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"Es ist viel Potenzial da"

Zu vielen Fragen, die derzeit im Erzbistum Bamberg und in der katholischen Kirche in Deutschland aktuell sind, nahm Erzbischof Herwig Gössl (rechts) beim Heinrichsblatt Stellung. Die Fragen stellte unter anderem Chefredakteur Andreas Kuschbert. Foto: kem
Zu vielen Fragen, die derzeit im Erzbistum Bamberg und in der katholischen Kirche in Deutschland aktuell sind, nahm Erzbischof Herwig Gössl (rechts) beim Heinrichsblatt Stellung. Die Fragen stellte unter anderem Chefredakteur Andreas Kuschbert. Foto: kem

Bamberg (ku) – Viele Themen gab es zu besprechen, als Erzbischof Herwig Gössl zu Gast im Heinrichsblatt war. Und der Bamberger Oberhirte nahm sich viel Zeit für das Gespräch, in dem es vor allem um Themen ging, die derzeit im Erzbistum Bamberg und in der Kirche in Deutschland aktuell sind.

 

Herr Erzbischof, seit fast genau zwei Jahren sind Sie Erzbischof von Bamberg. Wie fällt Ihre Bilanz dieser zwei Jahre aus? 

Erzbischof Gössl: Der erste Gedanke ist, es ist erschreckend, wie schnell diese Zeit vergangen ist. Ich kann für mich sagen, dass ich glaube, dass ich in diesem Amt angekommen bin. Das ist aber auch nicht so schwierig gewesen, da ich die Diözese kannte und auch mit den ganzen Abläufen befasst gewesen bin. 

Was sich ereignet, ist eine ständige Veränderung in der Diözese und des kirchlichen Lebens in Deutschland. Von daher ist es auch ein ständiges Reagieren, was den Umgang mit den sich verändernden Koordinaten betrifft. Das macht das Ganze auch ein bisschen ungemütlich. 

 

Was waren die schönen Situationen? Was war ungemütlich? 

Fangen wir bei den schönen Situationen an, die ich Gott sei Dank sehr regelmäßig erlebe bei den vielen gottesdienstlichen Feiern. Da spüre ich, wie doch immer noch relativ viele Menschen aktiv sind, beispielsweise bei der Sternsingeraussendung oder auch bei Firmungen. Da ist viel Ernsthaftigkeit zu spüren und auch Sehnsucht nach der Welt des Glaubens, nach einer gelebten Gottesbeziehung. 

Ich treffe mich gerne mit Menschen. Da passt auch der Synodale Weg dazu. Das ist insofern ein schönes Erlebnis, wenn man die vielen Menschen trifft, die sich so engagieren in Kirche. Diesen  Bereich des Synodalen Weges würde ich als positives Erlebnis bezeichnen. 

Auch das Heilige Jahr der Hoffnung war ein durchgängiges Hoffnungsmotiv für mich. Es war überraschend, dass sich so Viele beteiligt haben, die Orte der Hoffnung identifiziert haben. Ich glaube, da ist sehr viel Potenzial da. 

Das Herausfordernde ist die Umbausituation, die Abbausituation – strukturell, personell, finanziell. Das ist immer etwas, was Menschen verunsichert und mir ganz ehrlich auch keinen Spaß macht, weil man nicht weiß, ob durch das, was da kommt, sich unsere Botschaft gut erhalten lässt. Das ist Neuland. Es ist spannend, aber auch herausfordernd, weil man die vertrauten Dinge zurücklassen muss. Darunter leiden viele, nicht nur in der Kirche. 

 

Sie haben die Umstrukturierungen, die Aufbrüche angesprochen. Es gibt inzwischen auch in unserem Erzbistum Kirchenschließungen und Verkäufe. Wie sehen Sie die Situation? 

Keiner von uns will eine Kirche schließen, ich will auch möglichst alle erhalten. Aber wahrscheinlich wird uns nichts anderes übrigbleiben, als dass manche Kirchen abgegeben werden müssen, weil wir sie nicht mehr erhalten können, weil wir die Zuschüsse nicht mehr geben können, auch weil vor allem Kirchenstiftungen überhaupt keine Möglichkeiten mehr haben, sie zu erhalten und weil sie auch nicht mehr gebraucht werden. Das ist einfach eine Entwicklung. Man hat viele Kirchen gebaut nach dem Krieg, weil sie gebraucht wurden und weil viele Leute da waren, die eine Kirche gesucht haben. Diese Leute gibt es heute so nicht mehr. Und so ist es völlig logisch, dass man diese Kirchen nicht mehr wird erhalten können. 

 

Sie haben vor kurzem neue pastorale Orientierungen herausgegeben. Was versprechen und erhoffen Sie sich davon? 

Das ist eine Reaktion auf einen Bedarf, der von Seiten der Leitenden Pfarrer benannt wurde. Wir brauchen jetzt eben nicht neue Strukturmaßnahmen, sondern wir brauchen eine Aussage, wie wir diese neuen Strukturen auch mit Leben füllen können. Es braucht einen pastoralen Umdenkprozess in der Zusammenarbeit, den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus. Es braucht eine Weitung der Pastoral und pastoralen Arbeit weg vom bloßen Denken auf Hauptamtliche hin. Pastoral ereignet sich, wo Menschen ihren Glauben leben, bezeugen, weitergeben und aus dem Glauben heraus handeln. Kirche ist nicht am Ende, weil es weniger Priester und weniger finanzielle Möglichkeiten gibt. 

Dieses Umdenken, dass man sagt, wie können wir die Pastoral auch stärker noch ehramtlich verorten, so wie sie in der ganzen Welt auch verortet ist – dieser Gedanke ist für viele noch so fern. Da braucht es harte Arbeit und auch wahrscheinlich noch viele Papiere, Ansprachen und Erklärungen. Und auch dann werden es nicht alle akzeptieren, weil sie sagen: Papier ist geduldig. Und mancher denkt sich, jetzt habe ich schon diesen und jenen Prozess ausgesessen, dann werde ich den auch noch schaffen. Aber es hilft nichts, die äußeren Umstände verändern sich. 

Ich bin überzeugt, es geht weiter. Man ist bislang in einem Versorgungsdenken geborgen gewesen, und das darf man den Leuten nicht übel anrechnen, weil sie es einfach von Klein auf so erfahren haben. Es ist natürlich schwierig, das jetzt so schnell umzustellen. 

Die pastoralen Orientierungen sind kein Anwendungspapier gewesen, sondern eine Ermutigung, zu schauen, wie Pastoral vor Ort gestärkt werden kann. Das wird in jeder Situation anders aussehen. Da kann man nicht von oben sagen, so oder so müsst ihr es machen. 

Das komplette Interview lesen Sie in der Ausgabe 08/2026