Vierzehnheiligen (gkl) – Sieben Tage lang eintauchen in eine jahrhundertealte Kunst, die Geduld, Präzision und Hingabe verlangt – diese Erfahrung machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ikonenschreibkurses in Vierzehnheiligen. Im Tagungs- und Bildungshaus auf dem „heiligen Berg“ am Obermain wurde nicht einfach gemalt – hier wurden Ikonen „geschrieben“.
Seit 1985 finden regelmäßig Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene statt, initiiert von Peter Bauer aus Forchheim. Seit 2008 leitet Professor Dr. Wolfgang Fleckenstein, Religionspädagoge und Ikonenschreiber, die Seminare. Bereits 1996 hatte er selbst die Technik erlernt. Seit Frühjahr 2024 ist Vierzehnheiligen Kursort. Beim jüngsten Seminar begleitete Fleckenstein dreizehn Teilnehmende auf dem Weg zur eigenen Ikone. Eine Kursbesucherin reiste extra aus Berlin an. Gemalt wird auf massiven, harzfreien Holztafeln. Sie werden mit sieben bis zwölf dünnen Kreideschichten grundiert und spiegelglatt geschliffen.
Grundierung entscheidend
„Die Grundierung ist entscheidend – sie bildet das Fundament“, betonte Fleckenstein. Nach der Übertragung des Motivs folgt die Vergoldung, dann werden die dunkelsten Grundfarben angelegt. Gemalt wird in Eitempera, einer alten Technik, bei der Pigmente mit Eigelb vermischt werden. „Wir beginnen im Dunkel“, erklärte der Kursleiter. „Dann setzen wir Schritt für Schritt Aufhellungen. So wächst das Licht aus der Tiefe.“ Mindestens drei Aufhellungsschichten lassen die Darstellung strahlen. Zum Schluss erhalten Gesicht und Hände ihre Ausarbeitung – der Moment, in dem die Ikone Ausdruck gewinnt.
