Nürnberg (us) – Wer die biblischen Lesungen der katholischen Sonn- und Feiertagsgottesdienste durchblättert, mag feststellen, dass es dort nur wenige Texte über Frauen gibt, ihre Perspektiven oftmals gekürzt oder ganz weggelassen werden. „Viele Frauen finden keine Erwähnung“, heißt es in einer 80-seitigen Broschüre, die das Katholische Bibelwerk und das Erzbistum Bamberg herausgegeben haben.
Diese wurde jetzt im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus vorgestellt: „Bibel einfach lesen: Unerhört!?“ heißt die Arbeitshilfe mit Bildern von Susanne Aulinger. Hinter dem Projekt stecken einige engagierte Menschen, unter ihnen Bibelwissenschaftlerinnen und Bibelwissenschaftler. Gemeinsam laden sie zur Auseinandersetzung mit den 26 in der Broschüre ausgewählten und erläuterten Schrifttexten ein.
„Worte wirken“, argumentiert das Projektteam. Auch Worte, die nicht ausgesprochen würden, schafften Wirklichkeit: So gerate das Unausgesprochene nach und nach in Vergessenheit. Da sind zum Beispiel die Frauen am leeren Grab: Ein Zittern habe sie gepackt, erklärt Sabine Bieberstein, bis vor kurzem Professorin für Neues Testament und biblische Didaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Diese Erschütterung der Frauen erwähne die Leseordnung nicht, so Bieberstein. Dabei stecke gerade im Schweigen der Frauen ein offener Schluss mit einer bewegenden Botschaft für alle: Schließlich gehe es darum, „Worte dafür zu finden, dass der Tod nicht das letzte Wort hat“.
