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Hochschulgemeinden arbeiten ökumenisch

Mit großer Freude präsentieren Karmelitenpater Severin Tyburski (von links), die Studierenden Carlos Munzer und Maren Ederberg sowie der evangelische Pfarrer Thomas Braun das neue gemeinsame Logo der Bamberger Ökumenischen Hochschulgemeinde. Foto: cid
Mit großer Freude präsentieren Karmelitenpater Severin Tyburski (von links), die Studierenden Carlos Munzer und Maren Ederberg sowie der evangelische Pfarrer Thomas Braun das neue gemeinsame Logo der Bamberger Ökumenischen Hochschulgemeinde. Foto: cid

Bamberg (cid) – Die ungewöhnliche mit Sgraffitoputzdekor verzierte Fassade des Hauses neben dem Universitätsgebäude am Markusplatz ist durch Plastikplanen geschützt. Dies zeigt: Es verändert sich etwas. Im April nächsten Jahres soll das vom Dach bis zum Keller sanierte Gebäude wieder für Studierende zur Verfügung stehen. 

 

Hier werden wieder Studenten wohnen, hier werden aber auch – wie schon die letzten Jahre – der evangelische Studentenseelsorger Thomas Braun und dann erstmals auch der katholische Hochschulseelsorger Pater Severin Tyburski ihre Büros haben. Denn seit dem 1. Oktober arbeiten die Hochschulseelsorger nicht mehr je für sich allein an verschiedenen Orten. Seit diesem Datum gibt es auch offiziell eine „Ökumenische Hochschulgemeinde“. Ein gemeinsames Logo ziert nun erstmals auch das Veranstaltungsprogramm der Hochschulgemeinden.

 

Noch liegt viel Staub in den Räumen, Wände werden verändert, Leitungen werden neu verlegt, wertvolle Türen und Türrahmen sind mit verkleidet und so vor möglicher Beschädigung geschützt, Ausstattungsteile wurden nach Inventarisierung ausgebaut und bis zum Wiedereinbau eingelagert. Den Mitgliedern des Sprecherrats der neuen Ökumenischen Hochschulgemeinde (öhg), den Studierenden Maren Ederberg und Carlos Munzer sowie den beiden Hochschulseelsorgern Braun und Tyburski ist jedoch die Freude anzumerken, dass das „Karl-Steinbauer-Haus“ für Bamberger Studierende in absehbarer Zeit wieder zur Heimat werden darf.

 

Schon einmal arbeiteten die Hochschulseelsorger Tür an Tür. Das war im Haus an der Promenade. Als es nicht mehr zur Verfügung stand, fand die Katholische Hochschulgemeinde (khg) ihr neues Domizil in der Friedrichstraße 2. Die Evangelische Studierendengemeinde (esg) wechselte Mitte der 90er Jahre an den Markusplatz. Das Anwesen, 1889 gebaut und bis 1994 im Besitz der Familie Fiedler, war lange vermietet. Dann wurde es der evangelischen Kirche Bamberg vererbt mit der Auflage, es fortan “zum Wohl der Jugend“ zu nutzen.

 

Ein Jahr lang dauerte die Vorplanung für die Nutzung des auffälligen Gebäudes im Stil der Neorenaissance. Die Idee, die Räume für Seelsorge und gemeinschaftliches Beisammensein von Studenten gemeinsam zu nutzen, fand, so Pfarrer Braun, erstaunlich schnell die Zustimmung der zuständigen Gremien. Nur zwei Monate brauchte es bis zum „Ja“. Die konkreten Arbeiten am Bau begannen im März dieses Jahres.

 

Seit Sanierungsbeginn haben die evangelischen Studierenden und der Pfarrer vorübergehend ein Domizil in der Friedrichstraße 2 gefunden, ein gemeinsames “Wohnen auf Probe“, wie es Braun scherzhaft nennt. „Gemeinschaftlich können wir Kräfte bündeln“, sind sich die Hochschulseelsorger einig.

 

Ökumenisch arbeitet die Hochschulseelsorge in Bamberg schon länger. Seit Anfang der 80er Jahre haben khg und esg einen gemeinsamen Veranstaltungsflyer. Lange wurden die Veranstaltungen aber farblich unterschieden, blau stand für katholisch, rot für evangelisch. Jeder hatte sein eigenes Logo. Jetzt sind das rot-orangefarbene Hahnenpaar und der blaue Bogen vereint, aus khg und esg ist die öhg geworden. Dass jetzt auch der Sprecherrat ein Gemeinsamer ist, darin sehen die beiden Studierenden Ederberg und Munzer ein großes Plus. So gebe es mehr Ideen für das Veranstaltungsprogramm. Es umfasst Universitätsgottesdienste, die jetzt immer ökumenisch sind, aber auch gemeinschaftsbildende Aktionen, Angebote zum geselligen Beisammensein sowie pro Semester einen inhaltlichen Schwerpunkt. In diesem Wintersemester beschäftigt man sich mit dem Thema „Antisemitismus“. Für Maren Ederberg ist das ökumenische Miteinander auch eine Möglichkeit, „sich der eigenen Konfessionalität bewusster zu werden“. „Die Gemeinschaft macht viel Freude und ist sehr lehrreich“, sagen die beiden Seelsorger. „Wir bemerken unsere konfessionelle Verschiedenheit, handeln aber geschwisterlich gemeinsam.“

 

In Bayern ist die neue öhg zwar nicht einzigartig, aber doch eher eine Ausnahme. Eine ökumenische Hochschulseelsorge gibt es beispielsweise in Freising oder auch in Kempten. Der Regelfall aber sind räumlich getrennte Hochschulgemeinden, die jedoch bei ihrem Programm zusammenarbeiten.

 

Die Kosten für die Baumaßnahme am Markusplatz 1 trägt allein die evangelische Kirche. „Es ist schön, wenn die Kirche so stark in die Jugend investiert“, freut sich Pfarrer Braun. Rund 2,1 Millionen sind veranschlagt, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) übernimmt 1,5 Millionen Euro. Weitere 500 000 Euro kommen von der öffentlichen Hand und von Stiftungen. Die Studierendengemeinde selbst muss rund 100 000 Euro der Sanierungskosten übernehmen. Daher würde man sich, so der Studierendenseelsorger, sehr über Unterstützung in Form von Spenden freuen. Dies könne eine Summe im Gegenwert eines Quadratmeters Farbe sein, gerne aber auch in Höhe der Restaurierung eines Quadratmeters Putz.