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"Mir war klar, dass ich helfen will"

Für 1,3 Millionen Menschen ist das „Mother of Mercy Hospital“ die einzige Anlaufstelle für medizinische Hilfe. Foto: Kontinente / Hartmut Schwarzbach
Für 1,3 Millionen Menschen ist das „Mother of Mercy Hospital“ die einzige Anlaufstelle für medizinische Hilfe. Foto: Kontinente / Hartmut Schwarzbach

Bamberg (kem) – Es war ein Schicksalsschlag in der Familie, und ein zufälliger Blick in ein Magazin. Im vergangenen Jahr verlor der Bamberger Norbert Engel seine Frau nach längerer Krankheit. Einige Tage nach ihrem Tod, nahm Engel das Magazin „kontinente“ von missio in die Hand. Und ein Artikel dort nahm ihn komplett in Beschlag: Auf mehreren Seiten wurde dort über das „Mother of Mercy Hospital“ an der Grenze zischen dem Sudan und Südsudan berichtet. 

 

„Durch die Krankheit meiner Frau, verbrachte auch ich als Angehöriger viel Zeit in Klinken. Und wenn man dann so etwas sieht, wie hier in diesem Artikel, dann weiß man erst, in welch glücklicher Situation wir in unserem Land leben“, so Engel. Umso mehr erschütterte ihn der Artikel aus Afrika. Zwar liege das Krankenhaus nicht direkt im Kriegsgebiet. Dennoch müssten sich die Menschen dort mehrmals täglich in Erdlöchern vor Schüssen in Sicherheit bringen. Menschen, die zu Teil mehrere Tage mit ihren kranken Verwandten unterwegs sind, sie auf Matten oder Fahrrädern transportieren, nur um in dem Krankenhaus, das von einem amerikanischen Arzt geleitet wird, behandelt zu werden. Denn das „Mother of Mercy Hospital“ ist das Einzige Krankenhaus in dem Bürgerkriegsgebiet – einer Gegend mit 1,3 Millionen Einwohnern und mit einer Fläche vergleichbar mit der von Baden-Württemberg. 

 

„Mir war klar, dass ich hier helfen will“, erinnert sich Engel. Als Gründer der Vereine „Mabuhay“ – einer Hilfe für Kinder auf den Philippinen – und „Menschen in Not“ wusste er zwar, was es heißt, wenn Menschen in Armut leben. „Doch dieses Ausmaß hat mich doch noch einmal mehr überrascht.“ 

 

Ein glücklicher Zufall brachte Norbert Engel dann in Kontakt mit der Organisation „action medeor“ mit Sitz in Nordrhein-Westfalen. Diese stellt Generika her und liefert sie an Krankenhäuser in den ärmsten Regionen überall auf der Welt – und so auch in der „Mother of Mercy Hospital“ im Sudan. Mit der Hilfe von 16 Euro können hier zum Beispiel gut 1000 Schmerztabletten finanziert werden. 30 Euro decken die Medizin-Kosten für einen Krankenhausaufenthalt, 55 Euro sichern die Behandlung von 150 an Malaria erkrankten Kleinkindern. „Wir haben keine Vorstellung mit wie wenig Geld man so viel bewirken kann“, erklärt Engel. 

 

Dennoch möchte Engel natürlich nicht in Konkurrenz zu seinen anderen beiden Vereinen treten. „Mit den ,Kinder laufen für Kinder‘-Läufen an Schulen haben wir schon viel Geld für ,Mabuhay‘ einnehmen können. Da möchte ich nicht daran rütteln“, so Engel, der aktuell auf der Suche nach Spenderinnen und Spendern ist. Im Gegenzug bietet er Vorträge zum Thema an oder auch einen Liederabend unter dem Motto „Lebenslieder“. Und er verspricht, dass jeder Euro auch direkt im „Mother of Mercy Hospital“ ankommt. 

 

Dafür gründete er nun die „Sudan-Initiative Ingrid Engel“, welche mit der „action medeor“ zusammenarbeitet. „Mir war es wichtig, die Initiative nach meiner verstorbenen Frau benannt werden soll, auch wenn ihr das sicher nicht gepasst hätte“, erklärt Engel. Seine Frau war über Jahrzehnte die stille Arbeiterin im Hintergrund von Engels Verein „Mabuhay“ und kümmerte sich um die Buchhaltung. 

 

Natürlich ist Norbert Engel auch klar, dass er mit seiner neuen Initiative und den Spenden aus Bamberg nicht die Welt bewegen kann. „Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Doch jeder Tropfen, jeder Euro höhle diesen Stein. Das bedeutet für Norbert Engel, dass kein Mensch an behandelbaren Krankheiten und Verletzungen sterben soll. Denn „Gesundheit ist kein Privileg, sondern ein Menschenrecht“.