Berlin (KNA) - Digitale Formen der Erinnerung an den Holocaust sind nach Worten der Auschwitz-Überlebenden Eva Umlauf lediglich ein Teil des Gedenkens. "Wir haben viele Dokumente", betonte die Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees am Dienstag in Berlin. Als Beispiele nannte sie Bücher und Filme. Die 83-Jährige aus München kritisierte Formate in Sozialen Medien, in denen das Leben von Überlebenden zum Teil in 90 Sekunden erzählt werde: "Das ist nicht möglich." Auch dann nicht, wenn Jugendliche heute oft nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne hätten.
Zeitzeugen als Hologramme seien eine der Formen der Erinnerung, die sie befürworte, sagte Umlauf. Allerdings könne man sie nicht mit einer lebendigen Person vergleichen, mit der man in Gesprächen viel weiter in die Tiefe gehen und Nachfragen stellen könne, zu aktuellen politischen Entwicklungen zum Beispiel. Hologramme könnten das nicht, weil sie keine Updates bekämen. Diese virtuellen Abbildungen von Überlebenden seien gleichwohl ein Ersatz - "ob es ein guter ist, wird die Zeit zeigen", so Umlauf, von der selbst ein Hologramm existiert.
Sie und andere Zeitzeugen, die als Hologramme zum Beispiel in Gedenkstätten und Museen zu sehen sind, beantworten im Vorfeld Fragen. Oft sind es Hunderte oder um die tausend Stück. Einem Algorithmus folgend setzen sich daraus Antworten auf Fragen von Besuchern an die virtuellen Abbildungen der Zeitzeugen zusammen. Dabei geht es beispielsweise um ihre Biografie, ihr Schicksal unter dem NS-Regime und ihre Erfahrungen.
Als Kind in Auschwitz
Hintergrund von Debatten über die Zukunft der Erinnerungskultur in Deutschland ist, dass es immer weniger Zeitzeugen gibt, die aus erster Hand über die NS-Verbrechen berichten können. Nach Angaben der Claims Conference von Dienstag liegt die Zahl der verbliebenen Überlebenden der Schoah weltweit bei etwa 200.000. Umlauf wurde als Kind zusammen mit ihrer Mutter im Januar 1945 in Auschwitz befreit.
Umlauf äußerte sich auf einer Konferenz mit dem Titel "Digitale Horizonte. Die Transformation der Erinnerungskultur". Sie läuft bis Mittwoch in Berlin und wird von der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgerichtet. Dabei geht es um Chancen und Risiken sowie die Zukunft digitaler Formen der Erinnerungskultur.
