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Keiner geht zu einem Verein, weil die Strukturen so toll sind

Gemeinsame Sitzung der Pastoralkonferenz und des Dekanatsrates Erlangen


Foto: Über die „Pastoral in großen Räumen“ hat Anne Rademacher, die Leiterin des Erfurter Seelsorgeamtes bei der gemeinsamen Sitzung von Pastoralkonferenz und Dekanatsrat Erlangen referiert. Foto: cga

Das Wort von den XXL-Seelsorgebereichen macht im Erzbistum momentan die Runde. Haupt- und Ehrenamtliche fragen sich aktuell, wie Kirche in Zukunft aussehen kann, wie eine persönliche Seelsorge noch möglich sein werde. Einmal jährlich tagen die Pastoralkonferenz des Dekanats Erlangen und der Dekanatsrat gemeinsam. In diesem Jahr wagen sie den Blick über den Tellerrand hinaus, ins nördliche Nachbarbistum, nach Erfurt. Dort leben knapp 150 000 Katholiken, die meisten von ihnen, nämlich rund 79 000 im Eichsfeld und weitere 14 000 in der Landeshauptstadt von Thüringen, in Erfurt. „Wir haben viel Platz und nicht allzu viele Leute“, meinte Anne Rademacher, die Leiterin des Seelsorgeamtes des Bistums Erfurt bei ihrem Vortrag im Haus Notre Dame de Vie in Weisendorf. Sie könne, stellte sie eingangs fest, von ihren Erfahrungen berichten, eine Patentlösung habe auch sie nicht. Allerdings formulierte Rademacher auch deutlich, dass wohl, wie in jedem Verein, die Menschen nicht wegen einer tollen Struktur Mitglied seien, sondern weil sie sich für eine Sache begeisterten. „Wir haben den Auftrag vom Herrn persönlich.“ Bescheidenheit, Subsidiarität und Vertrauen. Man müsse sich schon die Frage stellen, ob denn alles was angefragt werde, unbedingt abgedeckt werden müsse. „Wir lernen durch die Wirklichkeit anzuerkennen, dass wir nicht alles abdecken können“, stellte die Erfurter Seelsorgeamtsleiterin fest. Es sei zutiefst menschlich, immer mehr sein zu wollen, als man tatsächlich ist. Sie rät deshalb zu mehr Bescheidenheit. Punkt zwei sei die Subsidiarität. Die „Zentrale“, so ihre Meinung, solle nur dort eingreifen, was von unten nicht mehr abgedeckt werden könne. „Pastoral gestaltet sich vor Ort.“ Die Seelsorger und die Menschen dort wüssten am besten, was notwendig sei. Damit hänge auch das Vertrauen, der dritte Punkt, zusammen. Wie sich Kirche entwickle, das wisse sie auch nicht. Vielmehr sollte man sich fragen: „Was will der Herr uns damit sagen? Strukturdebatte ist Dauerthema Auch in ihrem Bistum werde über Strukturen diskutiert und auch gerechnet, wie lange wohl die Priester noch für die vorhandenen Strukturen ausreichten. Im Bistum Erfurt sei die Pfarrei die Definition für das Territorium. „Pfarrei heißt ein Dach, unter dem Leben funktionieren kann.“ Allerdings umfasst das Bistum laut Homepage der Diözese 45 Pfarreien in 7 Dekanaten auf einer Fläche von rund 12 000 Quadratkilometern. Damit ist das Bistum Erfurt flächenmäßig größer als das Erzbistum Bamberg mit einer Fläche von 10 288 Quadratkilometern. Eine bestimmte Teamgröße für das hauptamtliche pastorale Personal gebe es in ihrem Bistum nicht. „Es kann durchaus sein, dass ein Team nur aus zwei Leuten mit 1,5 Stellen besteht.“ Der Begriff der Gemeinde werde nur im liturgischen Sinne verwendet, also wenn die Menschen zum Gottesdienst zusammen kommen. Für den Begriff Gemeinde, im Sinne der Menschen eines Ortes, wie er hierzulande häufig verwende werde, werde bei ihnen im Bistum der Begriff Kirchort verwendet. An diesen Kirchenorten, würden auch lokale Gremien gewählt, die dann wiederum Delegierte in den Pfarreirat entsenden würden. Für diese lokale Gremien gebe es vom Bistum keine Vorgaben bezüglich einer Altersbegrenzung. Wenn beispielsweise in einer Pfarrei eine Jugendgruppe funktioniere, so wäre es unklug, wenn erst ab 18 Jahren gewählt werden dürfte. Gleichzeitig lehnt Rademacher es aber ab, Laien auszubilden, die dann in den Kirch­orten die Rolle eines Ersatz-Priesters einnehmen würden. Dies würde laut Rademacher die vorhandenen Strukturen nur verfestigen. Viel wichtiger sei es die Getauften und die Gefirmten entsprechend ihren Begabungen einzusetzen. So habe beispielsweise ein ausgebildeterWort-Gottes-Leiter festgestellt, dass ihm die Feier der Krankenkommunion mehr liege. Überhaupt legt Rademacher den Zuhörern ans Herz Berührungsängste abzulegen. Sei es in der Ökumene oder sei es, wenn es darum geht, ob eine Wort-Gottes-Feier am Sonntag mit oder ohne Kommunionspendung gefeiert werde. Ihre Erfahrung sei, dass die Menschen sehr wohl den Unterschied zwischen einer Wort-Gottes-Feier mit Kommunionspendung und der Eucharistie wüssten. Die Eucharistie, so ihre Erfahrung, werde dadurch mehr wertgeschätzt. Und letztlich stelle sich die Frage, wie Christen heute in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft wahrgenommen würden, meinte Rademacher. Und da stelle sich die Frage nach dem Zeugnis, das sich nach ihrer Meinung vor allem in der Barmherzigkeit ausdrücke. Denn nur so sei die Kirche auch missionarisch und damit auch glaubwürdig.

Autor: Christoph Gahlau


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