Heinrichsblatt

Alle Nachrichten

Ein Pilotprojekt der besonderen Art

Olivelli-Haus der Caritas Nürnberger Land in Hersbruck


Foto: Christoph Gahlau

Hersbruck – „Es geht mir jeden Tag besser“, strahlt Angelika Wittig. Die zweifache Oma ist eine von neun Bewohnern, die im ersten und zweiten Stock des Olivelli-Hauses der Caritas Nürnberger Land in Hersbruck leben. Zuletzt lebte die Seniorin alleine in einer Wohnung und litt unter anderem auch darunter zu vereinsamen. Wittig nutzt ein Angebot, das unter dem Fachbegriff „Ambulant betreutes Wohnen“ läuft und sich an Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung und mit Pflegebedarf oder absehbarbem Pflegebedarf richtet, erläutert Michael Schubert, Bereichsleiter Psychiatrie der Caritas Nürnberger Land.
Von einer „ungewöhnliches Kombination“ spricht denn auch Schubert. In Heimen für psychisch kranke Menschen gebe es jeweils Plätze für 25 bis 30 Personen. Doch die Bewohner des Olivelli-Hauses wären in diesen Heimen fehl am Platz. Eine psychische Behinderung, erläutert Schubert, sei beispielsweise eine Depression oder eine Persönlichkeitsstörung. In der Regel könnten sich diese Menschen noch selbst gut versorgen. Der Pflegedienst, je nach individuellem Bedarf, komme ins Haus und verabreiche beispielsweise auch nötige Medikamente. Im Unterschied zu den Heimen hätten die Bewohner des Olivelli-Hauses auch keinen Heim-, sondern einen Mietvertrag unterschrieben.
Die Zimmer, wie das von Angelika Wittig, sind geräumig und gemütlich. Jeder Bewohner könne seine eigene Möbel mitbringen und das Zimmer nach seinen Vorstellungen einrichten, erläutert Einrichtungsleiterin Beatrix Jacobsen. Wie in einer anderen Wohngemeinschaft auch, gibt es eine Küche und einen Gemeinschaftsraum, den sich die Bewohner teilen. Manchmal, so erzählt Jacobsen „menschelt“ es auch in dieser WG und es gebe auch mal Streit um die Sauberkeit der Küche. Die Küche ermöglicht auch gemeinsames Kochen. Angelika Wittig allerdings nutzt zumindest drei Mal pro Woche die Möglichkeit sich das Mittagessen vom Caritas-Menuservice bringen zu lassen. Das teile sie sich dann mit einer Mitbewohnerin aus dem Nachbarzimmer, erzählt sie.
Ein Modellprojekt
Die Finanzierung habe sich als schwierig erwiesen. Denn schließlich würden hier die Regularien von zwei unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern greifen, erläutert Schubert. Mit eben jeweils unterschiedlichen Zuständigkeiten. Gemeinsam mit dem Bezirk Mittelfranken sei nun eine Lösung gefunden worden. Überhaupt ist nach Schuberts Meinung das Projekt „Ambulant betreutes Wohnen“ ein positives Beispiel für die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Dieses soll die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessern.
Doch das Projekt im Olivelli-Haus habe durchaus auch seine Grenzen. Beispielsweise sei es nicht geeignet für Menschen, die an Demenz erkrankt seien. Denn eine 24-Stunden-Versorgung gebe es eben in dieser Wohngemeinschaft nicht. Für den Fall der Fälle gebe es aber eine Rufbereitschaft ins Don-Bosco-Haus, das nur wenige Minuten vom Olivelli-Haus entfernt liegt. Bislang, so erzählt Schubert, sei dieses Angebot aber noch nicht genutzt worden.
Drei Damen und ein Herr seinen auf ihrem Stockwerk, erzählt Angelika Wittig. Mit ihrer Zimmernachbarin, mit der sie sich auch das Bad teilt, verstehe sie sich sehr gut. Nach dem Aufstehen würden sie erst einmal gemeinsam frühstücken und dann wird natürlich auch ein wenig geratscht. Am Anfang, als man ihr vorgeschlagen habe, hier einzuziehen, sei sie skeptisch gewesen, ob sie sich das leisten könne. Aber dadurch, dass es eben keine Rundum-Versorgung sei, sei es auch finanzierbar, erzählt Wittig. Und freut sich schon auf den Nachmittag, wenn ihr siebenjähriger Enkel wieder vorbeischaut, der seine Oma über alles liebe, erzählt sie.
Michael Schubert ist zufrieden. Denn es sei durchaus ein gewagtes Projekt gewesen, ob es funktionieren werden. Und er zieht schon einmal ein erstes Resümee: „Es scheint gut zu funktionieren.“

Autor: Christoph Gahlau


Zurück

Werbeaktion zum „Sonntag der Kirchenzeitung“

Aktuelle Downloads

Pfarrbriefvorlagen zum Herunterladen

Anzeigen

Märkteverzeichnis zum Herunterladen

Anzeigen

Begegnung mit Erzbischof Ludwig

31.01Besuch der Don-Bosco-Schule

Alle Termine anzeigen

Patenschafts-Abonnement

Unterstützen Sie mit einer Abonnement-Patenschaft bedürftige Mitmenschen...

mehr erfahren

Heinrichsblatt-Probeabonnement

Gestaltung: markusheisterberg.de