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"Jugendhilfe ist Gerechtigkeit"

Beim Start der Kampagne trafen sich Caritas-Verantwortliche mit den Bamberger Landratskandidaten in der Jugendhilfe-Einrichtung in Pettstadt. Foto: Benjamin Kemmer
Beim Start der Kampagne trafen sich Caritas-Verantwortliche mit den Bamberger Landratskandidaten in der Jugendhilfe-Einrichtung in Pettstadt. Foto: Benjamin Kemmer

Pettstadt (kem) – Kein Kind sollte zurückbleiben hätten meine Vorgänger vor 20 Jahren genauso sagen können“, erklärte Caritas-Diözesandirektor Michael Endres in Pettstadt. „Doch die traurige Wahrheit ist, dass auch 20 Jahre später dieser Satz noch gesagt werden muss.“ Aus diesem Grund startete die Caritas-Jugendhilfe zuletzt eine Kampagne mit dem Titel „Kein Kind darf zurückbleiben – Jugendhilfe ist keine Gnade – sie ist Gerechtigkeit“. 

 

Der Ort dieses Auftakts konnte mit der Caritas-Jugendhilfe in Pettstadt nicht besser gewählt sein. Einrichtungsleiter Wolfgang Gremer stellte seine Wirkungsstätte kurz vor. Hier wie in anderen Dienstsitzen in Stadt und Landkreis Bamberg sind die Kinder und Jugendlichen in Wohngruppen eingeteilt. Jede Gruppe beherbergt acht Personen. Ein weiterer Platz wird immer für akute Fälle bereitgehalten. 

 

Auch der Personenkreis zum Kampagnen-Auftakt war klug ausgesucht, hatte die Caritas doch die drei Bewerber um die Position des Bamberger Landrats eingeladen. Und so ließen sich Bruno Kellner (Freie Wähler). Johannes Maciejoncyzk (CSU) und Thomas Ochs (Grüne) durch die Einrichtung führen und von Gremer erklären, woran es noch hakt. 

 

Positionspapier für Politiker

 

Hierfür hatte er extra ein Positionspapier entwickelt, das er den Politikern an die Hand gab. Mit Schlagworten wie „Jugendhilfe politisch stärken“, „Armut bekämpfen – Chancen sichern“, „Fachkräfte sichern und schützen“ oder „Ehrenamt stärken“ warb er dafür, dass die Politik sich mehr für die Belange von Kindern und Jugendlichen einsetzt, die kein behütetes Elternhaus haben. 

 

Dies beginne bei banalen Dingen wie Fahrten zum Fußballtraining oder zur Ministrantenstunde, oder bei einer besseren ÖPNV-Anbindung für Kinder und Mitarbeitende. Auch eine Ferienfreizeit haben die Kinder und Jugendlichen einmal im Jahr, die jedoch immer von Spenden finanziert werden muss, da Jugendämter hierfür nicht aufkommen. 

 

„Wir brauchen aber auch Hilfe, wenn die Jugendlichen dann ins Erwachsenenleben starten“, so Gremer. Sei es bei der Jobsuche oder der Suche nach einer Ausbildungs- und später auch Arbeitsstelle. „Diese Kinder haben keinen Leumund und Rückhalt aus der Familie. Wir sind für sie da, aber wir brauchen auch Ihre Unterstützung“, appellierte der Einrichtungsleiter an die Landratskandidaten. Diese drei zeigten sich beeindruckt und auch berührt von den Ausführungen Gremers und von dem, was ihnen gezeigt wurde. Alle drei beteuerten auch, dass sie sich für die Jugendhilfe einsetzen werden. „Da sind wir auf einer Wellenlänge“, erklärte beispielsweise Bruno Kellner, der als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses im Landkreis voll in der Thematik drin ist. Er dankte der Caritas und allen anderen Trägern solcher Einrichtungen für ihr Engagement, dass teilweise weit über den normalen Arbeitsalltag hinausgehe. 

 

Thomas Ochs kennt die Jugendhilfe aus anderer Sicht. „Ich wäre auch in einer solchen Einrichtung gelandet, hätte ich nicht meine Großeltern gehabt, bei denen ich ab drei Jahren aufgewachsen bin“, so der Grünen-Politiker, der somit aus eigener Erfahrung weiß, dass ein behütetes Umfeld eminent wichtig für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist. 

 

„Ich habe vor meiner Zeit als Politiker auch etwas Gescheites gelernt“, erklärte CSU-Mann und Burgebrachs Bürgermeister Johannes Maciejoncyzk. Bei seinem Beruf als Justizfachwirt war er sowohl im Familiensenat als auch für Zwangsvollstreckungen zuständig. „Da bekommt man hautnah mit, dass nicht jeder so aufgewachsen ist, wie man selbst“, so Maciejoncyzk. „Und meist waren es die gleichen Schicksale, die zunächst vor dem Familiengericht landeten und denen später dann eine Zwangsvollstreckung drohte.“ Solche „Karrieren gelte es zu vermeiden, weswegen diese Arbeit so wichtig ist“. Abschließend sagte er „Jugendhilfe kostet viel Geld, aber keine Jugendhilfe kostet die Gesellschaft in der Zukunft noch viel mehr.“