Berlin (KNA) – Die allermeisten Deutschen wollen, dass Geld auf vergessenen Konten für soziale Zwecke verwendet wird und nicht den Banken zufließt. 86 Prozent der Befragten befürworten, dass solches Vermögen nach einer angemessenen Frist in einen unabhängigen Sozialfonds fließen sollte. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der SOS-Kinderdörfer weltweit hervor, deren Ergebnisse der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorab vorlagen. Nur 2 Prozent finden, das Geld solle bei den Banken verbleiben. 8 Prozent bevorzugten eine Übertragung an den Staat.
Laut einem Gutachten des Bundesforschungsministeriums sollen bis zu 4,2 Milliarden Euro auf sogenannten nachrichtenlosen Konten liegen. Das sind Konten, auf die seit Jahren niemand mehr zugegriffen hat und für die sich keine Berechtigten melden. Der Verband Deutscher Erbenermittler schätzte das Volumen in der Vergangenheit sogar auf bis zu neun Milliarden Euro. Nach rund 30 Jahren löschen Banken meist entsprechende Konten, das Geld verbleibt bei den Instituten.
Organisation: Regierung muss handeln
Deutschland sei der einzige G7-Staat, der den Umgang mit vergessenem Vermögen nicht gesetzlich geregelt habe, kritisieren die SOS-Kinderdörfer weltweit. In Großbritannien etwa würden Gelder auf inaktiven Konten seit 2008 in einen Sozialfonds fließen - bei lebenslanger Rückzahlungsgarantie für die Inhaber. Zur G7 gehören außerdem Frankreich, Italien, Japan, Kanada und die USA.
Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag eigentlich darauf verständigt, mit dem Geld von nachrichtenlosen Konten einen Fonds für soziale Innovationen einzurichten.
Die Vorständin der Hilfsorganisation, Petra Sorge-Booms, fordert ein zentrales Register, das Erben den Zugang zu Vermögensansprüchen erleichtert. Auch der Verband Deutscher Erbenermittler spricht sich für ein Register aus, in dem vergessene Konten erfasst werden. Für Vermögen bei Privatbanken in Deutschland bietet der Bankenverband bereits einen Suchservice für Erben an.
Nur jeder Dritte hat alles dokumentiert
Der Umfrage zufolge haben derweil nur 30 Prozent der Befragten ihre eigenen Konten, Depots und Schließfächer vollständig dokumentiert und mit ihren Angehörigen oder Erben darüber gesprochen. 24 Prozent haben gar nichts dokumentiert und weitere 24 Prozent nur einen Teil ihres Vermögens bei Banken. 14 Prozent haben zwar alles aufgeschrieben, aber nie mit ihren Erben darüber gesprochen.
"Wer seine Vermögenswerte nicht dokumentiert und mit Angehörigen bespricht, riskiert, dass das eigene Ersparte unauffindbar wird", warnte Sorge-Booms.
Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte für die repräsentative Erhebung im Februar bundesweit rund 1.600 zufällig ausgewählte deutschsprachige Personen ab 18 Jahren befragt.
