
Bamberg (kem) – Gerhard Mester hätte sich in verschiedenen Phasen seines Lebens auch vorstellen können, Theologe, Lehrer oder Busfahrer zu werden. Doch der Wiesbadener entschied sich für den Beruf des Karikaturisten – ein Glück für das Erzbistum Bamberg, das aktuell in den Genuss seiner Ausstellung „Mit euch alle Tage – das Matthäus-Evangelium in Karikaturen“ kommt. Diese feierte zuletzt Vernissage im Bistumshaus St. Otto in Bamberg.
Mester veröffentlichte lange Jahre tagesaktuelle Karikaturen, vor allem zu politischen Themen, in Zeitungen. „Doch der täglichen Politik wurde er überdrüssig, zumal diese ihn immer wieder vor Herausforderungen stellte. „Trump ist ein Problem, weil das, was er tut und sagt, nicht mehr zu karikieren ist“, sagt der 70-Jährige, der sich in der jüngeren Vergangenheit zeitloseren Werken widmete. So zeichnete er eine Reihe anlässlich des 75. Geburtstages des Grundgesetzes in Deutschland. Und wagte sich nun an ein weiteres großes Buch – die Bibel. Doch warum nahm er sich ausgerechnet das Matthäus-Evangelium vor? „Es ist politisch und demokratisch“, so der Künstler, der nach eigener Aussage die Texte mit völlig neuen Augen gelesen habe. „Es ist bewegend, welche Brisanz diese Sätze haben.“
Mit Übertreibungen die Wahrheit sichtbar machen
Und so zeichnete er passend zu den Texten seine Bilder – ganz im Stile seiner Karikaturisten-Kollegen – nach dem Motto „Übertreibungen dienen dazu, die Wahrheit sichtbar zu machen“. Dass daraus nun eine Ausstellung geworden ist, schreibt er vor allem dem guten Ausgangsmaterial zu. „Das Evangelium bietet viel guten Stoff – und meine Arbeit war auch ganz ordentlich“, so Mester im Gespräch mit Michael Kleiner, dem Leiter des Referats Weltkirche im Erzbistum Bamberg, bei der Vernissage.
Zuvor hatte Erzbischof Herwig Gössl alle Gäste herzlich begrüßt. Er freute sich, dass kurz nach dem Veröffentlichen seiner pastoralen Orientierungen diese sich schon in einer Ausstellung wiederfinden. In dem Papier heißt es nämlich „Pastorales Handeln in verändertem gesellschaftlichem Umfeld nimmt Erfahrungen, Fragen und Bedürfnisse der Menschen auf und verwendet in der Verkündigung eine dem Kontext angemessene Sprache und verständliche Bilder“.
Und gerade diese verständlichen Bilder seien es, die sich auch auf die Karikaturen Mesters anwenden lassen. „Karikaturen sprechen direkt an, bringen Dinge auf den Punkt und laden zum Nachdenken ein“, so der Erzbischof. Man müsse oft über sie schmunzeln, „auch wenn einem manchmal ob der tieferen Bedeutung das Lachen im Halse stecken bleiben könnte“. Auch Gössl würdigte Mesters Mut, sich dem Matthäus-Evangelium anzunehmen. „Das Buch ist keine einfache Kost. Jesus geht hier mit seinen Gegenübern nicht zimperlich um, verwendet Schimpfworte und stellt auch Forderungen an seine Jünger“, erklärte Gössl, der jedoch bemerkte, dass es gut sei, dass Mester mit dem Blickwinkel aus dem Alltag auf die Themen schaue, so zum Beispiel in der „Apostelschule Galiläa, wo Jesus den Jüngern erklärt, dass doch ein Schritt nach dem anderen gemacht werden solle – erst Himmelreich verkündigen, dann Kranke heilen, dann Dämonen vertreiben. „Es ist Lachen mit Inhalt und Niveau“, schloss der Bamberger Erzbischof.
Claudio Ettl vom Katholischen Bibelwerk im Erzbistum Bamberg erklärte in seinem Impuls zur Ausstellung, dass Matthäus mit seinem Evangelium ein Konzept verfolgt habe. Es sei laut Ettl keine bloße Aneinanderreihung von Geschichten, sondern verfolge einen Roten Faden. So schließe der Evangelist sein Buch mit dem Satz „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ – im übrigen lehnt sich der Titel der Ausstellung gekonnt daran an. Doch diese Ankündigung fügt sich wie eine große Klammer um das Evangelium. Denn schon bevor Jesus geboren wird, wird ihm der Name Immanuel gegeben, oder übersetzt: „Gott ist mit uns“.
Des weiteren freute sich Ettl, dass es Mester gelungen sei, ein so altes Buch so gelungen in die neue Zeit zu übersetzen. Eine Einschätzung, die die Vernissage-Besucher durchaus teilten. Und einhellig entstand die Meinung, zum Glück wurde Gerhard Mester kein Busfahrer.
Infos zur Ausstellung
Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Mai im Bistumshaus St. Otto in Bamberg zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr sowie am Wochenende auf Anfrage unter 09 51 / 5 02 71 00. Im Anschluss tourt die Ausstellung durch das Erzbistum – ist unter anderem in Coburg und Nürnberg zu sehen.
