Rom/Goldenstein (KNA) – Überraschende Wende im Streit um die Besetzung des österreichischen Klosters Goldenstein. Am Dienstagabend meldete das zuständige Stift Reichersberg, dass die drei in Goldenstein lebenden Augustiner-Chorfrauen "ohne jegliche Information an die zuständigen Ordensoberen" aus dem Kloster verschwunden seien.
Aktuell wisse niemand, wo sich die drei betagten Frauen aufhielten, so Propst Markus Grasl. Sollten die Schwestern bis Mittwoch nicht wieder im Kloster auftauchen, "sehen wir uns gezwungen die Behörden zu informieren und Anzeige zu erstatten", sagte Grasl.
Vatikan will vermitteln
Zuvor war bekanntgeworden, dass der Vatikan in dem Konflikt einen Vermittler einsetzte. Die zuständige Behörde ernannte den Salzburger Erzabt Jakob Auer (35) zum Assistenten Grasl. Die drei in Goldenstein lebenden Augustiner-Chorfrauen hatten sich im Dezember an den Vatikan gewandt und um die Absetzung Grasls gebeten. Sie warfen ihm schwere Verstöße gegen Kirchenrecht vor.
Auer soll nun gemeinsam mit den Schwestern und ihrem Helferteam eine Lösung erarbeiten. Ziel ist nach Angaben der Unterstützer, dass die Ordensfrauen weiter im Kloster wohnen können.
Absage der geplanten Romreise
Im Gegenzug sagten die Schwestern eine für diese Woche geplante Reise nach Rom ab. Die bereits von Wohltätern übernommenen Kosten seien soweit möglich zurückerstattet worden, hieß es.
Das Schicksal der Goldenstein-Nonnen, die alle über 80 Jahre alt sind, hatte in den vergangenen Monaten international für Schlagzeilen gesorgt. Ihren Fall verfolgten auch tausende Interessierte auf Instagram.
Anfang September waren sie gegen den Willen Grasls aus dem Seniorenheim in ihr früheres Kloster zurückgekehrt. Das Gebäude gehört seit 2022 dem Erzbistum Salzburg und dem Stift Reichersberg. Die Schwestern geben an, ihnen sei ursprünglich ein lebenslanger Verbleib zugesagt worden; nach Krankenhausaufenthalten mussten sie Ende 2023 dennoch in ein Heim übersiedeln.
