Bad Staffelstein (gkl) – Was bewegt einen jungen Akademiker im 21. Jahrhundert dazu, Priester zu werden? Und welche Rolle spielt die Kirche in einer modernen Gesellschaft? Mit diesen Fragen setzte sich Dr. Marco Weis bei einem Vortrag im katholischen Jugendheim in Bad Staffelstein auseinander. Rund 40 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Sein Vortrag gliederte sich in drei Themenblöcke: „Was ist ein Priester?“, „Was ist Berufung?“ und „Kirche im 21. Jahrhundert“.
Zunächst zeichnete Weis die historische Entwicklung des Priesteramtes nach. In den neutestamentlichen Schriften gebe es noch keine „Priester“ im heutigen Sinn. Wenn dort von Priestern die Rede sei, dann seien die Tempelpriester in Jerusalem gemeint. Die ältesten kirchlichen Ämter seien vielmehr die des „episkopos“ (Aufsehers) und des „diakonos“ (Dieners). Erst nach Abschluss der neutestamentlichen Schriften habe sich das Priesteramt in seiner heutigen Form herausgebildet.
Priester leiten christliche Gemeinden stellvertretend für den Bischof – gleichsam als Hirten ihrer Herde. Unterstützt würden sie von Diakonen. Der Begriff „presbyteros“ sei in frühen Texten allerdings nicht eindeutig vom Bischofsamt zu trennen.
Heute feiern Priester die Sakramente – mit Ausnahme von Weihe und Firmung, die in der Regel dem Bischof vorbehalten sind. Als Gemeindeleiter stehe der Priester im Dienst der Liturgie, die den Kern des kirchlichen Lebens bilde. Im Lauf der Geschichte hätten sich zwei Formen des priesterlichen Dienstes entwickelt: Priester ohne eigene Gemeinde, etwa im Kloster oder in Seelsorgeeinheiten, sowie Priester mit Leitungsverantwortung als Pfarrer oder Pastor.
Ein zentraler theologischer Akzent sei jedoch: Anders als im Alten Testament, wo Priester als Mittler zwischen Gott und den Menschen galten, brauche es im Christentum keinen Priester, um mit Gott in Kontakt zu treten. Das Zweite Vatikanische Konzil betone in „Lumen Gentium“, dass alle Getauften Anteil am „heiligen Priestertum“ haben. Alle Christen seien berufen, ihren Glauben zu leben und zu bezeugen – auch wenn nicht alle zum Dienst der Leitung und Liturgie berufen seien.
