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Experten: So können pflegende Angehörige gut für sich sorgen

München (KNA) – Sich selbst etwas Gutes tun - das ist nach Worten der Pflegewissenschaftlerin Jenny Kubitza entscheidend, wenn man einen pflegebedürftigen Angehörigen versorgt. Sinnvoll sei, gelegentlich innezuhalten und sich zu fragen: "Was tut mir in dieser Lebensphase gut und was nicht? Was kann ich konkret verändern", sagte sie in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

 

Gemeinsam mit Eckhard Frick, katholischer Priester und Professor für Spiritual Care und psychosomatische Gesundheit, hat Kubitza eine Studie zu Spiritualität im Pflegealltag durchgeführt. Der Aspekt der Selbstfürsorge pflegender Menschen sei lange vernachlässigt worden, kritisiert Frick.

 

Der Begriff Spiritualität sei weiter gefasst als Religion, betont der Forscher: "Ganz konkret kann das eine Meditationsgruppe sein, die man besucht, eine politische Weltanschauung, die Sinn stiftet, oder auch die Mitgliedschaft in einem Sportverein. Auch Musik kann etwas sein, das uns öffnet und hilft, über die eigenen Grenzen hinauszugehen. Letztlich schließt Spiritualität auch alle Suchbewegungen nach Sinn und Orientierung ein."

 

Mehr wechselseitiges Verständnis fördern

 

Mehr auf sich selbst zu achten, könne auch das Verhältnis zur gepflegten Person verändern, erklärt Kubitza. "Viele Angehörige erklären es so: Ich kann mich nur gut um dich kümmern, wenn es mir auch gut geht. Wenn du das nicht akzeptierst, wird es mir in drei, vier Monaten schlecht gehen und dann musst du in eine Pflegeeinrichtung. Das wurde von den Gepflegten durchaus verstanden." Zugleich könne es belastend sein, wenn Fragen nach dem Sinn einer solchen Erfahrung unbeantwortet blieben.

 

Frick beschreibt zudem einen neuen Bezug zur Zeit, den Pflegende entwickeln - "da Pflegebedürftige bei den Dingen des täglichen Lebens wie dem Gang zur Toilette oder dem Essen sehr langsam sind". Dies könne alle Beteiligten unter Druck setzen: "Oder ich nutze das wie in der Zen-Kultur, um innerlich zur Ruhe zu kommen."