
Bamberg (buc) – Vor einigen Wochen fanden sich im Pfarrzentrum von Herz Jesu in Nürnberg rund ein Dutzend Personen zusammen, um die Zukunft einer diözesanen Vereinigung zu planen, die wie keine zweite in diese krisenhaften Zeiten zu passen scheint: Der Deutsche Verein vom Heiligen Lande (DVHL) unterstützt Christen in Israel und den Palästinensergebieten, führt soziale und pastorale Projekte durch und setzt sich für die Versöhnung der Religionen ein. Keine leichte Aufgabe, da der Krieg in Nahost allgegenwärtig ist.
Initiator des Treffens war Pfarrer Reinhold Seidl. Der Ruhestandsgeistliche leitet seit einiger Zeit den DVHL-Diözesanverband, der seit vielen Jahren existiert, wenn auch nicht immer im grellen Licht der Öffentlichkeit. Die Mitglieder wollen sich regelmäßig zu Versammlungen treffen und ihre Anliegen nach außen tragen, wie Seidl im Gespräch mit dem Heinrichsblatt unterstreicht. Er trat dem Verein bereits als junger Priester bei und reist regelmäßig ins Heilige Land – zuletzt im vergangenen Jahr zu den Kar- und Ostertagen.
Mit Ritterorden verbunden
Zum DVHL gehören auf Bistumsebene laut Mitgliederliste rund 170 Personen, das Verzeichnis wird gegenwärtig auf den neuesten Stand gebracht. Pfarrer Seidl ist im Übrigen auch Prior der Nürnberger Komturei des Ritterordens vom Heiligen Grab, der mit dem DVHL eng verbunden ist. Früher waren die Grabesritter automatisch Mitglied im Verein, heute ist das nicht mehr zwingend so. Eine wichtige Ansprechpartnerin beim Orden ist Cornelia Kimberger, die in Burgfarrnbach bei Fürth wohnt und die Heilig-Land-Kommission der Ritter vom Heiligen Grab leitet.
Der DVHL entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Zusammenschluss des 1855 gegründeten „Vereins vom Heiligen Grabe“ und des „Palästinavereins deutscher Katholiken“. Hauptsitz ist bis heute Köln, Vorsitzender ist der Kölner Erzbischof, jährlich treffen sich die Mitglieder zu einer Generalversammlung, zwei Mal im Jahr erscheint die Zeitschrift „Das Heilige Land“. Ziel war es von Anfang an, die im Heiligen Land lebenden Christen mit Rat und Tat zu unterstützen – in einer Region, die seit jeher von Konflikten und Unsicherheit geprägt war. Seine Glanzzeit hatte der Verein im Kaiserreich, das von Nationalismus und religiösem Sendungsbewusstsein geprägt war. Damals zählte er bis zu 30 000 Mitglieder und war eine gesellschaftliche Größe. Bis heute setzt sich der DVHL als Hilfswerk für die Christen vor Ort ein, fördert Verständigung und Versöhnung, versucht, Menschen zu mobilisieren und zu motivieren.
Die Kollekte am Palmsonntag in allen katholischen Gottesdiensten ist für die Projekte des Vereins bestimmt. Dazu gehören soziale und pastorale Initiativen, Bildungsarbeit und die Förderung des interreligiösen Dialogs und des Friedens. Der Verein hat eine Reihe von Liegenschaften im Heiligen Land, darunter die Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg, eine Mädchenschule sowie ein Gästehaus in Jerusalem, das Altersheim „Beit Emmaus“ in Qubeibeh im Westjordanland oder das vielen christlichen Israelreisenden bekannte Pilgerhaus Tabgha am See Gennesaret, wo Jesus aufwuchs.
In Israel und Palästina leben knapp 200 000 Christen, etwa ein Viertel von ihnen in Westjordanland und Gaza. Zahllose christliche Familien haben im Zuge des Gazakriegs, der nach den islamistischen Terrorüberfall am 7. Oktober 2023 begann, das Land verlassen. Die Situation sei auch nach dem Ende der Auseinandersetzungen katastrophal, viele sähen keine Zukunft für ihre Kinder, sagte vor kurzem der Franziskaner-Obere Ibrahim Faltas, der für 18 Schulen seines Ordens im Heiligen Land zuständig ist. Der jüngste Krieg gegen den Iran hat die Lage noch einmal verschärft.
Kollekte am Palmsonntag
Auch Seidl, zu dessen Vorgängern als Diözesanvorsitzender Domkapitular Heinrich Hohl und der Höchstadter Pfarrer Kilian Kemmer gehören, kann von den Bedrängungen der Christen vor Ort berichten. In Betlehem etwa, Jesu Geburtsort, wo die Menschen heute überwiegend vom Tourismus leben, bleiben seit Jahren die Gäste aus. „Danke, dass ihr überhaupt kommt“, bekam Seidl zu hören, als er im vergangenen Jahr die Stadt mit einer Gruppe besuchte. „Jemand denkt wenigstens noch an uns.“
Abgesehen von der verbreiteten Siedlergewalt in der Westbank beklagen die Menschen die „Nadelstichpolitik“ der Israelis, etwa was Arbeitserlaubnisse oder Kontrollen an Grenzübergängen betrifft. Die Christen vor Ort erzählen beispielsweise von einem Mädchen, das eine Ausbildung machte und eine Prüfung in Jerusalem verpasste, weil es stundenlang in einem mobilen Checkpoint der israelischen Armee steckenblieb.
