
Bamberg (hbl/kem) – Im Juli schloss die 19-jährige Amelie ihre Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin für Brillenoptik ab. Danach bekam sie die Möglichkeit, in Deutschland zu bleiben, doch sie entschied sich bewusst, sich dem „Weltwärts“-Programm der Erzdiözese Bamberg anzuschließen und nach Indien zu gehen. „Ich wollte herausfinden, was Gott mit meinem Leben vorhat, selbstständiger werden und über mich hinauswachsen“, erzählt die 19-Jährige. Seit September ist sie über das Erzbistum im Rahmen des „Weltwärts“-Programms in einem Altersheim für Frauen in Kontagiri, einem kleinen Bergort inmitten grüner Teeberge im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu tätig. Sie arbeitet mit Frauen, die meist alleinstehend, finanziell eingeschränkt oder krank sind. „Die Frauen sind mir sehr ans Herz gewachsen, sie sind für mich wie eigene Omas geworden“, erzählt Amelie.
Besonders bewegend war ein gemeinsamer Geburtstag: „Plötzlich erklang Musik, und Jung und Alt begannen miteinander zu tanzen – ein Augenblick voller Freude, Gemeinschaft und Lebenslust.“ Solche Momente zeigen ihr, wie wertvoll jeder Tag im Heim ist. Ein typischer Tag für Amelie beginnt um 6 Uhr, um 7 Uhr besucht sie die Eucharistie. Danach serviert sie Frühstück, hilft beim Reinigen von zwei Zimmern und misst den Blutdruck der Bewohnerinnen. Um 10.30 Uhr ist Teezeit, die sie begleitet, danach macht sie kleine Übungen oder unterhält sich mit den Frauen. Um 12.30 Uhr gibt es Mittagessen, anschließend folgt eine längere Pause, in der sie schläft, Wäsche wäscht oder Besorgungen erledigt. Um 15.30 Uhr gibt es wieder Tee, danach geht sie oft ins Fitnessstudio oder einkaufen. Der Tag endet mit dem Abendgebet um 19 Uhr, Abendessen und manchmal gemeinsamen Spielen oder einem Filmabend.
Untergebracht ist Amelie während ihres Auslandsaufenthalts in einem Franziskanerinnen-Konvent. „Hier leben ganz viele andere junge Mädchen, die einmal Schwester werden wollen. Mit ihnen habe ich auch viel Kontakt.“
Die Bewohnerinnen im Heim, zwischen 60 und 80 Jahre alt, begeistern Amelie durch ihre Herzlichkeit, Offenheit und ihren Humor. „Sie nahmen mich sofort auf, obwohl ich die Sprache noch lerne. Wir lachen viel zusammen, erzählen uns gegenseitig Geschichten aus unserem Leben und genießen die kleinen gemeinsamen Momente, sei es beim Tee, beim Reden oder bei Übungen im Alltag.“ Durch diese Erfahrungen hat Amelie viel über Geduld, Selbstständigkeit und die Wertschätzung kleiner Dinge gelernt.
Hoher finanzieller Aufwand
Ein „Weltwärts“-Einsatz ist mit erheblichen Kosten verbunden (durchschnittlich rund 10 000 Euro). Ein Teil wird durch staatliche Mittel und die Erzdiözese Bamberg getragen, ein weiterer Teil über einen persönlichen Förderkreis. Doch Amelie hat sich Gedanken gemacht und eine eigene Spendenaktion (siehe Infobox) ins Leben gerufen. „Damit möchte ich die Kosten meines Einsatzes mittragen und zugleich zukünftige Freiwilligendienste ermöglichen“, so die 19-Jährige.
Amelie gibt auch einen persönlichen Rat an alle Leserinnen und Leser weiter: „Macht das, was euch selbst weiterbringt und nicht, was alle von euch erwarten. Geht mit Herz und vertraut auf Gott.“
Spendenmöglichkeit
Wen Sie spenden möchten, bitte wir um Überweisung an nachstehende Bankverbindung: Liga Bank Bamberg – Erzbistum Bamberg, Finanzkammer IBAN: DE 54 7509 0300 0009 0166 60 BIC: GENODEF1M05 Verwendungszweck: WFD 2025/26 und der Name des oder der Freiwilligen.
