
Bamberg (kem) – Ein schöner Rasen, ein lauer Sommerabend – und im Hintergrund sieht man die im Abendrot beleuchtete Kuppel des Petersdoms in Rom. Es dürfte wohl einer der schönsten Fußballplätze Italiens sein. Und es ist eine der schönsten Erinnerungen, die der Bamberger Helmut Kormann an die Zeit hat, in der er der Gründer und Manager der bayerischen Klerus-Fußballauswahl war.
Begonnen hatte alles vor gut 30 Jahren, als Kormann selbst als Vater neben dem Platz stand und seinen Kindern beim Fußballspielen zusah. „Ich habe damals gesehen, wie engagiert Eltern am Sportplatz mithelfen und war davon begeistert. Parallel dazu bin ich regelmäßig in die Kirche gegangen und habe gemerkt, wie sich die Kollekte über den Monat hinweg summiert.“ Dabei kam Kormann, der vor seiner Rente in der Hauptabteilung Schule im Erzbistum arbeitete, die Idee, dass Leute vielleicht auch spenden würden, wenn Geistliche gegen den Ball treten.
„Jeder hält sich selbst fit“
Die Idee kam gut an. Ordensleute und ausländische Priester waren auch schnell bei der Sache. „Allein die Ortsgeistlichen waren schwer zu bekommen, da an den prädestinierten Spieltagen – Samstag und Sonntag – halt auch ihr Haupt-Arbeitstag ist“, erinnert sich Kormann an die Anfänge. Von einer reinen Bamberger Mannschaft entwickelte sich das Team bis heute zu einer Auswahl von Fußballern aus ganz Bayern. Besonders sei dabei, dass man sich nur maximal dreimal im Jahr sehe. „Wir trainieren nie gemeinsam. Jeder hält sich selbst fit“, erklärt der ehemalige Manager, der von 2006 bis 2023 die Geschicke der Auswahl neben dem Platz lenkte. So kamen über die Jahre in über 50 Spielen weit mehr als 100 Spieler zum Einsatz. Auch Gastspieler seien hier mitgezählt. „Ich erinnere mich, dass einmal auch der spätere Umweltminister Thorsten Glauber für eine Halbzeit unser Trikot überstreifte“, so Kormann.
Sitzt man mit dem Bamberger zusammen und blättert gemeinsam in den Fotoalben, kann man nur staunen über die vielen Erlebnisse, die Kormann mit der „Gottes-Elf“ erlebt hat. Da waren Spiele gegen den FC Bundestag, gegen Traditionsmannschaften oder Matches mit und gegen Menschen mit geistiger Behinderung. „Am schönsten war es immer auf der Ersatzbank“, so Kormann. „Hier kamen wir oft mit Zuschauern ins Gespräch, mal oberflächlich, mal tiefsinnig. Aber es waren immer schöne Momente.“
Den schönsten Moment erlebte Kormann allerdings in Italien. 2014 – just in dem Jahr, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde – trat seine Klerus-Auswahl gegen die Mannschaft der Schweizergarde in Rom an. Nach einem Besuch der Waffenkammer und der Kaserne gab es am späten Abend im Schatten des Petersdoms ein Spiel, bei dem die bayerischen Geistlichen nicht nur viel Spaß, sondern auch lautstarke Unterstützung hatten. Einer der Pfarrer organisierte parallel eine Rom-Wallfahrt und sorgte so für Fans, die leider eine 2:3-Niederlage gegen die deutlich jüngeren Gegner sahen.
Doch zwei Jahre später sollte es die Möglichkeit zur Revanche geben. Nach erneut langer Vorbereitungszeit traf man sich in Regensburg zum Rückspiel. Nach einem Besuch bei Fürstin Gloria von Thurn und Taxis konnte man diesmal die Leibgarde des Papstes mit 4:2 in die Schranken weisen.
„Das Ergebnis war bei allem Ehrgeiz für uns aber immer zweitrangig“, erklärt Helmut Kormann. Wichtig seien die gemeinsame Zeit und die besonderen Momente gewesen. „Und natürlich die Spendensummen, die wir über all die Jahre sammeln konnten.“ Insgesamt konnten über 170 000 Euro für wohltätige Zwecke erspielt werden. Eine Zahl, die Helmut Kormann heute noch Gänsehaut bereitet, auch wenn er inzwischen nur noch als Zuschauer und nicht mehr als Manager an den Spielen teilnimmt.
Nun feiert die Fußball-Auswahl ihr 25-jähriges Bestehen. Am Sonntag, 3. Mai, spielt die „himmlische Elf“ im unterfränkischen Kronungen. Um 15 Uhr spielt sie gegen eine regionale Auswahl. Kormann konnte für dieses Spiel auch Günther Koch gewinnen. Der als „die Stimme Frankens“ bekannte, ehemalige Radioreporter wird das Spiel live für die Zuschauer kommentieren. Dabei werden auch wieder Spenden für wohltätige Zwecke gesammelt.
