Unna/Erfurt (KNA) – Über Trauer und Einsamkeitsgefühle nach einer Beerdigung sprechen viele Menschen nicht gerne. "Es ist für viele eine große Hemmschwelle, in die Beratung zu kommen", beobachtet die Erfurter Trauerbegleiterin Katrin Lehmann-Buss. Deshalb komme sie dort regelmäßig als Friedhofsclown "Finivo" zu den Menschen, erklärte sie bei einer Veranstaltung des Kuratoriums Immaterielles Erbe Friedhofskultur.
Statt sich dort als Trauerbegleiterin vorzustellen, bevorzuge sie die Clownsfigur als unkonventionelle Brücke in die Herzen der Hinterbliebenen. Dies sei zwar eine verrückte Idee, "aber auch die Trauer ver-rückt", sagte die Expertin. Allerdings ernte sie natürlich oft irritierte Blicke, wenn sie mit buntem Outfit, roter Nase und ihrem großen Koffer auf dem Friedhof sei.
Trauernde überraschen
Sie nehme dann vorsichtig Blickkontakt auf und schaue, ob sie sich den Menschen nähern dürfe. Ihr Ziel sei es, Trauernde zu überraschen und ihnen für einen kurzen Moment "ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern" - etwa, wenn sie einer frisch verwitweten Frau ein rotes Filzherz schenkt. Ein anderes Mal helfe sie alias "Finivo" behutsam und leise beim Putzen des Grabsteins oder beim Kehren von Laub.
"Finivo" spreche dabei wenig: "Die Menschen sprechen mit mir, ich höre ganz viel zu", sagte Lehmann-Buss. Nach der anfänglichen Irritation über die Anwesenheit des Clowns suchten sie manche Menschen inzwischen auch gezielt auf, wenn sie mittwochvormittags auf dem Erfurter Hauptfriedhof unterwegs sei.
