Heinrichsblatt

Kirche und Welt

Immer noch Fassungslosigkeit bei vielen Christen

Requiem für Erzbischof Luigi Padovese in Stegaurach / Über 500 Gläubige erwiesen ihm die letzte Ehre

Viele Menschen in Stegaurach und Umgebung können es immer noch nicht glauben: Bischof Luigi Padovese, Apostolischer Vikar von Anatolien und Vorsitzender der Türkischen Bischofskonferenz, ist tot. Am Sonntag nach Pfingsten hatte er noch Gottesdienst mit der Gemeinde in Stegaurach gefeiert. Wenige Tage später wurde er ermordet.

Bei dem Requiem in der Pfarrkirche knapp eine Woche nach seinem gewaltsamen Tod nahmen über 500 Gläubige Abschied von Padovese. Er kam seit mehr als 35 Jahren immer wieder nach Stegaurach, um dort mit der Gemeinde Gottesdienste zu feiern, wenn der Ortspfarrer Erholung benötigte. Vielen jungen Menschen spendete er das Sakrament der Firmung. Für Padovese war die Gemeinde vor den Toren Bambergs seine zweite Heimat.

Schon eine halbe Stunde vor dem Beginn des Gottesdienstes war in der Pfarrkirche kaum ein Sitzplatz mehr zu bekommen. Die Gläubigen beteten den Rosenkranz für ihren Luigi Padovese. Die gelb-weißen Kirchenfahnen waren gehisst, doch der Trauerflor daran machte deutlich, dass kein Grund zum Feiern besteht. Unter dem Kreuz im Altarraum war ein Foto vom Verstorbenen angebracht. Vielen Christen im Aurachtal und auch darüber hinaus war es ein persönliches Anliegen, Padovese eine letzte Ehre zu erweisen.

Auch Erzbischof Ludwig Schick nahm sich die Zeit, um für seinen bischöflichen Freund zu beten. Erst eine Woche vor der grausamen Tat im türkischen Iskenderun, bei der Padovese ums Leben kam, habe er mit ihm einen langen Spaziergang um Stegaurach gemacht. „Heute kommen mir manche seiner Worte wie ein Testament vor“, sagte ein sichtlich bewegter Erzbischof in der Predigt. „Wir alle waren schockiert und wollten es nicht glauben, als uns am Fronleichnamstag die Nachricht vom grausamen, unverständlichen und erschütternden Mord erreichte.“

Padovese sei ein Mensch gewesen, der auf Frieden bedacht war, der integrieren wollte, unabhängig von Rasse, Hautfarbe und Religion. „Er soll tot sein, nie wieder zu uns kommen, nie wieder mit uns reden, lachen und singen?“, stellte Schick die unfassbare Frage in den Raum. „Jeder von uns hat sich seit dem Donnerstag langsam und schmerzlich an diesen Gedanken gewöhnen müssen.“ Gleichwohl suchte Schick tröstende Worte für die Gemeinde: „Die Erinnerung an das Gute und Schöne, dass wir Luigi Padovese erleben durften, dass wir von ihm erfahren haben, ist wichtig. Die guten Gespräche und Begegnungen, hier in Deutschland, in Rom und in der Türkei – erinnern wir uns daran.“

Viele Christen in Stegaurach und Umgebung begeisterte Padovese mit seinem Charisma. Ganz egal, ob Alt oder Jung, ob Mann oder Frau, Padovese hatte ein Gespür für die Menschen. „Er hatte einfach eine Ausstrahlung, er war glücklich, er war wirklich froh, ein Christ zu sein“, sagte eine Frau aus der Pfarrei über den Verstorbenen. „Es waren immer Festgottesdienste, auch wenn es nur ein normaler Sonntag war.“

Bürgermeister Siegfried Stengel, der Padovese vor einigen Jahren die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde verlieh, beschrieb den getöteten Bischof als einen völlig unkomplizierten Menschen. „Der Luigi, das war die Sonne. Wenn der Luigi kam, dann ging die Sonne draußen und in den Herzen auf. Der Luigi war Toleranz, der Luigi war die Liebe. Wenn er gesungen hat, das kann man nicht beschreiben.“

In der Pfarrkirche hätte man eine Stecknadel fallen hören, als nach der Predigt von Erzbischof Schick und nach der Kommunionspendung zwei Lieder mit dem Sänger Luigi Padovese von CD eingespielt wurden. „Es war angemessen seine Stimme noch einmal zu hören“, sagte Pfarrer Walter Ries. In den Fürbitten wurden die Anliegen Padoveses zum Ausdruck gebracht.

Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Andreas Schreiber betete besonders für die Muslime in der Türkei und für die Überwindung von Hass und Toleranz. Auch auf dem Sterbebild von Padovese wurde dieser Wunsch mit einem Zitat des ermordeten Erzbischofs noch einmal besonders bekräftigt: „Unser Weg ist Alternativen aufzubauen, die ein friedliches Miteinander unter den Religionen ermöglichen.“

2004 wurde Padovese von Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Vikar für Anatolien mit Sitz in Iskederun ernannt. Seine Diözese habe den Süden und Osten der Türkei umfasst und sei größer gewesen als das Gebiet Deutschlands, erläutert Pfarrer Ries. Auf diesem Gebiet leben rund 5000 Katholiken. „Es gab also keine geschlossene Gemeinde, sondern immer nur einzelne Familien, die er besuchte. Sein Anliegen war es, die Menschen im Glauben zu stärken.“

Diese Botschaft und seine Herzlichkeit kamen auch bei den Menschen im Aurachtal an. Umso größer war nun die Trauer über den plötzlichen Tod des beliebten Seelsorgers. Viele Gruppen, darunter der Kirchenchor und eine Blaskapelle beteiligten sich an der festlichen Gestaltung des Requiems. Die örtlichen Vereine waren mit ihren Fahnenabordnungen vertreten, rund 20 Jungen und Mädchen ministrierten.

Viele Gläubige ließen beim Schlusslied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ ihren Tränen freien Lauf. „Ich kann es bis heute noch gar nicht begreifen. Wir können nur die guten Erinnerungen behalten, die wir an Luigi haben“, sagte ein Mann nach dem Gottesdienst.

Autor: Christoph Gahlau


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