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Miteinander unterwegs, Verantwortung teilen

Würzburg (KNA/hbl) – Mit Bischof Heiner Wilmer übernimmt ein Ordensmann aus dem Emsland den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz. Vom Bauernhof im Emsland über die Bronx in New York bis zur Weltkirche in Rom: Heiner Wilmers Weg zum Bischof ist geprägt von Bodenständigkeit und Internationalität. Seit 2018 steht der Ordensmann der Herz-Jesu-Priester an der Spitze des norddeutschen Bistums Hildesheim. Nun haben ihn seine Kollegen zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Er folgt auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der das Amt sechs Jahre lang innehatte.  

 

Zum Auftakt seiner Amtszeit setzte Wilmer einen deutlich geistlichen Ton. In seinem ersten Statement nach der Wahl stellte er programmatisch fest: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“ Dieser Vers aus der biblischen Weihnachtsgeschichte sei für ihn Kompass seines Dienstes: „Gott Raum geben und gemeinsam am Frieden bauen.“ 

 

In seinem ersten Statement hat der Bischof auf die Rolle der Kirche für die Gesellschaft verwiesen: „Die katholische Kirche ist attraktiv“. Die Kirche sei für viele Menschen ein wichtiger Anker und mit ihrem sozialen Engagement eine Säule in der Gesellschaft. Die katholische Soziallehre bezeichnete Wilmer als eine „prophetische Stimme für alle Menschen“. Diese gelte es, stärker werden zu lassen.

 

Wilmer gilt als Vermittler zwischen Konservativen und reformorientierten Kräften in der Kirche. Er ist keiner, der mit der Faust auf den Tisch haut. Synodalität sei für ihn mehr als ein organisatorisches Konzept: „Synodalität bleibt eine geistliche Haltung – miteinander unterwegs sein, Verantwortung teilen, Entscheidungen gemeinsam tragen“, sagte er in Würzburg.  

 

Geboren wurde Wilmer am 9. April 1961 im Emsland. Er ist bodenständig geblieben, kann Trecker fahren und spricht neben mehreren Sprachen auch Plattdeutsch. Mit 19 trat er in den Orden der Herz-Jesu-Priester ein. 

 

Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom. 1991 promovierte er in Freiburg mit einer Arbeit zur Mystik in der Philosophie Maurice Blondels. Wilmer unterrichtete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 ging er nach Rom: Als Generaloberer trug er weltweite Verantwortung für den Orden. Aus dieser Zeit stammen seine vatikanischen Kontakte – und seine Erfahrung, dass Reformen in einer Weltkirche nur Schritt für Schritt gelingen.  Den neuen Papst Leo XIV. traf Wilmer im November. Aus Rom nehme er vor allem ein Signal mit, sagte Wilmer: Schon Papst Franziskus habe betont, dass Synodalität die Grundform der Kirche sei. Papst Leo bestätige diesen Weg.  

 

Mit Wilmer steht erstmals ein Bischof aus dem norddeutschen Diasporabistum Hildesheim an der Spitze der Bischofskonferenz. Dort ist die katholische Kirche eine Minderheit – und zugleich stark international geprägt. „Knapp 40 Prozent unserer Menschen stammen aus anderen Ländern“, sagte Wilmer. Das Bistum sei sehr multikulturell.  Sein Bild für kirchliche Arbeit klingt entsprechend norddeutsch: „Für uns im Zentrum steht die Verkündigung des Evangeliums, und wir machen das mit Frische und mit Schmackes und gehen dabei manchmal übern Deich mit ’ner steifen Brise im Haar.“ 

 

Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt bezeichnet Wilmer als zentral. Kurz nach seiner Bischofsweihe hatte er versprochen, Fälle schonungslos aufzuklären. Daran will er festhalten. „Die Stimme der Betroffenen muss gehört werden, damit wir als Kirche glaubwürdig bleiben“, sagte er jetzt. Der Weg sei mühsam, aber notwendig.  

Wilmer meldet sich auch in gesellschaftspolitischen Debatten zu Wort. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. In Würzburg sprach er über die Verantwortung der Kirche in einer polarisierten Gesellschaft. Die Demokratie, sagte er, organisiere die Uneinigkeit einer Gesellschaft in gerechter und friedvoller Weise. Auch die Kirche müsse lernen, mit Konflikten umzugehen: „Der Heilige Geist lebt nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch.“

 

Daneben bleibt Wilmer ein Mann der Spiritualität. 2024 veröffentlichte er mit „Herzschlag“ einen fiktiven Dialog mit der in Auschwitz ermordeten Jüdin Etty Hillesum. Von Hillesum könne man lernen, dass drei Dinge gut täten, so Wilmer auf Nachfrage eines Journalisten: kaltes Wasser am Morgen, geistliche Stille und ein Tagebuch. 

Wilmer fährt gern Rad, liest viel – und hält seinem Heimatverein FC Schapen 27 die Treue.  

 

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,  setzt auf Respekt im Umgang mit unterschiedlichen Auffassungen bei den katholischen Bischöfen. Es gehe darum, zuzuhören, das Gegenüber ernstzunehmen und anzuerkennen, sagte er am Tag seiner Wahl im „heute journal“ des ZDF. „Wir sitzen alle im gleichen Boot.“ Die Bischöfe in Deutschland hätten den großen Willen, die Frohe Botschaft des Evangeliums und die „Frische des Glaubens“ zu verkünden und zu sagen: Die katholische Kirche sei auch in stürmischer Zeit attraktiv.   

 

In dem Fernsehinterview bekräftigte Wilmer mit Blick auf die Frage, ob er für eine Priesterweihe von Frauen sei, dass er es ausdrücklich begrüße, dass die Weltsynode das Thema Frauen in Diensten und Ämtern auf der Tagesordnung habe. Man bleibe im Gespräch auch mit Rom und habe Respekt vor der großen und langen katholischen Tradition. Zugleich sei ihre Beständigkeit aber auch der Wandel. Er setze sich dafür ein, die Kompetenz von Frauen sichtbar zu machen und zu fördern.