
Bamberg (kem) – Momentan wird alles noch gemütlich eingerichtet. „Wir wollen noch Bilder und Pflanzen“, erklärt Lore Rucker. Gemeinsam mit ihrem Team ist sie seit Anfang Februar im „Stadtteilbüro im Hain“, das im frisch sanierten und teilweise neu gebauten Caritas-Pflegezentrum St. Otto angesiedelt ist, für die Caritas gGmbH Bamberg im Einsatz. „In unserem Quartiersbüro sind wir für alle Bürgerinnen und Bürger im Hain da – und das auch inklusiv“, so Rucker.
Doch was steckt hinter dem Projekt Care im Quartier“? An insgesamt drei Standorten in Bamberg – in der Gartenstadt, in Bamberg Ost und eben im Hain – wurde das vom Landesamt für Pflege, der Oberfrankenstiftung und der Stadt Bamberg finanzierte Projekt initiiert. Drei verschiedene Träger – Arbeiterwohlfahrt (Gartenstadt), Sozialstiftung Bamberg (Bamberg Ost) und die Caritas gGmbH (Hain) – wollen hier Netzwerke aufbauen, die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen Beratung und Begleitung bietet.
Selbstbestimmt zuhause
„Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt zuhause leben können. Und wir bieten hierfür alle möglichen Hilfen an“, weiß Rucker. Dafür hat die Projektleiterin in ihrem Team neben einer Pflegelotsin, die interessierte bei präventiven Hausbesuchen über verschiedene Möglichkeiten der häuslichen Pflege aufklärt, auch eine Verwaltungskraft und eine Ehrenamtskoordinatorin. Denn auch Rucker weiß, dass dem Fachkräftemangel – gerade in der Pflege – auch damit entgegnet werden kann, „wenn wir die soziale Teilhabe stärken und uns wieder mehr umeinander kümmern“.
Daher freut sie sich über jede und jeden, der sich ehrenamtlich bei „Care im Quartier“ engagieren will. „Die Unterstützung kann von der Hilfe beim Einkaufen über Besuche bis hin zu gemeinsamen Spaziergängen reichen. Die Bandbreite hier ist groß“, erklärt Rucker, die darauf hinweist, dass man voll auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner im Hain eingehen wolle.
Dafür habe man auch schon nach den dringendsten Bedürfnissen gefragt. „Viele würden sich wünschen, dass wir hier wieder einen Supermarkt aufmachen. Damit können wir zwar nicht dienen, aber wir versuchen auch hier vielleicht mit Automaten oder kleineren ,Hofladen-Angeboten‘ Abhilfe zu schaffen“, so Rucker.
Neben den präventiven Hausbesuchen ruht das Projekt auf zwei weiteren Säulen. Eine ist die Einrichtung von sogenannten Sorgegemeinschaften, die dann etabliert werden, wenn der Bedarf erkannt wird, damit auch der Schritt ins Alten- oder Pflegeheim noch hinausgezögert werden kann. Und auch bei diesem Schritt unterstützt das Quartiersbüro. Lore Rucker lobt hier auch ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem „starken Partner“ Ottoheim.
Die dritte Säule ist die eigentliche Quartiersarbeit. „Natürlich wollen wir informieren. Aber unser Büro soll auch ein Ort der Begegnung und des Gesprächs werden“, so Rucker. Hierfür werden diverse Veranstaltungen angeboten. Diese reichen von wöchentlichen Spiele- oder Singabenden über Kaffeekränzchen bis hin zu verschiedenen Vorträgen.
Auch der tägliche offene Mittagstisch, der bis zur Corona-Pandemie vom Ottoheim angeboten wurde, wurde zum 1. März wieder eingeführt und trägt damit auch zum Zusammenwachsen des Stadtteils bei. „Auch wenn das Heim den Mittagstisch organisiert, sind wir mit involviert und kommen so schnell mit den Menschen ins Gespräch“, erklärt Rucker, die hofft, dass Betroffene schneller nach Hilfe fragen, wenn sie die Leute schon kennen.
Netzwerk schaffen
Neben den letzten Dekorationsarbeiten ist Rucker und ihrem Team daher in der Anfangszeit des Stadtteilbüros vor allem wichtig, ein großes Netzwerk aufzubauen. Hilfe Suchende, Ehrenamtliche und professionelle Dienste sollen so schnell zusammengebracht werden können. Zwar ist das Projekt erst einmal auf drei Jahre ausgelegt. Lore Rucker hofft jedoch, dass sich Förderinnen und Förderer finden, die von der Idee eines nachbarschaftlichen Miteinanders überzeugt sind und „Care im Quartier“ auch künftig finanziell unterstützen möchten. Den Projektverantwortlichen sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern im Haingebiet wäre dies nur zu wünschen.
