Jerusalem (KNA) – Aufsichtspersonal an der Klagemauer hat am Donnerstagmorgen eine Torah-Rolle beschlagnahmt, die die jüdisch-israelische Frauenrechtsgruppe Women of the Wall (Frauen der Klagemauer;WOW) an die Heilige Stätte in der Jerusalemer Altstadt gebracht hatte. Die Gruppe hatte versucht, die Rolle mithilfe einer älteren, behinderten Frau mit Rollator an die Klagemauer zu schmuggeln, berichten israelische Medien.
Das sei nicht nur ein Verstoß gegen Vorschriften, sondern auch eine zynische Ausnutzung von Menschen mit Behinderung zum Zweck einer medialen Provokation, kritisierte die für die Verwaltung der Stätte zuständige Western Wall Heritage Foundation. Das für die Klagemauer zuständige Rabbinat sieht im Tragen eines Gebetsschals oder -Riemen sowie in Torah-Lesungen durch Frauen eine Verletzung des jüdischen Religionsrechts.
Die Frauengruppe sprach unterdessen von einer "beunruhigenden Eskalation selektiver und aggressiver Durchsetzung". Die Beschlagnahmung der Torah-Rolle trotz der Bereitschaft der Frauen, einen gemischten Gebetsbereich der Klagemauer zu nutzen, zeige, dass es nicht um die öffentliche Ordnung gehe, sondern darum, Frauen zum Schweigen zu bringen und auszuschließen.
Seit langem Streit
Der Streit um die Gebetsrechte an der Klagemauer dauert schon seit Jahren an. Nach langem Ringen hatte Israel 2016 in die Einrichtung einer 900 Quadratmeter große gemeinschaftliche Gebetszone für nichtorthodoxe Gebete südlich der bestehenden geschlechtergetrennten Abschnitte eingewilligt. Der auch als "Ezrat Israel" bekannte Bereich befindet sich am südöstlichen Ende der Mauer. Seit dort 2018 ein rund 100 Kilo schwerer Stein aus der Mauer stürzte, ist der Zugang zur Klagemauer an dieser Stelle gesperrt.
Ende Februar forderte das oberste Gericht des Landes den Staat auf, die Modernisierung des egalitären Gebetsbereichs Klagemauer ohne weitere Verzögerungen voranzutreiben. Das Oberrabbinat und ultraorthodoxe Politiker kritisierten die gerichtliche Weisung.
