· 

"Ich ziehe mich aus gegebenem Frust zurück"

Erlangen (buc) – Es sind kämpferische Geschichten, Geschichten von Liebe, Leidenschaft und tiefer Gläubigkeit, aber auch Geschichten von Zurückweisung, Verzweiflung und Resignation, die zu hören sind und vor dem inneren Auge lebendig werden, folgt man in Erlangen der Einladung zum Treffen einer Gruppe hochengagierter Kirchenfrauen aus Mittelfranken, die sich zur bundesweiten katholischen Reforminitiative Maria 2.0 rechnen.

 

Zum Zeitpunkt des Gesprächs ist der lang erwartete Abschlussbericht der vatikanischen Kommission zum Thema Diakonat und Frauenweihe noch nicht veröffentlicht, doch es ist schon spürbar, wie gering die Erwartungen sind, wie wenig Hoffnung es unter den Frauen gibt, dass sich die Kirche unter Papst Leo XIV. auf den Weg machen wird, theologischen Erkenntnissen folgend ihr weibliches Antlitz auch am Altar sichtbar zu machen.

 

Der inzwischen vorliegende Bericht legt sich in Bezug auf das weibliche Weiheamt nicht fest, die Frage bleibe „offen für weitere theologische und pastorale Vertiefungen“. Als ob diese Klärungen nicht schon längst erfolgt wären, als gäbe es nicht die zahlreichen Beispiele für Frauen in führenden Funktionen der frühen Kirche, sei es als Diakonin oder Gemeindeleiterin, und zwar lange bevor von einem Priestertum im heutigen Sinne die Rede sein kann. Als gäbe es nicht die Verfälschungen wie bei der Apostelin Junia (Römer 16,7), die von einer männlich geprägten Kirche über Jahrhunderte hinweg zum Mann Junias zurechtgelogen wurde – Transgender im Sinne des Machterhalts.

 

Die Erlanger Gruppe besteht überwiegend aus Frauen, die ehrenamtlich in der Kirche tätig sind. Auch zwei Pastoralreferentinnen sind dabei: Margit Böhmer-Böckeler, die lange in Ansbach tätig war und inzwischen im Ruhestand ist, sowie Gabriela Roter-Göken. Anfangs war Maria 2.0 bei der Katholischen Hochschulgemeinde angesiedelt, wo Roter-Göken als Seelsorgerin tätig ist. Doch bei der KHG gab es auch Vorbehalte gegen die Reforminitiative, so dass man nun organisatorisch getrennt ist.

 

Die Runde hält sich nicht lange mit Floskeln auf. „Im Moment ziehe ich mich aus gegebenem Frust etwas zurück“, bringt eine Frau ihren Zorn über den mangelnden Reformwillen der Kirche zum Ausdruck. „Es ist höchste Zeit, dass sich was tut“, fügt eine andere hinzu. Seit Jahrzehnten sind diese Christinnen kirchlich aktiv, seit Jahrzehnten wird über Veränderungen gesprochen, allein: Verwirklicht ist wenig. Und das wenige, das dauerhaft in der Diskussion bleibt, wird auf die lange Bank geschoben. Andere Themen werden gar nicht erst angefasst – Stichwort: weltkirchlich ohnehin nicht durchsetzbar.

 

Anhand der Regel, dass sie nach ihrer Scheidung nie wieder heiraten dürfe, habe sie gemerkt, „wie eng dieser Glaube ist“, berichtet eine Teilnehmerin. „Jesus hat uns etwas anderes erzählt, er hat uns zu einem Leben in Fülle gerufen.“ Durch Maria 2.0 habe sie erfahren, „das das alles Menschen- und Männerwerk ist“. Austreten sei für sie keine Option, sagt die Frau weiter, „obwohl wir das zu Hause immer wieder diskutieren“. Inzwischen leitet sie, obwohl geschieden und wiederverheiratet, Wort-Gottes-Feiern in ihrer Pfarrei. Zunächst gab es nach ihrer Schilderung ein Veto aus Bamberg, doch es stellte sich wohl die Frage: Welcher Shitstorm wäre größer – ihr den Dienst zu verweigern oder ihn zähneknirschend zu erlauben?

 

Beim Klerus finden starke Frauen wenig Beachtung

 

 

Lohnt es sich noch zu kämpfen? Die Antwort ist eindeutig „ja“. Es gebe noch immer viele starke, kostbare, einsatzbereite Frauen in der Kirche, auch wenn deren Kraft beim Klerus wenig Beachtung finde, heißt es in der Runde. Maria 2.0 sei ein Ort, „an dem die Charismen atmen dürfen“, sagt eine Frau. „Ein Ort, wo wir uns ermutigen, unsere Gaben entdecken, unsere verschiedenen Fäden aufeinander zuweben“. Eine Teilnehmerin fügt ein wichtiges Motiv hinzu: „Es braucht so sehr die Vermittlung des Glaubens in dieser Zeit.“