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Weiter hoher Bedarf an Telefonseelsorge

Berlin (KNA) - Das Angebot müsste ausgebaut werden: Zu diesem Schluss kommt die Geschäftsführerin der TelefonSeelsorge Deutschland, Lydia Seifert. Der Bedarf an Beratung bleibt hoch, wie aus der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Jahresstatistik hervorgeht. Die Nummer der TelefonSeelsorge werde immer häufiger gewählt, weshalb es zu bestimmten Zeiten mehrere Versuche brauche, bis Ratsuchende jemanden erreichen.
Laut Statistik wurden 2022 insgesamt 1,01 Millionen Seelsorge- und Beratungsgespräche geführt; es gab 41.556 Mailwechsel und 31.997 Chats. Insbesondere die Zahl der Kontakte per Mail und Chat sei seit 2020, also seit dem Beginn der Corona-Pandemie, kontinuierlich gestiegen: Bei Mails sei ein Plus von rund 25 Prozent zu verzeichnen, bei Chats von etwa 66 Prozent.
Die hohe Frequenz an Gesprächen zeige, „wie groß der gesellschaftliche Bedarf an niedrigschwelligen Angeboten bei Krisen und in schwierigen Lebenssituationen ist“, sagte Helmut Ellensohn, der seit Frühjahr 2023 Vorsitzender von katholischer Seite des Dachverbandes TelefonSeelsorge Deutschland ist. Dass sich das Angebot nicht unmittelbar entscheidend erweitern lasse, „macht uns natürlich Sorgen“.
Erreichbar zu sein, brauche Ressourcen, Zeit und Kapazitäten, betonte Seifert. „Diese sind bisher kirchlich wie gesellschaftlich nicht eingeplant.“ Die TelefonSeelsorge wird finanziell größtenteils von den beiden großen Kirchen und deren Wohlfahrtsverbänden getragen.
Einsamkeit bleibt den Angaben zufolge das Thema, das bei den Telefonaten am häufigsten zur Sprache kommt: Seit der Corona-Pandemie werde sie in jedem vierten Gespräch thematisiert. Bei Mails und Chats seien Depressionen und Ängste die häufigsten Themen.
Suizidalität wurde in rund 90.000 Anrufen benannt, wie es hieß; das entspricht etwa acht Prozent der Telefonate. Bei Mails wurde sie in fast 40 Prozent der Kontakte thematisiert (über 16.000 Mailwechsel), im Chat bei über 27 Prozent (über 8.600 Chats).
Die TelefonSeelsorge ist nach eigenen Angaben in 104 Städten oder Regionen deutschlandweit tätig. Ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende stehen ganzjährig rund um die Uhr am Telefon zur Verfügung. An insgesamt 25 Standorten gibt es auch Beratung vor Ort. Die kostenlose App „KrisenKompass“ bietet Hilfe zur Selbsthilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.