Berlin (KNA) – In den USA hat sich laut dem Journalisten und Publizisten Arnd Henze eine gefährliche, antidemokratische Verbindung von Religion und Macht entwickelt. Die MAGA-Bewegung werde von christlichem Nationalismus angetrieben und sei durch die enge Verbindung mit Präsident Donald Trump zu einer der gefährlichsten Ideologien weltweit geworden, sagte Henze am Mittwochabend in Berlin. Es sei eine machtvolle, sich immer weiter radikalisierende Minderheit, die weder die Trennung von Staat und Religion noch die Prinzipien von Machtbegrenzung, Gewaltenteilung und Religionsfreiheit akzeptiere.
Es seien zunehmend theokratische Vorstellungen zu beobachten, die Hierarchien, Recht und politische Legitimation religiös begründeten, so Henze. "Und diese Bewegung hat es bis tief ins Regierungszentrum geschafft." Er verwies auf US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich bei der Rechtfertigung des jüngsten Angriffs auf den Iran auf die biblische Offenbarung des Johannes und das jüngste Gericht berufen und zu den Offizieren gesagt habe: "Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon auszulösen und seine Rückkehr auf die Erde zu markieren."
Henze äußerte sich bei der Vorstellung seines neuen Buchs "Mit Gott gegen die Demokratie: Warum der christliche Nationalismus alle angeht". Darin beschreibt der studierte Theologe und langjährige ARD-Korrespondent in den USA den Einfluss religiös-totalitärer Ideologien auf die Wahlen in Amerika und die Trump-Regierung.
Bischof: Nicht so weit weg
Der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein sagte, die Entwicklungen in den USA sollten zu denken geben: "Denn so weit weg von einer sich radikalisierenden christlichen Gruppe mit einem ausgrenzenden Ordnungsverständnis sind wir hierzulande nicht mehr. Wir haben schon an vielen Stellen einen Kulturkampf." Die Vorstellungen von christlichem Nationalismus seien wieder auf dem Vormarsch.
