Heinrichsblatt

Kirche und Welt

Auf diesem Weg müssen wir weitergehen

10 Jahre Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre: Gespräch und Vortrag mit Erzbischof Ludwig im CPH

War die vor zehn Jahren von Katholiken und Lutheranern in Augsburg unterzeichnete Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre ein Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung? Der darin erzielte Konsens in den Grundwahrheiten hat die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen auf eine neue, handlungsfähige Basis gestellt, gemeinsame Aktionen wurden angestoßen, verbleibende Unterschiede erscheinen in neuem Licht. Erzbischof Dr. Ludwig Schick und Oberkirchenrat Michael Martin zeigten sich auf einem von der Diözesan- und der evangelischen Stadtakademie gemeinsam veranstalteten Abend im CPH einig, dass diese Erklärung ein „wichtiger Baustein auf dem Weg der Ökumene“ (Schick) und ein „wesentlicher Schritt zur Kircheneinheit“ (Martin) ist. Nun gelte es, das Begonnene besonnen fortzuführen – eine hoffnungsvolle Zielsetzung auch im Hinblick auf den Ökumenischen Kirchentag im Mai.

Durch die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre wurde in wesentlichen Punkten Einheit erzielt, die in der Reformation sehr kontrovers dargestellt wurden. Die Lehrverurteilungen aus dem 16. Jahrhundert treffen den Partner nicht mehr. Auf dieser Basis wurde gemeinschaftlich christliches Sprechen und Handeln in die Gesellschaft hinein ermöglicht.

Der Bamberger Erzbischof verwies auf die gemeinsamen Erklärungen zum Schutz des Lebens, zum Sonntagsschutz, zur Bewahrung der Schöpfung, gemeinsam abgestimmte soziale und pastorale Tätigkeiten. Ökumenische Trauungen wurden normal, ebenso viele gemeinsame Aktivitäten wie der Weltgebetstag. Diesen Weg, die Gesellschaft als Christen miteinander zu gestalten, müsse man weiter verfolgen, um lebenswerte Umstände für die Menschen zu schaffen.

Auch Oberkirchenrat Martin ist froh über das ökumenische Miteinander das in den Kirchengemeinden und kirchlichen Institutionen mittlerweile üblich ist; das möglich geworden ist, obwohl die konfessionellen Unterschiede durch die Erklärung nicht weggewischt werden konnten. Martin spricht von einem differenzierten Konsens, der einen gemeinsamen Grundbestand anerkennt, aber unterschiedliche Positionen der anderen Seite respektvoll stehen lassen kann. So hat das Gemeinsame gegenüber dem Unterschiedlichen einstmals Trennendem ein stärkeres Gewicht bekommen.

Martin betont den bedeutungsvollen Grundkonsens im Verständnis des Evangeliums, und äußert die Hoffnung, dass nach Rezeption solch wichtiger Fragen auch für heute noch offene Dialogthemen eine ähnliche Übereinstimmung gefunden werden könnte – mit weit reichenden Folgen. Bei der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre fungierte der Lutherische Weltbund als Partner der römisch katholischen Kirche; eine weltweite Gültigkeit der Übereinkunft wurde so erreicht – mit überaus positiven Auswirkungen für die Mitgliedskirchen.

Gemeinsames ökumenisches Profil

Unterschiedliche Positionen gibt es dennoch weiter, wie bei der Abendmahlsfrage. Eine gemeinsame Eucharistie ist derzeit nicht möglich, da sind sich die Partner einig, aber auch, dass solche Kontroversfragen nicht zwischen ihnen stehen müssen. Man will das gemeinsam tun, was für beide möglich ist – das gilt auch für den bevorstehenden Ökumenischen Kirchentag. Die Annäherung im praktischen Miteinander soll weiter verfolgt werden. Zum ökumenischen Dialog gibt es keine Alternative, davon zeigt sich Oberkirchenrat Martin überzeugt. Gerade gegenüber anderen Religionen gelte es ein gemeinsames ökumenisches – kein konfessionelles – Profil zu schärfen. Der Bamberger Erzbischof spricht von ökumenischer Spiritualität und äußert den Wunsch, „dass wir auf diesem Weg zur Einheit gelangen.“

Autor: Ulrike Pilz-Dertwinkel


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