
Dörrnwasserlos (ku) – Von einem Ort der Abschreckung zu einem Ort, „an dem Maria wohnt“ – das ist das Schönstattzentrum Marienberg. „Und hier am Heiligtum der Verbundenheit erfahren wir, dass es eine Alternative gibt zu Krieg und Hass“, konstatierte Pfarrer Andreas Hornung in seiner Begrüßung der mehreren hundert Gläubigen, die am 1. Mai zum traditionellen Bergfest ins Schönstattzentrum Marienberg gekommen waren. „Hier haben wir ein Heiligtum der Verbundenheit und erfahren immer wieder Christus, der uns über die Jahrhunderte hinweg Schutz vor den Stürmen gibt.“ Mit weiteren Geistlichen war der Schönstatt-Priester in diesem Jahr der Hauptzelebrant des Festgottesdienstes.
Um Stürme ging es auch in der Predigt von Schönstatt-Diözesanpräses Martin Emge. „Wir nehmen den Wind wahr, der um uns weht. So viele Winde sind es: Stimmen und Meinungen, Empfehlungen und Umfragen“, so der Domkapitular. „Es gibt so viele, die sich als Steuermänner und Influencer präsentieren. Aber wem dürfen wir trauen? Auf wen sollen wir hören?“
Nach Emges Worten gebe es auch in der Kirche seit vielen Jahren nicht nur Winde, sondern regelrechte Stürme. „Wir leben“, so der Prediger, „seit Jahren im Dauerkrisenmodus. Wir erleben einen massiven, religiösen Substanzverlust, eine Verdunstung des Glaubens, eine Spiritualität ohne Bindung, einen Glauben ohne eine konkrete Lebensform.“ In einer solchen Situation sei die Sehnsucht nach Halt und Verlässlichkeit, nach Bindung und Orten der Hoffnung groß. „Und in dieser Zeit sitzt Marien mit uns im Boot der Kirche.“ Emge weiter: „In dieser herausfordernden Situation sind wir heute hierher gekommen, weil wir uns von Maria Hilfe erhoffen. Als Mutter der Kirche sitzt sie doch mit uns im Boot.“
Dabei sei Maria in ihrem Leben selbst eine Frau mit einer großen „Unsicherheitskompetenz“ gewesen. Für den Schönstattpräses war das Jawort Mariens in der Stunde der Verkündigung durchaus mutig, aber auch riskant gewesen. Martin Emge: „Sie hatte keine Sicherheit. Sie hatte nichts als ihren schwachen Glauben und ihr Gottvertrauen.“ Auf der Wallfahrt nach Jerusalem, als ihr Kind, als Jesus, zurückblieb, habe sich ihre Verletzlichkeit gezeigt. An Pfingsten habe sie dann ihre Offenheit für Neues gezeigt, „auch wenn sie nicht wusste, wie die junge Kirche entstehen könnte“.
Als „echt krass“ bezeichnete der Domkapitular in seiner Predigt die Gelassenheit und das Gottvertrauen der biblischen Maria, die – trotz aller äußeren Unsicherheiten – in unerschütterlicher Weise an Gott gebunden war. „Diese Maria hat mit ihrem Glauben starke beschützende, tröstende und helfende Züge.“ In diesem Zusammenhang ging Emge auf das Bild der Schutzmantelmadonna ein, die ihren Mantel breit mache. „Mach Schirm und Schild für uns daraus, dass wir darunter sicher steh’n, bis alle Stürm vorübergeh’n.“ So heißt es in dem bekannten Marienlied.
Es gebe laut dem Domkapitular aber auch die Pietá und Schmerzensmutter unter dem Kreuz, die in extremen Leid und Trauersituation Stärke zeige. Und die Mariahilf-Bilder zeichnen Maria als eine Mutter, die Geborgenheit und mütterliche Nähe schenke. „Unser Schönstatt-Gnadenbild gehört zu diesem Bildtypus.“
Mit Maria als Mutter könnten die Menschen dem Wind trauen und im Sturm glauben. „Diese Erfahrung und bleibende Sendung Mariens machen wir uns zu eigen“, sagte Emge. „Wir sehen ja nicht nur das Vorbild, das wir nachahmen können, sondern die persönliche Wegbegleiterin und Mutter. Dieser Zugang ist wesentlich intimer, persönlicher und stärkender.“
Diese Spiritualität ist für den Präses zentral für Schönstatt. Martin Emge: „Mitten in den Stürmen der Zeit sind es personale und lokale Bindungen, die Halt und Sicherheit geben. Deswegen pflegen wir die persönliche Beziehung zur Mutter Gottes.“ Viele Gläubige würden Marienmedaillen um den Hals tragen, legen ihre Bilder ins Gebetbuch, haben Marienbilder auf ihrem Handy und zu Hause in den Wohnungen. Und viele hätten ihren Rosenkranz bei sich, „weil sie wissen, dass sie sich an ihm festhalten können, wenn die Not am größten ist“.
Die Verbundenheit mit Maria im Alltag könne tragen „und lässt uns die Ruhe selbst sein, „weil wir eine starke Bündnispartnerin an der Seite haben. Von ihr dürfen wir uns tiefe Gotteserfahrungen schenken lassen“.
Halt in stürmischen Zeiten können nach Martin Emges Worten auch lokale Bindungen sein, geistliche Orte wie Kirchen, heilige Räume und Wallfahrtsorte. „Hier auf dem Marienberg dürfen wir immer wieder erfahren, wie dieser Ort anzieht und welche Kraft aus dieser Kapelle kommt“, so der Domkapitular. „Sie ist wie eine Arche auf stürmischer See, eine Ruheplatz im Auge des Orkans.“
Zum Abschluss appellierte Martin Emge an die Gläubigen: „Haben wir keine Angst wenn der Wind ins Gesicht weht. Haben wir keine Angst, wenn die Stürme heftiger werden. Jesus sitzt mit ihm Boot, der Vater sitzt am Steuer und Maria an unserer Seite. Mit ihr können wir dem Wind trauen und selbst im größten Sturm glauben.“
Andreas Kuschbert
