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„Sind wir Christen nicht alle Träumer?“

Subregens Stefan Fleischmann Festprediger beim Bergfest am 1. Mai im Schönstattzentrum Marienberg


Foto: Andreas Kuschbert

Dörrnwasserlos – Mehrere hundert Gläubige aus dem ganzen Erzbistum Bamberg und auch aus dem benachbarten Bistum Würzburg waren – trotz kühler Witterung – am 1. Mai wieder ins Schönstattzentrum Marienberg nach Dörrnwasserlos gekommen, um gemeinsam den Gottesdienst zum Fest der Patrona Bavariae zu feiern. Seit 22 Jahren findet das Bergfest inzwischen statt, und zum ersten Mal war Subregens Stefan Fleischmann als Festprediger „auf den Berg“ gekommen.
Schönstatt-Präses Regionaldekan Martin Emge wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass bereits die Trappisten während ihrer Zeit im Erzbistum Bamberg das ehemalige militärisch genutzte Gelände unter den Schutz Mariens gestellt und ihm den Namen „Marienberg“ gegeben hatten. „Maria macht auch heute ihren Schutzmantel breit und viele finden darunter Schutz“, konstatierte Emge.
Gerade in der heutigen Zeit, in der es in der Kirche an vielen Stellen brenne und es zahlreiche Probleme gebe, sei der Schutz Mariens wichtiger denn je, betonte der Forchheimer Regionaldekan. Und so sei es nach Martin Emges Worten nur konsequent, auch bei der Errichtung der neuen Seelsorgebereiche, die jetzt mit Geist und Leben gefüllt werden müssen, Maria um ihren Beistand zu bitten. „Wer könnte das besser als Maria? Sie soll unseren Entwicklungsprozess beschützen.“
Angesichts der Bilder der Feuerkatastrophe von Notre Dame in Paris stellte Subregens Stefan Fleischmann das Bild der brennenden Kirche an den Anfang seiner Festpredigt. Angesichts der Zerstörung und trotz des immensen Spendenaufkommens habe noch keiner so richtig an den Wiederaufbau geglaubt. Ungläubig sei nach Fleischmanns Worten auch Maria gewesen, als der Engel ihr die Botschaft brachte, dass sie Mutter werde. „Wie soll das geschehen?“ habe sie den Engel gefragt. Stefan Fleischmann: „Maria leiht jenen Menschen ihre Stimme, die eine Botschaft, ein Auftrag oder ein plötzlich eintretendes Ereignis erst einmal völlig überfordern.“ Und der Subregens stellte die Frage, wie die Nachfrage Mariens zu verstehen sei – als ein Einwand aus Unglauben oder Zweifel, als eine Bitte um nähere Erläuterung, als Nachfrage um weitere Entfaltung der geheimnisvollen Pläne Gottes?
Maria habe sich nicht in ein Schneckenhaus zurückgezogen oder das Geschehen mit übertriebener Leichtigkeit überspielt. „Das ist Stärke“, so der Festprediger. „Das zeugt von großer Bodenhaftung, diesen Fragen nicht auszuweichen oder gar zu überspielen, sondern sich tiefer führen zu lassen an das wahre Leben in Fülle, das Gott verheißt.“
In seiner Predigt führte der Bamberger Subregens aus, dass Maria ihm, der aus der Oberen Pfarre in Bamberg stammt, in all den Jahren ein Vorbild und eine Schwester im Glauben geworden sei, „auch im Sinne einer guten Zuhörerin, Ratgeberin und Fürsprecherin“. Für ihn sei „seine“ Pfarrkirche ein wichtiger Ort, „denn dort besuche ich Maria. Ich schaue bei ihr vorbei mit meinen Fragen und Anfragen“.
Obere Pfarre, Marienberg – solche geistlichen Orte tun nach Stefan Fleischmanns Worten den Menschen gut, seien sie doch Rastplätze und Tankstellen auf dem Lebens- und Glaubensweg. „Und heute am 1. Mai stellen wir uns mit Maria den Fragen des Lebens und unserer Welt.“
„Wie soll das geschehen?“ – diese Frage Mariens könne man sich auch angesichts der täglichen Herausforderungen in Europa stellen, um Ängste zu überwinden, Vertrauen zu stärken „und Europa wieder neuen und frischen Lebensatem zu schenken, damit die Herausforderungen für alle gut gemeistert werden können“. Vielleicht könne so Europa ein „Europa des Geistes und des Herzens“ werden. „Oder bin ich da ein Träumer“, fragte Fleischmann die Gläubigen.
Aber sei nicht auch Maria eine Träumerin gewesen, „sind wir Christen nicht alle Träumer, die das Unmögliche für möglich halten? Solche, die auf eine Macht bauen, die mehr vermag, als Menschen zustande bringen? Solche, die an das Gute glauben und selbst Hand anlegen?“
Maria, die an vielen Orten Europas besonders verehrt werde, und das gemeinsame Gebet an diesen Orten, können laut Fleischmann zu einem geistlichen Band werden, das die Völker Europas miteinander verbinde und eine.

Autor: Andreas Kuschbert


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