München (KNA) – Für 2025 hat die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Bayern (Rias) 1.551 antisemitische Vorfälle dokumentiert. Das sind 25 mehr als im Vorjahr, wie aus dem am Dienstag in München vorgestellten Jahresbericht hervorgeht.
Zu 82,5 Prozent handelte es sich demnach meist um israelbezogenen Antisemitismus. Vermehrt seien auch Online-Bedrohungen registriert worden, "mit teils expliziten und potenziell strafbaren Gewaltaufrufen".
Die Vorfälle blieben auf hohem Niveau, sagte Rias-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpaci. Inzwischen werde insbesondere online oft ganz unverblümt gegen "die Juden" gehetzt. "Antisemitische Ausdrucksformen wurden enthemmter, bedrohlicher und direkter", erklärte Seidel-Arpaci.
Gesellschaftliches Tabu schwindet
Den Angaben zufolge dokumentierte die Meldestelle einen Fall extremer Gewalt, 14 Angriffe, 22 gezielte Sachbeschädigungen, 78 Bedrohungen, zehn Massenzuschriften und 1.426 Fälle verletzenden Verhaltens, darunter 330 Versammlungen.
Die Zahl der Online-Vorfälle stieg von 385 auf 827, wie es hieß. Vor allem in diesem Bereich seien Beschimpfungen, Bedrohungen und Gewaltaufrufe, oft im Rückgriff auf Stereotype und mit Bezug auf Israel und den Nationalsozialismus, bekannt. "Das gesellschaftliche Tabu des öffentlich geäußerten Judenhasses scheint zunehmend einzubrechen", so die Rias-Leiterin.
Jüdische oder israelische Institutionen waren laut Mitteilung in 466 Fällen betroffen. Im Jahr zuvor waren es 192. Insgesamt 84 Fälle richteten sich gegen jüdische oder israelische Einzelpersonen, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 153. In 812 Fällen seien die Betroffenen als jüdisch oder israelisch adressiert gewesen, unabhängig davon, ob sie dies auch tatsächlich waren.
Die Zahl der Versammlungen, auf denen antisemitische Inhalte verbreitet wurden, sei 2025 zurückgegangen: von 563 auf 330. Insgesamt 19 Prozent der Fälle seien dem antiisraelischen Aktivismus zuzurechnen, im Vorjahr seien es knapp 36 Prozent gewesen, hieß es. Alle weiteren politischen Hintergründe bewegten sich im einstelligen Prozentbereich. Rias Bayern verwies darauf, dass insgesamt von einem großen Dunkelfeld auszugehen sei.
