Würzburg (KNA) – Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, rechnet nicht damit, dass sein Nachfolger eine große Einmütigkeit unter den Oberhirten herstellen kann. "Er möge die Unterschiede, die es gibt, und die Konflikte, die es auch weiter geben wird, so moderieren, dass wir einander verstehen können", sagte Bischof Bätzing am Montag in Würzburg zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe. "Ich glaube nicht, dass es in naher Zukunft so sein wird, dass wir in allen Fragen, die anstehen, in ganz dieselbe Richtung gehen."
Am Dienstag wählt die Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden. Der Limburger Bischof Bätzing hatte angekündigt, nicht für eine zweite, noch einmal sechsjährige Amtszeit zur Verfügung zu stehen: "Sechs Jahre, das war in meiner Perspektive eine zu lange Zeit."
Neuer Vorsitzender soll Spaltung überwinden
Zu den Aufgaben des künftigen Vorsitzenden gehört es, die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem Reformprojekt Synodaler Weg zu überwinden. Die Bischöfe aus Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt hatten sich aus dem Projekt zurückgezogen, bei dem es etwa um innerkirchliche Gewaltenteilung, mehr Beteiligung von Frauen und eine neue Sexualmoral ging.
Bätzing hat den Reformkurs in den vergangenen Jahren stark unterstützt. Er rief seine Amtsbrüder dazu auf, das Kirchenvolk an wichtigen Entscheidungen zu beteiligen: "Da wird sich niemand entziehen können." Dass Bischöfe den Gläubigen Rechenschaft geben müssten, sei keine Erfindung des deutschen Reformprojekts Synodaler Weg, sondern entspreche den weltkirchlichen Vorgaben.
Es gehe nicht darum, dass alle Bischöfe immer dieselben Entscheidungen treffen müssten, betonte Bätzing. "Der Bischof entscheidet in seiner Diözese mit seinen synodalen Gremien, und da kann niemand hineingrätschen."
Kritik von Kardinal Marx
Bei der letzten Vollversammlung des Synodalen Wegs Ende Januar in Stuttgart war beschlossen worden, dass ein Beratungs- und Entscheidungsgremium von Bischöfen und Laien künftig die Umsetzung von Reformbeschlüssen in den Bistümern überprüfen soll. Kardinal Reinhard Marx hatte in Stuttgart gewarnt: "Ich möchte so was nicht, dass man bei mir ins Bistum hineinregiert."
Die Bischöfe beraten in Würzburg darüber, ob sie die Satzung der geplanten Synodalkonferenz absegnen. Das neue Gremium auf Bundesebene soll im November seine Arbeit aufnehmen. Einige konservative Bischöfe stellen sich gegen diesen Plan und verweisen auch auf Bedenken der Kirchenleitung in Rom.
Absage an die AfD
Große Einmütigkeit zeigten die deutschen katholischen Bischöfe vor zwei Jahren mit ihrer Absage an die AfD in der Erklärung "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar". Erklärungen alleine reichten allerdings nicht aus, betonte Bätzing. "Wir müssen Menschen in unserem Land aktivieren, für Demokratie und Menschenwürde aufzustehen und sich zu engagieren."
In Limburg habe er sich die Wahlkampfstände verschiedener Parteien angeschaut, sagte Bätzing. "Mir wird angst, wenn ich vor einem AfD-Wahlstand stehe." Die demokratische Mitte müsse Bündnisse schließen, damit Deutschland rechtsstaatlich, freiheitlich, weltoffen, solidarisch und fest in Europa verwurzelt bleibe.
Bätzing gegen AfD-Verbot
Er persönlich sei allerdings gegen ein AfD-Verbot, ergänzte Bätzing. Die demokratischen Kräfte im Land müssten vielmehr zeigen, dass die Partei überflüssig sei. Nur durch ein Verbot seien die Wähler der Partei nicht weg.
Die Bischöfe befassen sich in Würzburg auch mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs, mit dem Dialog zwischen Christen und Muslimen sowie mit weiteren Themen. Am Donnerstag gibt der neue Vorsitzende die Ergebnisse dieser Beratungen bekannt.
