche mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Verfügung und ist auch für die seelsorgerische Begleitung der rund 40 Mitarbeitenden zuständig. Die Entwicklung von Programmen in Zeiten wie Advent, Fasten- und Osterzeit, aber auch darüber hinaus sind ihm wichtig, um jungen Menschen spirituelle Angebote zu machen. „Ich stehe auch im Rahmen meiner Möglichkeiten für sakramentale Fragen zur Verfügung“, sagt er. Der Feuerstein sei „Andockpunkt“ für Menschen, die wenig Kontakt zu ihren Pfarreien vor Ort hätten. Immer wieder geht es auch um Grenzsituationen in Glaubens- und Lebensfragen.

 

Gewählter Sprecher

 

Als von den ständigen Diakonen in ihrer Vollversammlung gewählter Diözesansprecher leitet der Geistliche den Sprecherrat der Diakone im Erzbistum, eine gewählte Vertretung der Diakone aus Weihekursen und Regionen.  Weitere Mitglieder sind der bischöflich Beauftragte, der Arbeitsstellenleiter für das Diakonat und der Diakonenseelsorger. Das Gremium nimmt die Anliegen des Berufsstands auf und leitet sie an die Diözesanleitung weiter. Regelmäßig spricht der Erzbischof mit den Diakonen, Farrenkopf bereitet das Gespräch vor. Er ist Gast im Priesterrat und nimmt an Sitzungen der Diakonatskommission teil.

 

Der wichtigste Unterschied zum Weiheamt der Priester ist, dass ständige Diakone bei der Weihe auch verheiratet sein können. Ihre Frauen werden mit einbezogen, das steht ausdrücklich in der Dienstordnung. Es gibt regelmäßige Angebote für Treffen der Ehefrauen, der Sprecherrat hat dies ausdrücklich als Aufgabe. „Wir können unseren Dienst nur leisten, wenn sie uns unterstützen“, so Farrenkopf. „Das weiß auch die Kirche.“ Die Familie sei auch ein wesentliches Fundament seiner Arbeit, sagt der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder. „Die Spiritualität der Familie ist eine gute Voraussetzung für den Dienst.“

 

Farrenkopf kann sich durchaus vorstellen, dass es auf absehbare Zeit auch Diakoninnen gibt. „Aufgrund der biblischen Situation und Anforderungen der Seelsorge ist das überlegenswert“, sagt er. „Ich freue mich, dass die Diskussion darüber prinzipiell weitergeht.“ Er erlebe viele fähige Männer und Frauen, die für Amt und Aufgabe in Frage kämen: diakonisch zu arbeiten, die Beziehung zwischen Menschen und zu Gott voranzubringen, aus dem Kernbereich der Kirche heraus auch an die Ränder zu gehen.

 

Trotz bestehender Probleme sieht Burkhard Farrenkopf die Zukunft der Kirche positiv. Nicht mutlos werden, sondern leidenschaftlich sein, so seine Überzeugung. „Wir werden vermutlich nicht mehr überall in der Fläche vertreten, aber mit einer Leidenschaft für die Beziehung zu Gott, die wir repräsentieren.“ In der Jugend gebe es ein großes Interesse an Glaubenspraxis und Spiritualität. „Ich erlebe nicht Resignation, sondern viele, die auf mich zukommen – mit positiven Gedanken. Manchmal sicher mit einem Fragezeichen, an dem es sich lohnt, gemeinsam zu arbeiten.“