Heinrichsblatt

Kirche und Welt

Die verborgene Armut wahrnehmen und helfen

Erste Bilanz: Vor einem halben Jahr übernahm Monsignore Edgar Hagel den Vorsitz des Diözesan-Caritasverbandes

Die Not zu sehen, das habe ich hier neu gelernt“. Das Caritas-Motto Not sehen und Not lindern, hat für Monsignore Edgar Hagel eine neue Dimension erhalten, seit er im Oktober im vergangenen Jahr den Vorsitz des Diözesanverbandes übernommen hat. „Vorher habe ich die Caritas ja vor allem aus der Perspektive der Schule wahrgenommenen“, sagt der ehemalige Direktor des Bamberger Maria-Ward-Gymnasiums. Ob das nun Caritas-Sammlungen waren, an denen sich Schülerinnen beteiligt hatten, oder die Carithek, die von den Mädchen gerne genutzt wurde, um eine Einrichtung für ihr soziales, freiwilliges Engagement zu finden.

„Der Wechsel von der Schule zum Vorsitzenden des Diözesan-Caritasverbandes hat eine ganz andere Sicht von einem neuen Standpunkt aus gebracht“, erklärt Hagel. Beim Besuch vieler Einrichtungen und Kreiscaritasverbände im ganzen Erzbistum sei er vor allem auch auf verborgene Not gestoßen. „Es gibt eine Zunahme der Not in der Gesellschaft, die nach außen wenig sichtbar ist“, erklärt er und fügt hinzu: „Viele trauen sich gar nicht, etwas zu sagen“. Ob Hartz IV-Empfänger oder Kinderarmut. Für den Vorsitzenden ist deshalb klar: „Es gibt viel verborgene Not, die die Caritas sehen muss – und für die sie da sein will.

Faszinierend

Auf einer „Rundreise“ durch die Erzdiözese zusammen mit Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein habe er einen guten Einblick in die Arbeit des Wohlfahrtsverbandes erhalten. Begeistert habe ihn zum Beispiel die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Pettstadt. „Ich war fasziniert vom Engagement und der Geduld des pädagogischen Teams“, betont Hagel. Doch auch andere Einrichtungen hätten ihn immer wieder „fasziniert“. Vor allem die Professionalität, mit der die Mitarbeiter an ihre Aufgaben herangehen.

Ob im Heilpädagogischen Zentrum in Lichtenfels – „Es ist toll, welche Fortschritte möglich sind, wenn frühzeitig eine Förderung und Betreuung einsetzt“. Oder in Seniorenheimen. Hier sei es vor allem das Konzept der Wohngemeinschaften, das die alten Menschen mit ihren noch vorhandenen Fähigkeiten einbindet.

Die Kommunikation werde gefördert und die Bewohner würden Verantwortung füreinander übernehmen. „Das Konzept ist so angelegt, dass es gar nicht ohne Kommunikation geht – und trotzdem hat jeder die Möglichkeit, sich zurückzuziehen“, so Hagel. „Das stellt natürlich höhere Anforderungen an die Mitarbeiter“, weiß der Vorsitzende. „Das Pflegepersonal muss quasi alles können“.

Und dennoch. Der Wechsel fiel anfangs nicht leicht. „Ich habe sehr gerne unterrichtet“, gesteht Edgar Hagel und fügt hinzu: „Das fehlt mir, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten.“ Doch als der Erzbischof auf ihn zugekommen war und ihn bat, die Aufgabe zu übernehmen, die Weihbischof Werner Radspieler aus Altersgründen nicht weiterführte, habe er natürlich zugesagt.

„Die vertrauensvolle Atmosphäre hier im Haus ist ein Ausgleich“. Die Professionalität mache die Arbeit leicht und angenehm. Hilfreich sei hierbei unter anderem die Kompetenz und 30-jährige Erfahrung des Caritas-Direktors. Öhlein habe einen guten Überblick bis hinein in die Politik. Und dies sei wichtig, nicht nur wenn es um Zuschüsse für die Caritas-Arbeit geht. „Wir müssen immer wieder die Politiker aufmerksam machen und auf Missstände hinweisen“.

Innovativ

Auch wenn es um die Umsetzung neuer, innovativer Konzepte gehe, komme die Caritas nicht an der Politik vorbei. Bei der Umsetzung etwa des Konzeptes für Wohngemeinschaften in Seniorenheimen habe es gerade auf kommunaler Ebene große Widerstände gegeben. „Da musste erst einmal Überzeugungsarbeit geleistet werden“. Traurig mache Hagel, dass die Carithek in Bamberg von der Kommune wenig unterstützt werde. Obwohl sie mehrfach ausgezeichnet ist und vor allem für junge Menschen interessant ist.

Neben seiner Mitarbeit im Vorstand, der sich aus vier gewählten Mitgliedern, dem Geschäftsführer und ihm als Vorsitzenden zusammensetzt, liege der Schwerpunkt seiner Arbeit im spirituell, religiösen Bereich. So biete er Gottesdienste an, beispielsweise in der Zentrale jeden Monat, bei Jubiläen, bei Einrichtungseröffnungen oder zur Eröffnung der Caritas-Sammlung. Ein Angebot, in dem Hagel seine Aufgabe sieht, sind Einkehr- und Besinnungstage für Mitarbeiter auf Diözesan- und Kreiscaritas-Ebene. Ein Anliegen, das der Caritas-Vorsitzende ausbauen möchte, damit die Mitarbeiter spüren, aus welchem Geist heraus sie ihre Arbeit machen.

Auch in die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern in der Hospizarbeit wolle sich Hagel einbringen. Gerade hier gehe es um ethische Fragen. „Wie gehe ich mit Lebensverlängerung um, mit Leidensverlängerung?“ Wie können die Mitarbeiter damit umgehen, wenn Arzt und Pflegepersonal unterschiedliche Ansichten haben. „In den Heimen gibt es da immer wieder Probleme“ weiß der Geistliche.

Überregional

Ein weiterer Arbeitsbereich Hagels ist die Mitarbeit in Arbeitskreisen auf Diözesan- und überregionaler Ebene. „Da geht es vor allem um die Frage: Wie kann sich Caritas in die pastoralen Strukturen einbinden“, erklärt der Vorsitzende. „Eine Frage, die mit zunehmender Bedeutung der Seelsorgebereiche wichtiger wird.“ Zwar seien die Caritasverbände gut in den Pfarreien organisiert, doch soll dies stärker auf die Seelsorgsbereiche ausgeweitet werden. Neue Strukturen der Gemeinden erforderten neue Strukturen der Caritasarbeit. Hier sieht Hagel einen künftigen Schwerpunkt.

Dies gelte auch für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Diakonie und Caritas. „Es macht keinen Sinn, sich Konkurrenz zu schaffen“. Auch im Blick darauf, dass kirchliche Träger ihre Mitarbeiter besser bezahlten als private Anbieter, etwa von Altenheimen oder ambulanter Krankenpflege.

Wünschen würde sich der Geistliche weniger Bürokratie. Vor allem in den Seniorenheimen „Es ist ja unmenschlich, was da alles im Detail aufgeschrieben werden muss“, bedauert Hagel. „Ich wäre dankbar, wenn mehr Zeit für die Menschen bleiben würde.“ Aber da geht es dann wieder um den Einfluss der Politik.

Autor: Brigitte Pich


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