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„Unsere Welt ist bunt“

Diskussion um den „Schwarzen König“ wird auch im Erzbistum Bamberg geführt

Bamberg – Im Ulmer Münster wird in diesem Jahr nicht wie üblich die Krippe mit den „Heiligen Drei Königen“ aufgestellt. Damit solle eine der Figuren, der schwarzhäutige König Melchior, aus einer möglichen Rassismusdebatte genommen werden, wie der Ulmer evangelische Dekan Ernst-Wilhelm Gohl sagte. Gohl unterstrich dabei, dass es bei der Krippenaufstellung nicht darum gehe, den schwarzen König zu unterschlagen. Infrage stehe vielmehr die Darstellung.
Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, betonte in einer Stellungnahme zur Diskussion um Darstellungen des Melchiors: „Wenn die Darstellung dieses Königs klischeehaft oder diskriminierend ist, sollte sie durch andere Darstellungen ersetzt werden, in denen dunkelhäutige Menschen sich wiedererkennen können.“ Aber Kopp betonte auch mit Nachdruck, dass eine Krippe ohne Melchior suggerieren würde, „dass Christus nur für weiße Menschen zur Welt gekommen ist. Das wäre grundlegend falsch und würde zurecht als rassistisch bezeichnet“.
Harry Luck als Pressesprecher des Erzbistums Bamberg kann dem nur zustimmen und ergänzt im Gespräch mit dem Heinrichsblatt: „Die Heiligen Drei Könige gelten traditionell als Vertreter der drei zur Zeit Jesu bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien.“ Wenn einer der Könige als Schwarzer dargestellt werde, sei dies ein Zeichen für die weltumfassende Kirche, für die Vielfalt des Glaubens und dafür, „dass Gott alle Menschen, egal welche Herkunft und Hautfarbe sie haben, einlädt“.
Die Diskussion um den schwarzen König hat den Bund der Katholischen Jugend im Erzbistum Bamberg zu einer Empfehlung für die nächste Sternsingeraktion veranlasst. So empfiehlt der BDKJ beim Sternsingen auf schwarz geschminkte Kinder zu verzichten. „Das könnte als rassistisch empfunden werden“, sagte BDKJ-Diözesanvorsitzende Eva Russwurm. „Es gibt gerade in den USA eine lange und unrühmliche Tradition des Blackfacing. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.
Der BDKJ stehe für eine offene und tolerante Gesellschaft, fügte sie hinzu. Der alte Brauch, Herkunft und Hautfarbe gleichzusetzen, passe nicht mehr in die Gegenwart. „Kinder und Jugendliche sollten als Sternsinger so gehen, wie sie sind. Das zeigt die Vielfalt in unserem Erzbistum“, sagte Russwurm. Die Verbandsvorsitzende schloss sich damit der Position des Kindermissionswerks „Die Sternsinger an. In der Debatte um offene und verdeckte Formen von Diskriminierung war zuletzt auch der Brauch des Dreikönigssingens in die Kritik geraten.
Kleine Umfrage
Deutliche Meinungen zu dem Thema haben auch Pfarrer Georg Schneider (Nürnberg) und Dekan André Hermany.
„Wer aus einem anderen Land stammt, spürt im Alltag der Stadt manchmal durch kleine Nadelstiche, dass nicht jeder ihn willkommen heißt“, erläutert Georg Schneider, Pfarrer der Nürnberger Gemeinden St. Stefan und St. Kunigund. Und vor einigen Jahrzehnten sei es sicher nicht besonders klug gewesen, beim Zeltlager am Lagerfeuer ‚Negeraufstand ist in Kuba‘ zu singen. Freilich sei es nicht darum gegangen, eine andere Rasse herabzusetzen, so der Geistliche: „Über das Klischeebild wurde einfach nicht weiter nachgedacht, von der Revolution in Kuba hatte keiner von uns eine Ahnung, hinter dem Lied stand einfach der Spaß an einer Gruselgeschichte – so ungefähr wie heute bei den Halloween-Bräuchen.“
Als Sternsinger sei er selbst über viele Jahre hinweg unterwegs gewesen, erinnert sich der aus Kronach stammende Geistliche. „An den Haustüren stellten wir uns vor: ,Ich bin der Weiße aus Europa. – Ich bin der Schwarze und komme aus Afrika. – Mein Weg ist sehr weit, ich komme aus Asiens Bergen.‘“ Dass mit Asiens Bergen der Himalaya gemeint war, sei ihm erst später aufgegangen, so Schneider. „Aber eines war uns Kindern damals völlig klar: Jesus ist für die Menschen aller Erdteile geboren worden, und so wie wir als Freunde in der Sternsinger-Gruppe einträchtig unterwegs sind, so gehören die Menschen aus allen Erdteilen zusammen. Der König mit dem schwarzen Gesicht ist kein Knecht Rupprecht oder so etwas Ähnliches, er wird auch nicht so dargestellt, sondern steht auf gleicher Stufe mit den anderen Königen. Das bedeute, dass die Bräuche bei der Sternsingeraktion Offenheit und Anerkennung für jeden Menschen ausdrückten, unabhängig von seiner Herkunft.
Als Student habe er einige Monate in einer Pfarrei in Südafrika verbracht, noch in der Zeit der Rassentrennung, fügt Schneider hinzu. Ein Pfarrer habe dort einmal in der Zeitung geschrieben, dass der traditionellen Überlieferung zufolge einer der Könige schwarz, einer weiß, einer aus Asien gewesen sei. „Und er erklärte: Die drei Könige sind also Zeichen dafür, dass alle Menschen in Gottes Augen gleich viel gelten.“ Das sei verkündet worden in einem Land, in dem damals jeder Pass einen Vermerk hatte, ob der Besitzer weiß, schwarz, Mischling oder Inder sei.
Eine deutliche Meinung vertritt auch Dekan André Hermany. Er schreibt: „Wenn wir könnten, wie wir wollten, würden wir uns in der Faschingszeit wieder maskieren. Oftmals geschieht dies auch mit anderen Farben auf der Haut. Chinese gelb, Indianer rot und schwarz für Schornsteinfeger oder Afrikaner. Was wir hier tun, ist alles andere als rassistisch. Es spiegelt unsere Wahrnehmung der verschiedenen Menschentypen wider.
Unsere Sternsinger sind seit Jahren unterwegs und sind niemals auf den „Schwarzen König“ (ist es Caspar oder Melchior oder Balthasar) angesprochen worden. Die meisten Menschen fanden ihn einfach nur „süß“ und denken mitnichten an irgendeinen Rassismus. Die damalig bekannte Welt des Mittelalters hatte eben die verschiedenen Hautfarben von Menschen in Europa, Asien und Afrika im Blick. Da war von Abwertung oder Verachtung keinerlei Rede.
Ich persönlich finde die ganze Debatte um das sogenannte „Blackfacing“ für sehr überzogen. Wir leben nun einmal auf einem Planeten mit verschiedenen Menschen und damit verschiedenen Hautfarben. Wir selber haben die unsrige ja auch nicht ausgesucht. Sollen also die Sternsinger, wenn sie denn dürfen und können, wieder ihre Runden ziehen und die Friedensbotschaft in die Häuser tragen. Außerdem freut es mich immer wieder, wenn die kleinen Diskussionen unter den Sternsingern anfängt, wer denn jetzt endlich mal den „Schwarzen“ verkörpern darf. Denn der, oder die, bekommt sowieso immer das meiste besondere Trinkgeld!
Unsere Welt ist bunt! Gott sei Dank!“

Was halten Sie von der Diskussion um den schwarzen König?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an huberth@heinrichs-verlag.de oder per Post an Redaktion Heinrichsblatt, Heinrichsdamm 32, 96047 Bamberg.

Autor: ku / buc / epd


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