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Wegweiser wahrnehmen

Das Dreikönigslied „Seht den Stern, den wir euch bringen“ von Peter Gerloff und Ludger Stühlmeyer

Bamberg – Heute weiß kaum noch jemand wo es langgeht. Schon bei der Frage, wo denn das Ziel liegt, auf welcher Route man es erreichen kann und „ob wir das schaffen“, scheiden sich die
Geister. Unter solchen Umständen erscheint es geradezu gefährlich waghalsig, dass drei Männer aus dem fernen Orient sich vor mehr als 2000 Jahren aufgemacht haben, um einem Stern zu folgen. Die drei hatten weder ein Navigationsgerät noch eine Reiserücktrittsversicherung oder aktuelle Facebookposts, die sie über die Zustände an ihrem Zielort auf dem Laufenden hielten. Dennoch waren sie felsenfest davon überzeugt, dass der Wegweiser, den sie wahrnahmen keine optische Täuschung war und dass sie am Ende ihres langen Weges wirklich etwas vorfinden würden.
Wir wissen nicht genau ob es Magier, Weise oder Potentaten waren, die der heißen Spur folgten, an dessen vorläufigen Ende sie zunächst einem König mit kalten Füßen und zweifelhafter Gesinnung begegneten, bevor sie den wahren Herrscher der Welt unter ganz und gar besonderen und für einen König völlig untypischen Umständen fanden.
Sinnsuche mit Forschung zu verbinden, wie Peter Gerloff es in der ersten Strophe seines Dreikönigstextes beschreibt und vom Glanz der Heiligen Nacht zu singen, wie es mit der die Suchbewegung, das innere Sehnen, das Fragen und Staunen nachzeichnenden Melodie von Ludger Stühlmeyer gelingt, ist ungewöhnlich. Die meisten betreiben entweder das eine oder das andere und bleiben deshalb mitunter trotz heißen Kopfes leeren Herzens zurück oder erweisen sich zwar als enorm begeisterungsfähig, aber so völlig ohne Sachkenntnis, dass ihr inneres Feuer nutzlos verglüht.
Die drei Männer, die das Dreikönigslied für große und kleine Nachfolger der Weisen vorstellt, sind ganz klar Sinnsucher. Sie folgen einem Licht, das zugleich in ihnen lebendig, als auch vor ihren Augen Orientierung gebende Wirklichkeit war. Dem Stern unter widrigen Umständen zu folgen – Stürme, Räuber und Hyänen, Durst und Hunger, wie Gerloff schreibt, setzt ein Sehnen voraus, das wirklich im Kern der Persönlichkeit verwurzelt ist. Stühlmeyer setzt den Sinngehalt des Textes kongenial um, indem er ruhige Bewegtheit des Rhythmus mit sukzessiver Steigerung der Tonhöhe und deren Rückkehr in die Ausgangslage verbindet. Hier geht es nicht um ein textlich-musikalisches Strohfeuer, das schnell begeistert und ebenso schnell wieder vergessen ist, sondern um die wache Aufmerksamkeit für das im allzu hellen Licht des Alltagstrubels schnell übersehene stille Leuchten eines einzelnen Sterns.
Bezeichnend, dass König Herodes durch das beharrliche Nachforschen der fremden Weisen beunruhigt war und als erstes um den Verlust seiner eigenen Macht fürchtete. Was er nicht sah, war der Stern, der den Weisen erneut erschien und was ihm versagt blieb, war die Erfahrung des Beschenkt-werdens, die denen zuteilwurde, die der Armut des Kindes im Stall ihre Gaben darbrachten. Ludger Stühlmeyer vertont die Strophenenden in einem nachdenklichen Duktus, der den Sinngehalt des Textes von Peter Gerloff verinnerlichen hilft. Dieser Prozess kann nur dann als geglückt gelten, wenn das Erleben des Erlösungsgeschehens im eigenen Leben sichtbar wird.
Gerloff verweist im Text seiner vierten Liedstrophe auf die Seligpreisungen. Diejenigen, die sich heute überall dort wo sie leben um Frieden und die Bewahrung der Schöpfung bemühen, reinen Herzens und voll Erbarmen, die den Versuch wagen, ihr eigenes Kreuz zu tragen und womöglich bereit sind, anderen beim Tragen ihres Kreuzes zu helfen und darauf bestehen, dass es sich immer lohnt, die Hoffnung nicht zu verlieren, leuchtet ein Stück der Wirklichkeit auf, die die drei Weisen im Stall von Bethlehem erlebt haben. Sich am Stern zu orientieren, wie die heiligen drei Könige, bedeutet, die Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus von Haus zu Haus zu tragen. Nicht irgendwo ganz woanders, sondern gerade dort, wo wir zuhause sind. Und ja, es bedeutet, dass wir es schaffen können, Menschen, die wie Jesus auf der Flucht vor bösartigen und brutalen Herrschen sind, die um ihr Leben laufen mussten, eine Heimat zu bieten, indem wir ein wenig von dem vielen abgeben, das uns in diesem absehbar endlichen Leben zur Nutzung geliehen wurde.
Beide, Textdichter und Komponist, bereichern seit vielen Jahren die Szene der Kirchen- und Kinderlieder sowie der Neuen Geistlichen Lieder. Gerloffs Texte entstehen oft anlassbezogen, wenn zum Beispiel eine neugegründete Großgemeinde einen neuen Patron bekommt, in der Kinderkatechese ein zündendes Lied zum Thema fehlt oder einfach eine gute Idee ans Licht kommen will. Von Peter Gerloff finden sich die Texte zu den Liedern „Dieser Tag ist Christus eigen“ Nr. 103, „Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit“ Nr. 325, „Herr, nimm auch uns zum Tabor mit“ Nr. 363, „Volk Gottes, zünde Lichter an“ Nr. 374, „Vater im Himmel, höre unser Klagen“ Nr. 504, und „Ein Bote kommt, der Heil verheißt“ Nr. 528 im Stammteil des neuen Gotteslobs.

Autor: Maria Palmer


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Sternsingerlied

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