Vatikanstadt (KNA) – Die erste Reise des Pontifikats von Leo XIV. sollte eigentlich seine Afrika-Tour sein. Nun wurde es die dritte – und intensiver als erwartet. Inzwischen scheint der Papst mit voller Kraft in seinem Amt angekommen.
Bamm, bamm, bamm: Wenn der Papst kommt, knallt es – zumindest in Äquatorialguinea. Das gilt nicht nur im übertragenen Sinne für seine extrem kritische Rede vor dem diktatorischen Herrscher des kleinen Landes in Zentralafrika, sondern auch wortwörtlich: Bunte Pyrotechnik vernebelt Leos XIV. Ankunft am vorletzten Reisetag auf dem kleinen „Petersplatz“ vor der Basilika zur Unbefleckten Empfängnis. Ein Rosenkranz aus Luftballons steigt vor der Fassade empor, die mit Kuppel und zwei Türmen dem ursprünglichen Entwurf von Petersdom-Architekt Gian Lorenzo Bernini erstaunlich nahe kommt.
In Mongomo auf dem Festland des Staates von der Größe Brandenburgs erlebt Leo XIV. eine Art Heimspiel vor dem Heimflug nach Rom. Das bunte, laute Publikum trägt einheitlich gelbe Kappen mit dem Logo des Papstbesuchs, das Konterfei des Kirchenoberhaupts ziert Hemden, Kleider, Hosen – und wo ein Originalfoto des Papstes fehlte, half ein KI-generiertes Bild aus.
Mehr als 30 000 Menschen waren zu der Messe gekommen. Rund 75 Prozent der Bevölkerung Äquatorialguineas sind laut Angaben aus dem Vatikan katholischen Glaubens. In seiner Predigt berief sich Leo auf Worte seines Vorgängers, Papst Franziskus. Leo rief die Gläubigen auf, sich durch den Dienst an Gerechtigkeit und Solidarität gegen eine „individualistische Traurigkeit“ zu wenden.
Die Kosten des Spektakels für Leo XIV. in dem Land, in dem etwa die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt, sind nicht bekannt. Die Regierung wies Medienberichte zurück, wonach sie Beamten und Streitkräften Gehaltskürzungen auferlegt habe, um den Papstbesuch zu finanzieren.
Der Termin in der Basilika war einer der letzten auf Leos elftägiger Afrika-Reise. Nachdem er sich in Algerien für christlich-islamischen Dialog engagiert und vor allem die Wirkungsstätte seines geistlichen Vaters, des heiligen Augustinus, besucht hatte (wir haben berichtet), flog der Papst zunächst nach Kamerun.
Dann ging es weiter nach Angola und am Ende in das wohl katholischste Land Afrikas: Äquatorialguinea. Alle vier Staaten haben koloniale Vergangenheiten, deren Folgen bis heute sichtbar sind.
