
Herzogenaurach (buc) – Die Herzo Base in Herzogenaurach, wo auf dem Gelände einer ehemaligen US-Kaserne ein Neubaugebiet für 2000 Menschen wächst, wird auch eine Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Menschen beherbergen. Es ist nach Möhrendorf und Buckenhof das dritte Projekt dieser Art in der Region um Erlangen. Verantwortlich sind die Joseph-Stiftung, das Wohnungsunternehmen des Erzbistums, und der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO).
Fachleute führten interessierte Angehörige jüngst durch die im Bau befindliche Demenz-WG, die am 1. Juli bezugsfertig sein soll. „Es können zwölf Personen aufgenommen werden“, sagt Rosi Schmitt, Beraterin für pflegende Angehörige und Expertin für Projekte dieser Art. Das ist die gesetzliche Obergrenze und ist auch wirtschaftlich sinnvoll. Die Wohnfläche beträgt 600 Quadratmeter, die Zimmer sind rund 15 Quadratmeter groß, hinzu kommt jeweils eine eigene Dusche mit WC. Das ist neu, denn in den meisten vergleichbaren Einrichtungen müssen sich zwei bis drei Bewohner eine Nasszelle teilen.
Zu den gemeinschaftlich genutzten Teilen gehören ein Eingangszimmer sowie ein großzügig gestalteter, lichtdurchfluteter Wohn- und Essbereich. Es gibt zwei Terrassen, auf der größeren, innenliegenden werden Hochbeete angepflanzt, um die sich die Bewohnerinnen und Bewohner kümmern könnten. Zudem sind ein Hauswirtschafts- und ein Putzraum vorgesehen. Eine Hauswirtschaftskraft wird an sechs Tagen für jeweils sechs Stunden vor Ort sein, um zu kochen, zu putzen, einzukaufen und Wäsche zu waschen. Zwei Pflegekräfte sind tagsüber da, eine nachts. Für die Betreuung der älteren Frauen und Männer gibt es eine Halbtagskraft.
Freiheit nicht eingeschränkt
Um zu verhindern, dass die demenzkranken Menschen weglaufen, wird es eine Sicherheitssperre mit Alarm geben – abgeschlossen werden darf die Wohnung nicht, dazu bräuchte es einen richterlichen Beschluss. „Es ist keine beschützende Einrichtung“, sagt Architekt Matthias Jakob von der Joseph-Stiftung. Die Heimaufsicht achte sehr darauf, dass keine freiheitseinschränkenden Maßnahmen eingebaut werden. Die Verantwortlichen setzen eher auf die „Überzeugungsarbeit“ durch die anwesenden Fachkräfte, wie Rosi Schmitt unterstreicht.
Der Tagesablauf für die Bewohnenden werde „nicht so streng geregelt sein wie im Seniorenheim“, fügt die Expertin hinzu. Jede und jeder könne sich selbst betätigen. „Das oberste Ziel ist, dass die Menschen hier miteinander leben“, so Schmitt. Im Idealfall sollten sie sich gegenseitig unterstützen und die jeweiligen Schwächen ausgleichen.
Grundlegende Entscheidungen, etwa zur Einrichtung der Demenz-WG oder zu den Einkäufen, werden von einem Angehörigengremium getroffen. Besuche durch die Familie sind jederzeit möglich. Eine Frau, deren Mutter bereits in einer Demenz-WG untergebracht ist und die über einen Wechsel in die neue Einrichtung nachdenkt, sagt: „Man kann Sonnenscheintochter sein. Das Lästige machen die Fachkräfte.“
Die Kosten für einen Platz in der Demenz-WG liegen bei rund 4000 Euro monatlich im Pflegegrad 2. Davon entfallen 875 Euro auf die Miete, hinzu kommen Pflegekosten sowie Pauschalen für Betreuung und Hauswirtschaft. Ein Platz in einem Pflegeheim kostet in der Region etwa 3500 Euro.
