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"Der Papst hat den Nerv der Zeit getroffen"

In einer kleinen Broschüre wurden die Höhepunkte des Heiligen Jahres im Erzbistum Bamberg festgehalten. Foto: Andreas Kuschbert
In einer kleinen Broschüre wurden die Höhepunkte des Heiligen Jahres im Erzbistum Bamberg festgehalten. Foto: Andreas Kuschbert

Bamberg (ku) – Ich kann nur staunen, was weltweit aus der Papst-Initiative geworden ist.“ Domkapitular Martin Emge, der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, ist im Gespräch mit dem Heinrichsblatt auch nach dem Ende des Heiligen Jahres beeindruckt von dem, was so vieles Positive sich im vergangenen Jahr ereignet hat. „Papst Franziskus hat mit dem Thema ,Hoffnung‘ wirklich den Nerv der Zeit getroffen“, so Emge.

 

„Ich habe noch nie erlebt, dass ein Heiliges Jahr so stark rezipiert wurde“, konstatiert der Domkapitular.“ Sonst sei man eher zurückhaltend gewesen mit Initiativen aus Rom. Martin Emge: „Ich denke, dass der Papst mit dem Thema ,Hoffnung‘ eine große Sehnsucht der Menschheit getroffen hat. Bei den Menschen herrscht ein großes Konglomerat aus Problemen, Sorgen, Ängsten und Unsicherheit vor. Es gibt einen Schrei nach Hoffnung, nach Besserung. Es war wirklich eine Begabung von Papst Franziskus, gut hinzuschauen.“ So habe laut Emge das Heilige Jahr viel Leben geweckt sowie eine echte Freude an der Kirche und ihrer Vielfalt.

 

Auch im Erzbistum Bamberg hat das Heilige Jahr Spuren hinterlassen, Spuren, die in einer kleinen Broschüre zusammengefasst wurden. Im Vorwort von Marin Emge heißt es: „Wenn wir persönlich und auch als Kirche von Bamberg zurückschauen, dürfen wir danken für unzählige Augenblicke, die Mut und Hoffnung geschenkt haben, Gänsehautmomente auf Pilgerwegen und beim Durchschreiten Heiliger Pforten, aber auch bei der Präsentation von Hoffnungsprojekten und bei der Überreichung der begehrten Schilder, die Orte der Hoffnung ausgezeichnet haben.“ 

 

Für Emge selber war es eine „erste Erfahrung“, ein solch besonderes Jahr gestalten zu dürfen. Dankbar ist er in diesem Zusammenhang seiner Abteilung und anderen Bereichen aus dem Erzbischöflichen Ordinariat. „Ich habe hier eine sehr gute Zusammenarbeit erlebt“, konstatiert der Domkapitular. „Das war ein gegenseitiges Stützen und Aufgreifen.“ So konnten viele Ideen umgesetzt werden, angefangen von Flyern und der Entwicklung der Glaubenswege bis hin zur Gestaltung der eigenen Homepage. 

 

Als ehemaliger Pfarrer in Forchheim hat Emge seiner Aussage zufolge die entsprechende „Pfarrperspektive“ mitgebracht und seine Verbindungen genutzt. So gab es fünf große Mails an die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Seelsorgebereichen, um so den Bedarf an Materialien zum Heiligen Jahr abzufragen. 

 

Erfreut zeigt sich Martin Emge, dass an den sechs Orten im Erzbistum, an denen es Heilige Pforten gab, auch entsprechende Fahnen vor den Kirchen gehisst wurden. „Andere wollten Aufkleber oder auch ein Antependium für den Ambo“, blickt er zurück. So sei im „Dialog mit der pastoralen Basis“ etwas Besonderes entstanden. Und wenn Emge auf seine noch vorhandenen Materialbestände blickt, dann ist er sehr zufrieden, denn kaum etwas ist übrig geblieben. „Wir haben alles passgenau in die Pfarreien geschickt, so dass es jetzt keine Halten gibt.“ 

 

Als „stärkstes Element“ des Heiligen Jahr bezeichnet der Seelsorgeamtsleiter die Aktion „Orte der Hoffnung“. Emge: „Schon an den ersten Reaktionen habe ich gemerkt: das klappt.“ So habe es eine gezielte Wahrnehmung von Orten in den Seelsorgebereichen und Pfarreien gegeben, die den Menschen Hoffnung vermitteln. „Und es war für Viele eine Anregung, selber nachzudenken, was Hoffnung geben kann.“ 

 

Große Freude habe er immer verspürt, wenn er selber an den Orten der Hoffnung war, um die entsprechenden Schilder und die dazugehörigen Urkunden zu verteilen. Martin Emge: „Das war eine niederschwellige und praktische Art zu zeigen, dass man das umsetzt, was der Papst mit dem Motto des Heiligen Jahres wollte. Und es wurde deutlich, dass an diesen Orten Glaube konkret und lokal gebunden ist.“ 

 

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 320 Orte als „Orte der Hoffnung“ ausgezeichnet, „und dazu kommen noch die rund 90 Büchereien im Erzbistum“, so Emge. Für ihn war und ist es wichtig die Wertschätzung zu zeigen, „denn Vieles vor Ort wird durch Ehrenamtliche getragen“. 

 

Für Domkapitular Emge war das vergangene Heilige Jahr ein Jahr, das Leben geweckt hat, etwas Leichtes und Ermutigendes hatte. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, hier mitzuwirken.“ 

 

Früchte aufgreifen

 

Doch es soll weitergehen, es soll das im Jahr 2025 Erreichte nicht einfach so stehenbleiben oder in der Schublade verschwinden. In diesem Zusammenhang verweist Emge auf das Jahresmotto 2026 im Erzbistum Bamberg, „Du bewegst die Welt“. „Heuer sollen die Früchte des vergangenen Jahres aufgegriffen werden. Die Initiativen und Orte der Hoffnung sollen weiterhin im Blick bleiben“, sagt der Domkapitular. „Denn das alles ist ein Stück Kirche der Zukunft. Gehen wir neue Wege, um Kirche zu sein. Nehmen und schaffen wir Haltepunkte für die Pastoral.“ 

 

In diesem Zusammenhang verweist Martin Emge auf Pater Rudolf Lunkenbein, den Missionar aus Döringstadt, der vor 50 Jahren in Brasilien erschossen wurde und dessen Seligsprechungsprozess derzeit läuft. Mit Blick auf den Salesianerpater betont der Seelsorgeamtsleiter den Gedanken, das Thema „Glaubenszeugen“ im Erzbistum aufzugreifen. 

 

„Wo gibt es Menschen, die ihren Glauben bezeugen, leben und damit der Kirche ein Gesicht geben, so dass Gott spürbar wird“, müsse laut Emge die Frage sein. Solche Glaubenszeugen sind nach seinen Worten gesucht zum Beispiel für die traditionelle Fußwaschung in der Karwoche im Bamberger Dom. 

 

Mit Blick auf die am 1. März bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahlen könnten nach Emges Worten auch diejenigen Kandidatinnen und Kandidaten, die auf den Wahlplakaten zu sehen sind, Glaubenszeugen sein. Aber auch diejenigen, die sich am diözesanen Prozess „Entscheiden und Handeln“ in den Arbeitsgruppen beteiligen, sind für ihn Glaubenszeugen.