Heinrichsblatt

Alle Nachrichten

Wissen: hier ist mein Kind gut aufgehoben

DJK-Diözesanverband stellt institutionelles Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt vor


Foto: Brigitte Pich

Wimmelbach – Es war ein schwieriges Thema. Unter dem Titel „... nicht in UNSEREM Verein!“ hatte der DJK-Diözesanverband ins Sportheim Wimmelbach eingeladen, um sein „Schutzkonzept zur Prävention von sexualisierter Gewalt“ in Sportvereinen vorzustellen. „Wir müssen optimistisch an das Thema rangehen“, betonte dann auch Monika Rudolf, Präventionsbeauftragte der Erzdiözese Bamberg. „Schließlich wollen die Trainer ja die Kinder stärken“. Und es ist auch gute Werbung für jeden Verein, wenn Eltern wissen: Hier ist mein Kind gut aufgehoben.
Ziel des Konzeptes ist es in erster Linie, eine Atmosphäre der Achtsamkeit zu schaffen. Eine Atmosphäre des Hinsehens, die Täter abschreckt. Es soll nicht Angst machen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, sondern Mut machen, vorhandene Fragen offen zu diskutieren. Wohlwissend, dass es nicht für jede Frage, für jedes Problem eine Lösung gibt. Das Schutzkonzept soll  laut Herbert Schröder, geschäftsführender Bildungsreferent im DJK-Diözesanverband Bamberg, keine Vorschriften liefern, sondern eine Arbeitsvorlage sein.
Neben den Bausteinen für die Prävention als Schwerpunkt zeigt das Schutzkonzept auch Schritte der Intervention im Verdachtsfall. Check-Listen, Notfallnummern und Hinweise auf weiterführendes Material hat das 42-seitige Schutzkonzept den Sportvereinen ebenfalls zu bieten.
Zu den Bausteinen der Prävention gehören zum Beispiel Schulungen, die Ernennung  von Vertrauenspersonen, Verhaltensregeln oder eine Gefährdungsanalyse. Sie kann unter Einbezug der Eltern zum Beispiel aufzeigen, wo es möglichen Tätern leicht gemacht wird, mit Kindern alleine zu sein.
Eine Selbstverpflichtung, bei der sich etwa Jugendtrainer bereiterklären die Rechte der Kinder zu schützen, kann Missbrauch zwar nicht verhindern. Aber sie zeige: in diesem Verein achten wir aufeinander. „Das schreckt Täter ab“. Das gelte auch, wenn  gleich bei der Personalauswahl auf das Schutzkonzept eingegangen werde. Sinnvoll sei es festzulegen, für welche Aufgaben Personen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen sollten.
Beschwerdeweg benennen
Gebe es doch mal einen Verdachtsfall, solle laut Schutzkonzept ein vorher erarbeiteter Beschwerdeweg helfen und ein Notfallplan greifen. „Die Kinder müssen wissen, an  wen sie sich wenden können“, betont Schröder.
Auch die Frage, wie der Verein im Verdachts- oder Missbrauchsfall mit der Öffentlichkeit umgeht und wie der Fall aufgearbeitet werden kann, greift das Schutzkonzept auf.  
Welche Anzeichen auf einen Missbrauch hinweisen könnten zeigte Referentin Rosi Ringer, Beraterin bei der Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt „Wildwasser“ Nürnberg auf. Sie hatte zuvor grundsätzlich über das Thema sexualisierte Gewalt bei Kindern informiert. Darüber etwa, dass vor allem Kinder im Alter zwischen vier und 12 Jahren betroffen sind. In diesem Alter können sie das Geschehene noch nicht richtig einordnen und anderen Erwachsenen gegenüber ansprechen.
Für die Kinder sei es vor allem schwer einzuordnen, da sich der Missbrauch schleichend vollziehe, die Berührungen und Grenzüberschreitungen Stück für Stück mehr würden. Stück für Stück schleiche sich der Täter in das Vertrauen der Kinder. „Deshalb genüge es keinesfalls, Kurse anzubieten, in denen Kinder lernen, Nein zu sagen“, machte Rosi Ringer deutlich.
Der Täter sei meist hoch manipulativ – nicht nur dem Kind gegenüber, das er unter Druck zu setzten verstehe. Auch die Personen im Umfeld würden geschickt getäuscht und beeinflusst.
Nur die wenigsten Täter seien pädophil. Die meisten lebten in nach außen unauffälligen Beziehungen. Ein Viertel der Täter sei minderjährig. Auch diese Tatsachen machten es schwierig, Missbrauch zu erkennen.
Im Schnitt muss ein Kind sieben mal ein Signal auf einen Missbrauch geben, bis eine Reaktion kommt, so die Referentin. „Ein Kind sagt nicht direkt, was war, sondern gibt einen Hinweis, der leicht untergehen kann“.
Bestehe ein Vermutung, sei es wichtig, behutsam auf das Kind zuzugehen und nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Mehr als sonst brauche ein Kind in solch einer Situation Verständnis, Wertschätzung, Sicherheit, Unterstützung und klare Grenzen.
Umsetzung in der Praxis
Im dritten Teil der DJK-Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer über den Umgang mit dem unangenehmen Thema im Verein vor Ort. Dabei wurde unter anderem angesprochen, dass es insgesamt zu wenig ehrenamtliches Engagement in den Vereinen gibt. Dadurch entsteht die Situation, dass Vieles, was auf den ersten Blick nicht absolut dringend erscheint  nur sehr verzögert angegangen wird. Wenn überhaupt. Auf diesem Hintergrund entstand die Befürchtung, dass das DJK-Schutzkonzept auf die Vereinsverantwortlichen zu  groß und sperrig wirken könnte.
So gab es zwei Ideen für die Weiterarbeit: Zum einen soll bei Vereinsbesuchen der Diözesanvorstandschaft das Thema in die Vereine getragen werden. Mit kleinen Bestandteilen, die nahe an der jeweiligen Vereinspraxis sind, soll angefangen werden. Als Beispiele wurden die Themen Körperhygiene und Fahrdienste besprochen.
So könnte etwa die Frage im Verein diskutiert werden, ob es sich vermeiden lässt, dass der Trainer, beziehungsweise Fahrer mit einem Kind alleine unterwegs ist, wenn er nach und nach eine Gruppe nach Hause fährt.  
Darüber hinaus bietet der DJK-Diözesanverband seinen Vereinen an, sie beim Erstellen einer Gefährdungsanalyse  auch  personell durch die Fachstellen des Erzbischöflichen Ordinariats zu unterstützen. 

INFO
www.djk-dv-bamberg.de
Koordinierungsstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt in der Diözese: www.praevention.erzbistum-
bamberg.de

Autor: Brigitte Pich


Zurück

Aktuelle Downloads

Pfarrbriefvorlagen zum Herunterladen

Anzeigen

Märkteverzeichnis zum Herunterladen

Anzeigen

Begegnung mit Erzbischof Ludwig

22.06Firmung
23.06Firmung
23.06Firmung
24.06Firmung

Alle Termine anzeigen

Patenschafts-Abonnement

Unterstützen Sie mit einer Abonnement-Patenschaft bedürftige Mitmenschen...

mehr erfahren

Heinrichsblatt-Probeabonnement