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Sorge um Lage in Nahost - Frauen und Kinder in Not

Bonn/Berlin (KNA) – Die Kampfhandlungen im Libanon treffen aus Sicht der Entwicklungsministerin sowie von Hilfswerken vor allem Frauen, Ältere und Kinder. "Der Libanon steht jetzt schon am Rande seiner Belastungsgrenze, sowohl bei der Infrastruktur und den Versorgungssystemen als auch bei der Beherbergung einer der größten Flüchtlingspopulationen weltweit", sagte Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) am Donnerstag. Wie immer in Konflikten und Kriegen treffe es die Zivilbevölkerung am härtesten - vor allem besonders verletzliche Menschen.

 

Destabilisierung wäre fatal

 

Alabali Radovan warnte, dass eine Destabilisierung des Libanons sich auf die gesamte Region auswirken werde. Hunderttausende seien bereits vertrieben worden, und die Zahlen stiegen, viele müssten vor den Angriffen überstürzt fliehen und fänden keinerlei Schutzräume. "Der Krieg muss enden." Was in vielen Jahren Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut worden sei, stehe auf dem Spiel.

 

Nach Angaben der Welthungerhilfe sind viele Sammelunterkünfte, etwa in Kirchen und Schulen, überfüllt und hätten nur unzureichende Sanitäranlagen sowie kaum Privatsphäre. Krankenhäuser müssten teilweise geräumt werden, die Wasser- und Stromversorgung gerate vielerorts an ihre Grenzen.

 

"Die Menschen leben in einem dauerhaften Zustand von Angst und Unsicherheit", sagte Marie Madeleine Bejjani, Projektleiterin der Welthungerhilfe in Beirut. Viele Familien seien mehrfach vertrieben worden. "Gleichzeitig sehen wir aber auch, wie die Menschen im ganzen Land zusammenrücken und sich gegenseitig unterstützen. Und das gibt uns ein wenig Hoffnung."

 

Hunger im Libanon

 

Nach Angaben der Welthungerhilfe waren bereits vor Beginn der aktuellen Kampfhandlungen etwa 17 Prozent der Bevölkerung, rund 874.000 Menschen, von Hunger betroffen. Insgesamt seien aktuell rund 760.000 Menschen als intern Vertriebene registriert, etwa 122.000 seien in den mehr als 580 provisorischen Notunterkünften.

 

Auch das Deutsche Rote Kreuz beteiligt sich nach eigenen Angaben über seine Schwestergesellschaften vor Ort. Das Katastrophenhilfswerk kritisierte, dass auch Helfer durch die Angriffe in Gefahr gerieten. Im Libanon sei bereits ein freiwilliger Helfer im Einsatz getötet worden, mehrere seien - auch im Iran - verletzt. "Die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und die Gewährleistung des sicheren Zugangs für humanitäre Hilfe sind elementar für unsere Arbeit", betonte DRK-Generalsekretär Christian Reuter.

 

Im Libanon gebe es nur wenige öffentlich zugängige Luftschutzbunker, erklärte Malteser International. Somit habe die Zivilbevölkerung kaum Möglichkeiten, sich in Sicherheit zu bringen.

 

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland betonte, dass auch viele Menschen in Israel mit andauernden Raketenangriffen konfrontiert seien. Der Bedarf an psychosozialer Hilfe sei stark gestiegen. Betroffen seien vor allem jene, die bereits mit unverarbeiteten Traumata lebten. Mit einem lokalen Partner leiste die ZWST interkulturelle psychosoziale Unterstützung.

 

Verhandlungen stoppen Angriffe nicht

 

Israel antwortet mit seiner am 2. März begonnenen Aktion auf Raketenangriffe der schiitischen Hisbollah-Miliz, die wiederholt Ziele in Nordisrael ins Visier nahm. Nach einem Bericht der libanesischen Zeitung "L'Orient - Le Jour" unter Berufung auf das Gesundheitsministerium wurden bis Dienstagnachmittag durch Luftangriffe mindestens 570 Menschen getötet und 1.444 verletzt.

 

Israels Verteidigungsminister Gideon Saar erklärte, dass Verhandlungen mit der libanesischen Regierung in Betracht gezogen werden könnten. Das Problem sei jedoch, dass ein solcher Dialog den Raketenbeschuss von libanesischem Gebiet aus nicht stoppen würde. Das Haupthindernis für die Aufnahme friedlicher Beziehungen zum Libanon, mit dem Israel keine größeren Streitigkeiten habe, sei und bleibe die Hisbollah, sagte Saar der "Times of Israel".