
Bamberg (ku/KNA) – Die Pfarrgemeinderatswahlen am 1. März, die Kommunalwahlen eine Woche später, die katholische Hochschullandschaft in Bayern, die Jugendarbeit und die Seelsorge für muttersprachliche Gemeinden – das waren einige der Themen, mit denen sich die bayerischen Bischöfe bei ihrer zweitägigen Versammlung in der vergangenen Woche in Bamberg beschäftigten. Nach 2017 machte die Freisinger Bischofskonferenz mit ihrer Frühjahrsvollversammlung wieder Halt in der Domstadt. „Und wir haben uns hier sehr wohlgefühlt“, sagte der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschlusspressekonferenz im Bistumshaus St. Otto.
Besorgt angesichts der starken Stimmenzuwächse von extremen Parteien bei der Kommunalwahl zeigten sich die bayerischen Bischöfe bei ihren Beratungen in Bamberg. Sorge bereite auch die Normalisierung rechtsextremer Einstellungen. Zugleich zeigte sich Kardinal Marx erfreut darüber, dass in den Stichwahlen zu den bayerischen Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag kein Kandidat der AfD dabei sei. Ein „Durchmarsch“ der Partei sei zwar ausgeblieben, sie habe ihr Ergebnis insgesamt aber deutlich verbessern können.
Ein Problem sei auch, dass Kommunalpolitiker zunehmend Hass, Hetze und Gewalt erführen. Für die Demokratie sei es notwendig, dass diejenigen, die die Gabe hätten, Kommunen mitzugestalten, ermutigt und mitgetragen würden. Problematisch werde es, wenn niemand mehr kandidieren wolle.
Die Bischöfe mahnten eine prinzipielle Bereitschaft zu vernünftigem Diskurs und Konsens an. Die Demokratie sei keine gemähte Wiese, dafür müsse man richtig arbeiten, sagte Marx. Manche hätten noch nicht begriffen, „dass es um die Wurst geht beziehungsweise um die Demokratie“. Das gelte auch für junge Leute, denen er bisweilen sage: „Da liege ich schon lang im Grab, da werdet ihr noch um die Freiheit kämpfen. Das ist das Programm der nächsten Jahrzehnte.“
In diesem Zusammenhang verwies der Erzbischof von München und Freising auf das Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde mit Sitz in Nürnberg und Freising, dessen Arbeit die bayerischen Bischöfe bei ihrer Sitzung in Bamberg würdigten. Diese Einrichtung der katholischen Kirche soll Menschen befähigen, sich gegen Menschenfeindlichkeit und für die demokratische Gesellschaft einzusetzen. Natürlich könne die Kirche die Demokratie nicht allein retten, aber sie wolle ihren Beitrag leisten, sagte Marx. Die Beratungsanfragen bewegten sich auf einem hohen Niveau. Es sei wichtig, dass das Zentrum Rechts- wie Linksextremismus im Auge behalte. Im Moment sei Rechtsextremismus aber das deutlich größere Thema.
Erfreut zeigten sich die Bischöfe über die Beteiligung bei der Pfarrgemeinderatswahl Anfang März. Diese habe nach letztem Auszählungsstand bei rund 14,9 Prozent gelegen – ein Plus von etwa 2,2 Prozentpunkten. Am höchsten war sie demnach im Bistum Eichstätt mit 23,5 Prozent. Danach folgten Würzburg mit 17,8 Prozent sowie München und Freising mit 17,6 Prozent. In Eichstätt sowie in München und Freising sei erstmals auch eine Online-Abstimmung möglich gewesen. „Als Kirche sind wir in diesem Bereich ein Vorreiter“, konstatierte Kardinal Marx mit einem Schmunzeln. „Das haben die Kommunen bislang nicht hinbekommen.“ In allen (Erz-)Bistümern habe die Wahlbeteiligung bei einem zweistelligen Prozentanteil gelegen.
Die Bischöfe dankten allen Ehrenamtlichen, die sich in den Pfarrgemeinderäten einbringen. Sie leisteten damit einen wichtigen Beitrag für die Kirche. Zudem würdigten die Bischöfe das Engagement der Laienvertretungen für die Wahl, also der einzelnen Diözesanräte sowie des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.
Jugendliche, die sich wegen der Diskussion um Wehrpflicht und Musterung Sorgen machen, brauchen nach Ansicht von Bayerns Bischöfen gute seelsorgliche Begleitung. Es sei wichtig, im Blick zu behalten, wie es jungen Menschen angesichts der Weltlage damit gehe, Fragebögen zur Musterung zu bekommen, sagte Erzbischof Marx.
Anderen Bischöfe, unter anderem Jugendbischof Florian Wörner (Augsburg), hätten berichtet, dass Jugendliche wirklich Angst hätten, sagte Marx. Das merkten sie etwa, wenn sie sich bei Firmungen mit ihnen austauschten. „Die schauen in die Welt und sagen: Da ist Krieg. Und dann kommt auf einmal so ein Brief.“ Die Jugendseelsorge müsse denjenigen zur Seite stehen und zum Beispiel Gesprächsangebote bereithalten. Ausdrücklich dankten die Bischöfe allen Jugendseelsorgern, die dies jetzt schon tun.
Sollte eine Wehrpflicht tatsächlich eingeführt werden, dann seien damit noch andere Fragen verbunden, etwa zur Verweigerung oder zum Zivildienst, sagte Marx. Über diese müsse man zur gegebenen Zeit dann auch nachdenken. Er wies darauf hin, dass junge Menschen sich bei diesem Thema in einer neuen Situation befänden: In früheren Zeiten hätten sie in älteren Jahrgängen Ansprechpartner gefunden. Jetzt seien sie mit einem Thema konfrontiert, das lange gar nicht aufgekommen sei.
Thema bei der Versammlung der bayerischen Bischöfe waren auch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die Katholische Stiftungshochschule in München und die Katholische Akademie in Bayern. Alle drei Bildungseinrichtungen hätten laut Marx einen hohen Stellenwert, seien in der Öffentlichkeit hochanerkannt, „und wir als katholische Kirche in Bayern tun gut daran, eine katholische Universität zu unterhalten“.
Mit dem Ziel, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund weiter zu unterstützen, tauschten sich die bayerischen Bischöfe über pastorale Konzepte für muttersprachliche Gemeinden aus. Insbesondere ging es um die Frage der gemeindlichen Integration von Menschen mit katholischem Hintergrund, die in anderen Riten praktizieren. Um ihnen die Feier der Gottesdienste in ihrer heimatlichen Liturgie zu ermöglichen und zugleich die Einbindung in das gemeindlichen Leben vor Ort zu gewährleisten, beauftragte die Freisinger Bischofskonferenz die Kommission der Seelsorgeamtsleitungen mit der Weiterentwicklung entsprechender Konzepte.
Mit Blick auf die Diskussionen, Eintritt für Kirchen zu verlangen, erteilte Kardinal Marx solchen Überlegungen eine Absage. Die bayerischen Bischöfe hätten zwar nicht darüber gesprochen. „Aber ich glaube, das ist in Bayern kein Thema. Wir freuen uns, wenn viele Menschen, gerade in den touristischen Orten und Landschaften Bayerns, die Kirchen besuchen und eine Kerze anstecken.“
