
Pegnitz (bp) – Der Tenor der Pfarrversammlung war klar: am liebsten beide Kirchen behalten. Doch nach dem aktuellen Gebäudekonzept des Erzbistums wird es künftig keine Förderung mehr für den Unterhalt von „Zweitkirchen“ geben. Das stellt viele Gemeinden vor schwierige Entscheidungen: Welche der vorhandenen Kirchen soll Hauptkirche bleiben oder werden? Und vor allem: Was passiert mit der „Zweitkirche“?
In Pegnitz lud nun der Leitende Pfarrer Norbert Förster zur Infoveranstaltung ein, unterstützt von Verwaltungsleiter Felix Ludwig und Pastoralreferentin Katharina Lurz. Das Interesse war groß. Nach einem Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche hatten die Gemeindemitglieder Gelegenheit, sich einen Überblick über den Zustand der beiden Kirchen, den dazugehörigen Gebäuden und Möglichkeiten zu verschaffen.
Der Tenor, der sich abzeichnete: beide Kirchen sollten als Kirche erhalten bleiben. Die Frage sollte nicht sein, welche Kirche erhalten bleibt, sondern: welche Kirche soll von Bamberg gefördert werden. Und wie könne das andere Gotteshaus finanziert werden? Doch ob die Herz-Jesu-Kirche mit Pfarrzentrum und derzeitigem SSB-Verwaltungssitz zur Hauptkirche ernannt wird, oder doch eher die deutlich kleinere Kirche St. Mariä Namen – das ist die Entscheidung, die bis zum 1. April fallen muss. Würde das Erzbistum denn die teurere Variante fördern, oder ist die Entscheidung eh überflüssig, war eine der Fragen der Gemeindemitglieder. Hier aber konnte Ludwig beruhigen, da seiner Erfahrung nach die Entscheidung der Gemeinden respektiert würden – soweit der Eigenanteil getragen werden kann.
Doch welche Kosten brächten die jeweiligen Varianten mit sich? Wie genau könnte eine Verlagerung des Pfarrzentrums von Herz-Jesu nach Mariä Namen konkret aussehen? Was würde dies für den neu errichteten SSB-Verwaltungssitz bedeuten? Viele Details blieben offen. Wäre die ökumenische Zusammenarbeit möglich, eine gemeinsame Nutzung des evangelischen Pfarrzentrums praktikabel? Was würde mit der Kinderkrippe passieren, wenn das Gebäude für Büroräume benötigt wird. Würden die Räume überhaupt ausreichen? Welche Sanierungsmaßnahmen sind in den jeweiligen Gebäuden erforderlich?
Klar dagegen war: die finanzielle Lage der Gemeinde lässt keine großen Spielräume zu – weder für große Sanierungen noch für unerwartete Maßnahmen. Es gibt keine Rücklagen und die monatlichen Zuschüsse decken derzeit im Wesentlichen die Personalkosten. Doch der Sanierungsbedarf ist groß, beziehungsweise Umbaukosten hoch.
So hat die Herz-Jesu-Kirche mit Pfarrhaus und Pfarrsaal auf der einen Seite beispielsweise große (liturgische) Möglichkeiten, ist vielseitig nutzbar und verfügt über modern ausgebaute Büroräume. Doch erfordert die Rissbildung eine statische Prüfung, die Gasheizung verursacht hohe Kosten, die Barrierefreiheit muss verbessert werden und Feuchtigkeit mit Schimmelbildung und Fundamentbewegungen sind große Herausforderungen.
St. Mariä Namen verfügt dagegen über eine künstlerisch wertvolle Ausstattung und eine trockene Bausubstanz. Doch auch hier gibt es Herausforderungen: ein geringeres Platzangebot, die Orgelrenovierung, die Erneuerung des Glockenstuhls, nötige Dacharbeiten und die fehlende Barrierefreiheit.
Am Ende der Info- und Fragerunde, konnten die Anwesenden noch einen Fragebogen ausfüllen, um ihre Wünsche und Anregungen in die Entscheidung mit einfließen zu lassen. Dabei ging es nicht nur um die Frage nach der bevorzugten Kirche. Gefragt waren auch eine kurze Begründung dazu, Ideen für die jeweiligen Standorte, um künftige Angebote oder darum, wie viel jeder bereit wäre, neben der Kirchensteuer für Erhalt und Renovierungsmaßnahmen zu spenden.
