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Dank für Orientierung und Ermunterung

Stellungnahme von Erzbischof Schick zum Schreiben von Papst Franziskus an die deutschen Katholiken

Vatikanstadt / Bamberg – Papst Franziskus hat in einem Brief an die deutschen Katholiken auf die kirchliche Reformdebatte in Deutschland reagiert. In dem am Samstag veröffentlichten Schreiben „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ermutigt Franziskus zum geplanten „synodalen Weg“ bei der Erneuerung der Ortskirche, die sich nach Missbrauchskandalen mit einem erheblichen Vertrauensverlust konfrontiert sieht. Zugleich ruft der Papst zu einer Evangelisierung auf. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßten das Schreiben als „Zeichen der Wertschätzung des kirchlichen Lebens in unserem Land“.
Auch Erzbischof Ludwig Schick hat in einer Stellungnahme auf das päpstliche Schreiben reagiert. So heißt es in seiner Stellungnahme vom vergangenen Wochenende:
„Über das Schreiben von Papst Franziskus ,An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland‘ bin ich sehr froh und dankbar. Der unmittelbare Anlass ist zwar der ,Synodale Weg‘, den die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken beschlossen hat. Das eigentliche Anliegen des Papstes ist es aber, dieses Unternehmen sowie alle Initiativen und Aktivitäten der Kirche in Deutschland auf das Hauptziel der Kirche auszurichten: Die Evangelisierung. Als Verantwortlicher in der Bischofskonferenz für Weltkirche und Mission freut mich das sehr. Denn es gilt für die Kirche insgesamt und für die Kirche in Deutschland: Entweder missionieren oder demissionieren.
Der Papst lobt die katholischen Gemeinden in Deutschland für ihr Engagement. Er schreibt: ,Die katholischen Gemeinden in Deutschland in ihrer Diversität und Pluralität sind weltweit anerkannt für ihr Mitverantwortungsbewusstsein und ihre Großzügigkeit, die es verstanden hat, die Hand auszustrecken und die Umsetzung von Evangelisierungsprozessen in Regionen in benachteiligten Gegenden mit fehlenden Möglichkeiten zu erreichen und zu begleiten.‘ Damit nennt er indirekt die Missionswerke missio und die Solidarwerke Adveniat, Renovabis und Misereor sowie die deutschen Bistümer und Orden. Diesen guten Ruf dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.
Franziskus ruft uns auch angesichts der derzeitigen kirchlichen Situation in Deutschland auf, die Evangelisierung bei uns selbst neu in den Blick zu nehmen. Das Evangelium ist frohe Botschaft. Jeder Getaufte soll selbst eine Mission sein: ,Sei eine Mission‘, trägt er jedem Getauften auf.
Den Priestern und allen Hauptamtlichen in der Seelsorge rät er, nahe bei den Menschen zu sein, ihnen Wege zum Evangelium zu zeigen und daraus selbst Freude im pastoralen Dienst zu finden. Er mahnt uns auch eindringlich, die Einbettung in die Weltkirche nicht aufs Spiel zu setzen bei unseren Initiativen in Deutschland.
Er schreibt: ,Falls sie (die Teilkirchen in Deutschland) von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben.‘“ Jede Teilkirche muss die Katholizität, die Einbettung in die Weltkirche, bewahren. Das soll auch für den synodalen Weg gelten. Ebenso fordert er auf, den Weitblick nicht zu verlieren und nicht im Auf und Ab der Konflikte, den Sinn für die tiefe Einheit der Kirche zu verlieren.
Wir in Deutschland können gern auf den Papst hören; er legt uns die wesentlichen Themen und Aufgaben ans Herz. Sein Schreiben will uns am Hochfest Peter und Paul ermuntern, das zu tun, was uns Katholiken aufgetragen ist: In Verbindung mit dem Papst und der Weltkirche zu leben und zu wirken und auch für ihn zu beten, was er immer wieder von uns erbittet.
Ich konnte und wollte nur einige Aspekte des Schreibens hervorheben. Alle Katholiken und alle Interessierte bitte ich, das Schreiben des Papstes zu lesen, zu bedenken, zu besprechen und zu beherzigen.“
Weitere Reaktionen
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und ZdK-Präsident Thomas Sternberg dankten dem Papst „für seine orientierenden und ermutigenden Worte“. Sie sähen sich ermutigt, den angestoßenen Reformprozess weiterzugehen. Der päpstliche Brief solle auf dem „synodalen Weg“ intensiv bedacht werden.
Nachdem die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche in Deutschland in den vergangenen Jahren erschüttert worden sei, müsse es nun darum gehen, Vertrauen neu zu gewinnen, erklärten Marx und Sternberg in Bonn. Dabei sei eine geistliche Ausrichtung notwendig, „die sich nicht in Strukturdebatten erschöpfen darf“.
Auch andere katholische Bischöfe zeigten sich am Wochenende erfreut über den Brief des Papstes. Franziskus erkenne an, dass die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Themen der deutschen Katholiken berechtigt und notwendig sei, und dass es gut sei, diese gemeinsam zu gestalten, erklärte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße.
Dankbar für dieses „starke Zeichen des Papstes“ äußerte sich der Limburger Bischof Georg Bätzing. Er teilte die Auffassung des Papstes, nichts zu verschleiern und sich „den Themen zu stellen“. Die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, nannte den Brief ein „klares Votum, einen gemeinsamen Prozess von Amtsträgern und Volk Gottes zu gestalten“.
Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ unterstrich am Samstag, dass der „verbindliche synodale Weg“ die einzige Möglichkeit sei, die „existenzielle Kirchenkrise in Deutschland zu überwinden“. Zugleich warnte die Initiative kritischer Katholiken davor, zu viel Hoffnung in den Prozess zu setzen, solange nicht kirchenrechtlich geklärt sei, wer am Zustandekommen von Beschlüssen beteiligt sei und welche Verbindlichkeit diese hätten.
Die deutschen katholischen Bischöfe hatten im März Reformvorstellungen formuliert. In einem als „synodaler Weg“ bezeichneten Beratungsprozess mit dem Zdk, also den kirchlichen Laien, sowie außerkirchlichen Experten soll es um Themen wie Machtstrukturen und Sexualmoral sowie das Zölibat der Priester gehen.

INFO
Den Brief von Papst Franziskus gibt es im Wortlaut zum Download unter www.dbk.de

Autor: eopd / bbk


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