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Studie: Viele Angehörige erleben Pflege positiv

Erlangen (KNA) - Wer Angehörige pflegt, hat nicht nur Stress, sondern erlebt die Zeit auch als Gewinn. Laut Mitteilung vom Dienstag hat ein Forschungsteam der Universität Erlangen erstmals in Deutschland in einer Studie die positiven Seiten nachgewiesen, die mit häuslicher Pflege verbunden sind. In einer repräsentativen Erhebung befragten sie demnach mit einem neuartigen Fragebogen mehr als 900 Pflegende in Bayern. 61,7 Prozent von ihnen hätten angegeben, ihnen sei durch diese Tätigkeit deutlicher geworden, welche Werte ihnen persönlich wichtig seien. 41 Prozent könnten deshalb ihre Zeit besser organisieren.
Die pflegenden Angehörigen hätten auch berichtet, sie seien geduldiger und reifer geworden, erlebten mehr Wertschätzung von anderen oder hätten eine positivere Lebenseinstellung gewonnen, hieß es. Überrascht zeigten sich die Wissenschaftler von einem weiteren Ergebnis. „Die Zugewinne werden völlig unabhängig von der Belastung und der Dauer der Pflege erlebt“, sagte der Demenzforscher und Co-Autor der Studie, Elmar Gräßel. Auf Basis der erforschten Benefits könne die Lebenssituation von Pflegenden und Gepflegten verbessert und damit die häusliche Pflege in Deutschland gestärkt werden.
Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 61 Jahre alt und zu mehr als drei Vierteln Frauen. Mehrheitlich seien es Partner und Partnerinnen sowie erwachsene (Schwieger-)Töchter und Söhne, die ihre Angehörigen pflegten. Das Durchschnittsalter der Pflegebedürftigen betrug den Angaben zufolge 77 Jahre, knapp zwei Drittel waren weiblich. Als Ursachen für ihre Pflegebedürftigkeit wurden Altersgebrechlichkeit, eine Demenzerkrankung, ein Schlaganfall und Krebs genannt.