Nürnberg (epd/psn/buc) – Die Pfarrei St. Sebald in Nürnberg hat beschlossen, ab 17. Mai von Touristen Eintritt für die Kirche zu verlangen. Hintergrund sind sinkende Spendeneinnahmen für den Bau- und Betriebsunterhalt in allen evangelischen Innenstadtkirchen, wie Stadtdekan Jürgen Körnlein betonte. „Es ist ganz einfach: Früher gab es genügend Kirchensteuerzahler, daher konnten die Kirchen auch erhalten werden“, so der Geistliche. „Inzwischen fehlen die Finanzmittel.“
In der gotischen Sebalduskirche befindet sich das Grab des Stadtpatrons Sebaldus, der im 11. Jahrhundert wirkte. Es ist das einzige Heiligengrab in einer protestantischen Kirche in Mitteleuropa. Nach den Worten von Körnlein prüft auch St. Lorenz, die andere evangelische Hauptkirche der Stadt, ob Eintrittsgelder eingeführt werden sollten. Letztlich müsse jede Kirchengemeinde selbst entscheiden, wie sie mit der Frage umgehe. Er sehe das Konzept aber nur dort als sinnvoll an, wo ein hohes touristisches Aufkommen herrscht. St. Sebald hatte 2025 Jahr zum ersten Mal mehr als 500 000 Gäste.
Wer die Kirche wegen ihrer Kultur und Geschichte besuchen will, muss künftig 5 Euro Eintritt zahlen (ermäßigt 2,50 Euro). Für 15 Euro ist eine Jahreskarte zu haben. Für Gemeindeglieder, Vereins- und Chorangehörige sowie für Besuche zu Gottesdiensten oder das persönliche Gebet bleibe der Eintritt frei, hieß es. Gäste wurden bisher am Eingang um freiwillige Spenden gebeten. „Wir müssen mehr Einnahmen generieren, um die Kirche zu erhalten“, sagte Körnlein. Mehrere Millionen Euro müssten in den kommenden Jahren in Sanierungsmaßnahmen investiert werden. Von der Landeskirche bekämen die prestigeträchtigen Innenstadtkirchen zwar Unterstützung, die belaufe sich bei St. Sebald aber nur auf 50 000 Euro im Jahr. Allein der laufende Unterhalt liege allerdings bei mehr als 300 000 Euro pro Jahr.
St. Sebald geht mit dem Eintrittsgeld einen Schritt, den bisher noch sehr wenige Kirchen in Bayern gewagt haben. Nur in vereinzelten evangelischen Gotteshäusern, etwa der Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber, muss ein Ticket gekauft werden. Im Kölner Dom müssen Touristen ab Juli rund 10 Euro Eintritt zahlen. Die katholischen Kirchen im Freistaat sind kostenlos. Dass das so bleiben soll, hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx erst vor kurzem betont. Mit Blick auf die Bamberger Michaelskirche, die nach jahrelanger Instandsetzung kürzlich wiedereröffnet wurde, bestand Erzbischof Herwig Gössl darauf, dass der Zutritt zu dem Gotteshaus, das im Besitz einer weltlichen Stiftung ist, unentgeltlich bleibt.
Mit Blick auf die Sebalduskirche sagte Körnlein, auch die katholische Kirche in Nürnberg werde sicher mit großem Interesse verfolgen, wie die Resonanz sein werde. Nach den Worten der Pressesprecherin der Stadtkirche, Elke Pilkenroth, ist die Erhebung von Eintrittsgeldern in den katholischen Innenstadtkirchen in absehbarer Zeit kein Thema. „Wir freuen uns über viele Interessierte an unseren Kirchen. Sie stehen den Menschen für Gottesdienste, Beten, zum Kerzenanzünden und Innehalten offen. Genauso freuen wir uns auch über Kunstinteressierte sowie Touristen, die zu uns kommen und unsere Kirchen auf diese Weise entdecken möchten.“ Die katholische Frauenkirche am Hauptmarkt war kürzlich mit Millionenaufwand grundsaniert worden.
