Forchheim (fb) – Mit dem Palmsonntag beginnt seit alter Zeit die Karwoche. Der Name dieser Woche leitet sich vom althochdeutschen Wort „Kara“ ab, was so viel wie Trauer oder Kummer bedeutet. Die Vorsilbe „Kar-“ hat sich auch noch am Karfreitag und am Karsamstag erhalten. Die Karwoche ist die Woche im Jahr, die man auch als „Heilige Woche“ oder „Stille Woche“ bezeichnet. Denn in ihr begehen Christinnen und Christen auf der ganzen Welt das wichtigste Fest: Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu.
Mit dem Palmsonntag und dem Gedächtnis des feierlichen Einzugs Jesu in Jerusalem beginnt die Heilige Woche. Auch bei uns in Oberfranken wurde dieser Tag in früheren Zeiten besonders begangen. Aus dem Weismain des 16. Jahrhunderts erfahren wir zum Beispiel, dass am Palmsonntag ein Fischessen stattfand, das ein reicher Bürger der Stadt gestiftet hatte. Ansonsten hat sich an diesem Tag vor allem das Brauchtum durchgesetzt, das in Zusammenhang mit der Liturgie steht. Bis heute finden am Palmsonntag kleinere und größere Prozessionen statt. Meist tragen die Menschen dabei grüne Zweige in Händen als Erinnerung, dass die Volksmenge Jesus damals als König zujubelte. Bei uns in Franken verwendet man häufig Zweige von Weiden. Weil sie vor allem am Palmsonntag zum Einsatz kommen, heißen sie im Volksmund auch „Palmkätzchen“. In Bamberg wurden zur Palmprozession Anfang des 16. Jahrhunderts eigens Turmbläser organisiert, die der Prozession eine besondere Feierlichkeit verleihen sollten.
Nach dem Gloria am Gründonnerstag schweigen die Glocken; sie fliegen nach Rom und kommen erst am Ostersonntag wieder zurück, weiß der Volksmund. Stattdessen wird bis heute vielerorts noch das Klappern oder Ratschen gepflegt. Dazu werden Sprüche aufgesagt, die an das zu verrichtende Gebet erinnern sollen: „Wir klappern zum Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss: Das Ave Maria gratia plena“. Schon 1482 ist das Klappern am Karfreitag in Coburg belegt und im 17. Jahrhundert wurde auch in Weismain geklappert.
